Stetige Softwaretests werden wichtiger

Effizientere Testausführung mit Test Impact Analysis

23. Januar 2026, 13:00 Uhr | Jamie Motheral, Functional Testing Specialist bei Parasoft / ak
Ein typischer DevOps-Prozess (Development/Operations) mit den Aspekten Continuous Integration (CI) und Continuous Delivery/Deployment (CD).
© Parasoft

In der Softwareentwicklung sorgen Weiterentwicklungen dafür, dass Softwaresysteme relevant, zuverlässig und widerstandsfähig bleiben. Allerdings birgt jede Codeänderung Risiken. Hier kommt Test Impact Analysis ins Spiel – damit bekommen Entwickler schnell Feedback, ob ihre Änderungen sicher sind.

Diesen Artikel anhören

Test Impact Analysis (TIA) erhöht die Effizienz der Testausführung und stellt sicher, dass Codeänderungen keine ungewollten Fehler verursachen. Sie findet genau die Tests, die durchgeführt werden müssen, und überprüft Codeänderungen schnell. So können Teams Änderungen rasch und sicher vornehmen. TIA ist kein neues Konzept, hat allerdings in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. In der Vergangenheit konzentrierte sich das Testen von Software hauptsächlich auf statische Bewertungen vor der Veröffentlichung, um Fehler zu finden und zu beheben. Bei der Dynamik moderner Software, die ständigen Veränderungen unterworfen ist, stößt dieser Ansatz jedoch oft an seine Grenzen. Mit anderen Worten: Der Aufstieg von agilen und DevOps-Methoden sowie schnelle Entwicklungszyklen und kontinuierliche Integrationspraktiken haben den Bedarf an einer flexibleren, proaktiveren und mobilen Teststrategie erhöht. Durch TIA kommt es zu einer grundlegenden Veränderung bei der Validierung von Software, vor allem bei großen und komplexen Systemen. Anstatt auf lange Testläufe zu warten, die die Arbeit verzögern können, werden bei diesem Ansatz die Auswirkungen von Änderungen auf den bestehenden Code bewertet. So wird sichergestellt, dass jede Änderung gründlich getestet wird und die Gesamtstabilität des Systems erhalten bleibt.

Die Grafik zeigt, wie Code-Änderungen mit den betroffenen Testfällen zusammenhängen. Mit Parasoft TIA wird dieser Prozess automatisiert.
Die Grafik zeigt, wie Code-Änderungen mit den betroffenen Testfällen zusammenhängen. Mit Parasoft TIA wird dieser Prozess automatisiert.
© Parasoft

Was ist TIA?

TIA ist eine Software-Testmethode, bei der es darum geht, die Auswirkungen bestimmter Änderungen an einer Softwareanwendung während ihrer Entwicklung oder Wartung zu bewerten und zu überprüfen. Anstatt bei jedem Commit die gesamte Testsuite auszuführen, wählt TIA automatisch und intelligent nur die Teilmenge der Testfälle aus, die mit den letzten Änderungen zusammenhängen. Dadurch werden die Build-Zeiten optimiert und der Ressourcenverbrauch reduziert. In einer Continuous-Integration-Pipeline (CI) funktioniert TIA meist wie folgt:

  • Codeabdeckungsanalyse: Die Erfassung und Analyse der Codeabdeckung erfolgt anhand von Basis-Unit-, Funktions- und UI-Tests. Dabei werden Codezeilen den entsprechenden Testfällen zugeordnet, die sie validieren.
  • Erkennt Codeänderungen: Entwickler führen einen Code-Diff mit dem Basis-Build durch, bei dem sie zuletzt ihre vollständige Regressionstest-Suite ausgeführt haben, um festzustellen, was sich geändert hat.
  • Ordnet Änderungen den Tests zu: Die Codeänderungen werden den einzelnen Unit-, Integrations- oder Regressionstests zugeordnet, die den geänderten Code abdecken.
  • Führt nur die notwendigen Tests aus: TIA führt über ein Command-Line Interface (CLI) automatisch nur die Teilmenge der Testfälle aus, die mit den Codeänderungen korrelieren, anstatt die gesamte Suite. Dadurch beschleunigt TIA die Validierung, ohne dass die Abdeckung beeinträchtigt wird.
  • Schnelles Feedback: Entwickler bekommen sofortige Testergebnisse, sodass sie Fehler beheben können, bevor der Code zusammengeführt wird.

Durch die Integration von TIA in CI-Workflows können Teams unnötige Testausführungen minimieren, Infrastrukturkosten optimieren und Entwicklungszyklen beschleunigen, während gleichzeitig sichergestellt wird, dass jede Codeänderung ordnungsgemäß validiert wird.

Kompletter Continuous-Integration-Test (CI) mit und ohne Test Impact Analysis.
Kompletter Continuous-Integration-Test (CI) mit und ohne Test Impact Analysis.
© Parasoft

Live-Unit-Tests: TIA in der IDE

Während die TIA im CI/CD-Prozess Vertrauen in kontinuierliche Builds schafft, nutzt das Live-Unit-Testing die gleichen Ideen in der IDE. Es gibt den Entwicklern frühzeitig Feedback, sobald sie den Code ändern, und schafft auf diese Weise Vertrauen. Wenn Entwickler Änderungen am bestehenden Code vornehmen und ihre Arbeit in der IDE speichern, laufen die Live-Unit-Tests automatisch im Hintergrund. Dabei werden die Unit-Tests identifiziert, die für die letzten Änderungen relevant sind, und in Echtzeit ausgeführt.

Die Testergebnisse sind für Entwickler während des Programmierens sichtbar, sodass sie potenzielle Fehler sofort erkennen können. Sie können ihre Änderungen verfeinern, bevor sie neuen Code in einen gemeinsamen Branch übertragen. Der automatisierte Workflow hat Vorteile: Er verbessert die Produktivität, stärkt testgetriebene Entwicklungsmethoden und minimiert das Risiko, dass Fehler in spätere Phasen des SDLC (Software Development Life Cycle) gelangen.

Durch die Integration von Live-Unit-Tests in den Entwicklungs-Workflow und die Ergänzung durch TIA erstellen Teams eine nahtlose Qualitätssicherungsstrategie, die Änderungen lokal effizient validiert, während der Code in CI/CD-Pipelines geändert wird.

Vorteile der Implementierung von TIA und Live-Unit-Tests

Die Implementierung von TIA und Live-Unit-Tests bietet zahlreiche Vorteile für die Softwareentwicklung und Qualitätssicherung.

  • Steigerung der Effizienz: TIA und Live-Unit-Tests machen das Testen effizienter, weil nur die von Codeänderungen betroffenen Bereiche getestet werden. Das heißt, dass man nicht die ganze Anwendung neu testen muss, was viel Zeit und Ressourcen kosten kann, sondern nur einen Teil der Testfälle, die mit den Änderungen zu tun haben. Dieser Ansatz reduziert Redundanzen, beschleunigt Testzyklen und ermöglicht schnellere Entwicklungsiterationen.
  • Schnelleres Feedback: Mithilfe von TIA und Live-Unit-Tests können Entwickler schnell feststellen, ob sie neue Fehler eingeführt haben und ob ihre Änderungen erfolgreich integriert wurden. Dank dieser schnellen Feedback-Schleife können sie Codeänderungen mit größerer Sicherheit vornehmen, Probleme umgehend beheben, die Ausbreitung von Fehlern verhindern und die Entwicklungszyklen verkürzen.
  • Geringerer Ressourcenverbrauch: TIA reduziert den Ressourcenverbrauch der CI/CD-Pipeline, indem nur die für die letzten Codeänderungen relevanten Testfälle ausgeführt werden. Durch die Minimierung unnötiger Testausführungen setzt TIA Pipeline-Kapazitäten frei, sodass Teams mehr Projekte unterstützen, Lieferzyklen beschleunigen und Testressourcen effektiver zuweisen können.
  • Weniger kontextbezogene Umstellungen: Wenn Entwickler Fehler in späteren Phasen der Entwicklung finden, stört das die Konzentration auf das Schreiben von neuem Code oft durch die Fehleranalyse und -behebung. Durch Live-Unit-Tests können Entwickler effizienter und sicherer arbeiten, weil sie wissen, dass ihre Änderungen vor der Integration gründlich getestet wurden. Die Minimierung von Unterbrechungen steigert die Produktivität der Entwickler.
  • Verbesserte Softwarequalität: TIA und Live-Unit-Tests ermöglichen es Entwicklern und Testern, Codeänderungen innerhalb des Sprints zu validieren. Dadurch reduziert sich der Arbeitsaufwand nach vollständigen Regressionstests. Ohne diese Funktionen müssen Teams oft auf den Abschluss vollständiger Regressionszyklen warten, um Änderungen zu überprüfen. Die manuelle Identifizierung relevanter Tests ist nämlich zeitaufwändig und fehleranfällig. Durch die gezielte Testausführung und frühzeitige Fehlererkennung schaffen TIA und Live-Unit-Tests Zeit für die Erstellung neuer Testfälle, mit denen Lücken in der Abdeckung geschlossen werden können.
  • Erleichtert agile Arbeitsabläufe: TIA und Live-Unit-Tests eignen sich gut für agile Entwicklungsmethoden und CI/CD-Pipelines (Continuous Integration / Continuous Delivery). In agilen Umgebungen, in denen schnelle und häufige Codeänderungen die Norm sind, tragen sie dazu bei, dass Software-Updates ohne Verzögerungen veröffentlicht werden können.
  • Kosteneinsparungen: Die Implementierung von TIA kann auf verschiedene Weise zu Kosteneinsparungen führen. Sie reduziert den Zeit- und Ressourcenaufwand für Tests und minimiert die Kosten für umfangreiche Testsuites und Regressionstests. Die frühzeitige Erkennung von Fehlern und die schnellere Behebung von Problemen sparen ebenfalls Kosten, weil verhindert wird, dass Fehler in spätere Entwicklungs- oder Produktionsphasen gelangen, wo ihre Behebung teurer sein kann.
Motheral Jamie von Parasoft
Jamie Motheral ist Functional Testing Specialist bei Parasoft. Sie ist Spezialistin für API-Testautomatisierung, Web-Funktionstests, Integrationstests, Unit-Test-Generierung, Code-Abdeckungsanalyse, Umgebungsmanagement und Service-Virtualisierung zur Stabilisierung von Testumgebungen.
© Parasoft

TIA und Live-Unit-Tests für eine bessere Softwareentwicklung

Die Implementierung dieser Methoden ist ein wichtiger Schritt für eine optimierte Softwareentwicklung. Die stetige Weiterentwicklung in der Softwarebranche macht effizientere und anpassungsfähigere Testmethoden erforderlich. Indem sie den Fokus auf Anpassungsfähigkeit legen, bieten diese Testtechniken eine neue Perspektive. Der Wechsel von starren, statischen Testplänen zu einem dynamischen, reaktionsschnellen Ansatz ermöglicht es Teams, mit der sich ständig verändernden Softwarelandschaft Schritt zu halten und neue Herausforderungen proaktiv anzugehen.

TIA und Live-Unit-Tests beseitigen die Unsicherheit bei Softwareänderungen, indem sie sicherstellen, dass die Änderungen korrekt funktionieren und die Anforderungen erfüllen. Entwickler müssen nicht mehr lange warten, um herauszufinden, ob ihre Änderungen zu Fehlern führen. Stattdessen bekommen sie schnelles, gezieltes Feedback.

Durch die Integration dieser Techniken in die Entwicklungsabläufe können Teams schneller arbeiten, innovativer sein und jede Codeänderung selbstbewusst umsetzen. Aus Sicht der Benutzer trägt TIA dazu bei, Softwarelösungen zu liefern, die auf ihre sich ändernden Anforderungen reagieren.

Um TIA und Live-Unit-Tests erfolgreich einzuführen, sollten Unternehmen in die richtigen Tools investieren und eine Kultur des kontinuierlichen Lernens fördern. So können sie eine Entwicklungs- und Testumgebung schaffen, die von Veränderungen profitiert.


Lesen Sie mehr zum Thema


Jetzt kostenfreie Newsletter bestellen!

Weitere Artikel zu Parasoft

Weitere Artikel zu Echtzeit-/Embedded Software

Weitere Artikel zu Embedded-Systeme

Weitere Artikel zu Software/Entwicklung