Elektroniknet Logo

Angriff auf CPU-Markt

Nvidia stellt »Grace« vor

Nvidia Grace
Grace ist ein hochspezialisierter Prozessor, der auf datenintensive HPC- und KI-Anwendungen abzielt.
© Nvidia

Von Simulationen der intelligenten Fabrik der Zukunft über Supercomputer bis hin zu Plattformen für künstliche Intelligenz – die Keynote von Jensen Huang, CEO von Nvidia, bot einiges an Zündstoff. So auch »Grace«, die erste CPU von Nvidia.

»Nvidia hilft dabei, die Arbeit für die Da Vincis unserer Zeit voranzutreiben – sei es im Sprachen lernen, in der Medikamentenforschung oder im Quantencomputing«, sagte Huang in seiner Keynote der GTC, Nvidias GPU Technology Conference.  

Wichtigste Botschaft der Ansprache dürfte mit Sicherheit das Ankündigen von »Grace«, Nvidias erster eigener CPU für das Rechenzentrum sein. Sie ist nach Grace Hopper, einer Admiralin der US Navy und Pionierin der Computerprogrammierung, benannt.

Grace ist ein hochspezialisierter Prozessor, der auf datenintensive HPC- und KI-Anwendungen abzielt, wie das Training von Natural Language Processing der nächsten Generation, die mehr als eine Billion Parameter haben. Bei enger Kopplung mit Nvidia-GPUs liefert ein Grace-basiertes System eine 10-fach höhere Leistung als heutige DGX-basierte Systeme, die auf x86-CPUs laufen, so Huang.

Nvidia hat Grace entwickelt, indem die Flexibilität der Rechenzentrumsarchitektur von Arm genutzt wurde. »Als die weltweit am häufigsten lizenzierte Prozessorarchitektur treibt Arm jeden Tag Innovationen auf unglaubliche Weise voran«, sagte Arm-CEO Simon Segars. »Die Einführung der Grace Rechenzentrums-CPU zeigt deutlich, wie das Lizenzierungsmodell von Arm eine wichtige Erfindung ermöglicht, die die unglaubliche Arbeit von KI-Forschern und Wissenschaftlern auf der ganzen Welt weiter unterstützen wird«. Gleichzeitig stellt das Entwickeln von Grace aber natürlich auch einen direkten Angriff auf den CPU-Giganten Intel dar.

Relevante Anbieter

Bluefield 3
Grace und BlueField sind wichtige Teile einer Roadmap für Rechenzentren, die aus drei Chips besteht: CPU, GPU und DPU.
© Nvidia

Zurück zur Wissenschaft: Weiter kündigte Huang an, dass das Swiss National Supercomputing Center einen Supercomputer mit dem Namen »Alps« baut, der von Grace und Nvidias GPU der nächsten Generation angetrieben wird. Auch das Los Alamos National Laboratory des US-Energieministeriums wird im Jahr 2023 einen Supercomputer mit Grace-Antrieb in Betrieb nehmen, so Huang.

Zur weiteren Beschleunigung der Infrastruktur, auf der Hyperscale-Rechenzentren, Workstations und Supercomputer aufgebaut sind, kündigte Huang die BlueField-3 Data Processing Units (DPUs) an.

Grace und BlueField sind wichtige Teile einer Roadmap für Rechenzentren, die aus drei Chips besteht: CPU, GPU und DPU, so Huang. Jede Chip-Architektur hat einen Zwei-Jahres-Rhythmus mit wahrscheinlich einem Kicker dazwischen. Ein Jahr wird sich auf x86-Plattformen konzentrieren, das nächste auf Arm-Plattformen.

Grundlage für die Leistung von Grace ist Nvidias NVLink-Interconnect-Technik der vierten Generation, die eine Verbindung zwischen Grace und Grafikprozessoren mit 900 GB/s ermöglicht und so eine 30-fach höhere Gesamtbandbreite im Vergleich zu den heute führenden Servern besitzt. Grace verwendet zudem ein LPDDR5x-Speichersubsystem, das im Vergleich zu DDR4-Speicher eine doppelt so hohe Bandbreite und eine 10-fach bessere Energieeffizienz bietet. Grace wird vom Nvidia HPC Software Development Kit und der kompletten Suite der CUDA- und CUDA-X-Bibliotheken unterstützt. Die Verfügbarkeit wird für Anfang 2023 erwartet.

Omniverse
Die BMW Group ist der erste Automobilhersteller, der mit Omniverse einen durchgängigen digitalen Zwilling einer ganzen Fabrik entwirft.
© Nvidia | BMW

Simulation der intelligenten Fabrik

Mit Nvidia »Omniverse Enterprise« soll es möglich sein, dass 3D-Produktionsteams, die oft groß, unterschiedlich qualifiziert und geografisch verstreut sind, nahtlos an komplexen Projekten zusammenarbeiten können. Anstatt sich persönlich zu treffen oder umfangreiche Dateien auszutauschen und zu überarbeiten, können Designer und Prüfer gleichzeitig in einer virtuellen Welt arbeiten – von jedem Ort und auf jedem Gerät. Omniverse Enterprise wurde bereits von einigen der weltweit anspruchsvollsten Designteams bei Unternehmen wie der BMW Group, Foster + Partners und WPP getestet. Vor drei Monaten wurde eine offene Betaversion für Privatanwender gestartet, die bereits von fast 17.000 Anwendern heruntergeladen wurde.

Omniverse Enterprise umfasst den Omniverse Nucleus Server, der die von den Clients gemeinsam genutzte Datenbank verwaltet, sowie die Omniverse Connectors, Plug-Ins für Design-Anwendungen.

Die BMW Group ist der erste Automobilhersteller, der mit Omniverse einen durchgängigen digitalen Zwilling einer ganzen Fabrik entwirft. Tausende von Planern, Produktingenieuren, Facility Managern und Lean-Experten innerhalb des globalen Produktionsnetzwerks können in einer einzigen virtuellen Umgebung zusammenarbeiten. Sie können so komplexe Fertigungssysteme entwerfen, planen, konstruieren, simulieren und optimieren, bevor eine Fabrik tatsächlich gebaut oder ein neues Produkt integriert wird.

Cybersecurity mit »Morpheus«

Weiterhin stellte Huang in seiner Keynote das Anwendungsframework Nvidia »Morpheus« vor, das Cybersecurity-Partnern eine komplette Suite beschleunigter KI-Fähigkeiten zur Verfügung stellt. Mit ihnen sind Bedrohungen schnell erkennbar können so effektiv abgewehrt werden. Morpheus ist ein Cloud-natives Cybersecurity-Framework, das maschinelles Lernen nutzt, um Bedrohungen und Anomalien zu erkennen, zu erfassen und Maßnahmen zu ergreifen, die bisher nicht identifizierbar waren, wie Leaks unverschlüsselter sensibler Daten, Phishing-Angriffe und Malware. Morpheus nutzt die Vorteile von KI und BlueField-3 DPUs.

In Kombination mit BlueField DPUs ermöglicht Morpheus, dass jeder Rechenknoten im Netzwerk als Cyber-Defense-Sensor am Edge fungieren kann, so dass Unternehmen jedes Paket mit hoher Geschwindigkeit und ohne Datenreplikation analysieren können.


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

NVIDIA Corporate