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Interview mit Christian Eder

»Frühzeitig auf COM-HPC wechseln«

Christian Eder Congatec
Chrisitan Eder ist Director Marketing bei Congatec.
© Weka Fachmedien | Congatec

Wie viele Unternehmen kämpft Congatec mit der Bauelementknappheit. Christian Eder, Marketing Director, geht jedoch davon aus, dass sich der Markt mittelfristig stabilisiert. Welche Strategie Congatec für das neue Jahr bereithält und was das mit COM-HPC zu tun hat, erfahren Sie im Interview.

Christian Eder ist Director Marketing bei Congatec.

Herr Eder, wie ist die aktuelle Situation bei Congatec bezüglich Lieferfähigkeit und Auftragslage?

Aktuell stehen wir sehr gut dar, trotz der Pandemie – im Jahr 2020 haben wir unsere Ziele erreicht und konnten sogar unsere Design Wins steigern. Das ist eine gute Grundlage für künftiges Wachstum, obwohl die von Covid-19 bedingten Fluktuationen bei Bedarf und Verfügbarkeit sehr herausfordernd sind. Mithilfe belastbarer Second-Source-Strategien sowie engen Kontakten und partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten konnten wir unsere Lieferperformance auf einem guten Stand halten. Wie viele Unternehmen kämpfen jedoch auch wir mit der Bauelementeknappheit und müssen manchmal leider unsere Lieferfristen strecken.

In welche Richtung passen Sie Ihre Pläne für das kommende Jahr an?

Die Verknappung wichtiger Komponenten begleitet uns sicherlich ebenfalls im kommenden Jahr. Wir sind also auf eine sorgfältige Planung – gemeinsam mit unseren Kunden – angewiesen und darauf, dass der Markt wieder an Stabilität gewinnt. Als zusätzlichen Service können wir Komponenten im Voraus einlagern, jedoch hat das seinen Preis.

Momentan sehen wir in der Wirtschaft einen klassischen Schweinezyklus: Solche Schwankungen bei Angebot und Nachfrage gab es schon immer in der Wirtschaft. Mittelfristig gehen wir davon aus, dass sich der Markt stabilisiert und die Bauteil-Verfügbarkeit normalisiert. Wann das sein wird ist fraglich – hier widersprechen sich die Prognosen.

Im Vergleich zu den Mikrocontrollern der Automobilindustrie oder Weißgeräteherstellern nutzen wir jedoch wertigere Komponenten, bei denen die Margen für die Hersteller höher sind. Insofern sind CPUs in geringerem Maße betroffen, wie diese »Cent-Komponenten«. Außerdem haben wir mit Intel einen Lieferanten, der seine eigene Chip-Fabriken betreibt. Somit muss das Unternehmen nicht den gesammelten Mehrbedarf über alle Bauteile hinweg erfüllen, wie es die klassischen Foundries aktuell erleben. Hierdurch ist die Versorgungslage vergleichsweise gut. Dennoch ist die aktuelle Verknappung ein Wendepunkt, der langfristig Folgen für die Sourcing-Strategien europäischer Kunden hat. Für einen deutschen Hersteller wie Congatec ist das ein Vorteil.

Welche Bauteile fehlen Ihnen am meisten?

Generell ist das gesamte Halbleiterangebot betroffen. Bei vielen einfachen Komponenten bieten sich allerdings Alternativen. Schwieriger ist es bei den Prozessoren, da unsere eingebetteten Systeme auf speziellen CPUs basieren. Es gibt keinen Ersatz für die Prozessoren von AMD, Intel oder NXP. Zudem gibt es keine Möglichkeit, die Komponenten innerhalb einer dedizierten Plattform auszutauschen.

Relevante Anbieter

COM-HPC Client Computer-on-Modules
Bild 1: Congatec hat bereits zwei COM-HPC Client Computer-on-Modules im Portfolio. Sie basieren auf den Tiger-Lake-Prozessoren von Intel.
© Congatec

Mit COM-HPC soll ausreichend Rechenpower für Edge- und Server-Applikationen bereitstehen. Auf welche Produkte setzen Sie Ihren Fokus im vierten Quartal 2021 und im Jahr 2022?

Neu sind unsere COM-HPC-Client-Module mit der 11. Generation der Intel Core-Prozessoren. Sie gibt es in zwei Varianten, als Tiger Lake U sowie als Tiger Lake H. Tiger-Lake-H-Module bieten Core-Prozessoren mit bis zu vier Cores und einer TDP von 15 W, die bis zu 28 W skalierbar ist. Sie sind die ersten Embedded-Prozessoren mit PCIe Gen 4, also dem Standard für das sehr schnelle Anbinden von Peripherie – unter anderem ausschlaggebend für das Entwickeln des neuen Formfaktors. Dessen hohe Performance erweitern Intels Xeon-, Core- und Celeron-Prozessoren der Tiger-Lake-H-Generation nochmals deutlich. Im Vergleich zu COM-Express bietet COM-HPC mit den gleichen Prozessoren eine nahezu doppelte Bandbreite an Schnittstellen. Für mich sind das die ersten Prozessoren, mit denen der Einsatz von COM-HPC richtig Spaß macht.

Bei einer TDP von bis zu 45 W und 20 PCIe-Gen-Lanes markieren sie jedoch erst den Anfang des Potenzials von COM-HPC. Beide Baureihen bieten wir sowohl im erweiterten Temperaturbereich von 0 bis 60 °C als auch im industriellen von -40 bis +85 °C. Im ersten Quartal 2022 steht der Launch der ersten COM-HPC-Servermodule an. Welche Prozessoren hier zum Einsatz kommen, ist noch geheim, da die Roadmaps noch nicht veröffentlicht sind. Weil sich Intel stark in der COM-HPC Working Group engagiert, ist davon auszugehen, dass wir hier demnächst passende Prozessorlaunches sehen. Ebenso sind AMDs Prozessoren sehr interessant für das COM-HPC-Umfeld.

Warum ist Server-Leistung derzeit so wichtig für Unternehmen?

Stichworte sind hier Edge-Server und Fog-Computing. Mit digitalisierten Prozessen nehmen die zu verarbeitenden Datenmengen und die Echtzeitanforderungen zu. Jedoch sind die Daten am Edge zu verarbeiten: Hier entstehen Edge-Datencenter, die besonders rauen Einsatzbedingungen standhalten und über viele Jahre hinweg ihren Dienst verrichten müssen. Also Servertechnik für die Prozessindustrie, die Energiewirtschaft, den Bereich Railway sowie Transportation. Beispielsweise benötigen autonome Fahrzeuge im Logistiksektor oder in der Landwirtschaft eine immense mobile Rechenpower. In Bereich der Automation fordern die kollaborative Robotik und die Koordination ganzer Fertigungszellen eine immer höhere Leistung – genauso Vision-basierte Systeme für die Inspektion oder bildgebende Diagnostik. All das geht meist mit künstlicher Intelligenz (KI) oder Big Data einher. Hinzu kommt, dass Anwender immer mehr Funktionen auf einer Hardware-Plattform mit Echtzeit-Hypervisoren konsolidieren. Zudem sollen die Systeme direkt mit Unternehmensanwendungen interagieren – das funktioniert lediglich mit Edge-Servern mit hoher Bandbreite.


  1. »Frühzeitig auf COM-HPC wechseln«
  2. System- und Board-Auslegung

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