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Farnell & Raspberry Pi

Eine Erfolgsgeschichte

Raspberry Pi
© Weka Fachmedien | Farnell

Farnell, seit 2016 Teil der Avnet-Familie, unterstützt seit langer Zeit Kunden und Partner beim Designen, Entwickeln und der Markteinführung von Produkten. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Geschichte des Rasperry Pi. Zu den Machern pflegt der Distributor eine besondere Beziehung.

Als Eben Upton 2006 den ersten Prototypen des Raspberry Pi Single Board Computers (SBC) entwarf, war das Ziel klar: Mehr junge Menschen inspirieren, sich mit Informatik zu befassen und zu studieren. Upton und sein Team an der University of Cambridge hatten festgestellt, dass der Übergang vom Programmierunterricht zum Umgang mit Software den Studierenden Probleme bereitete. Zum einen meldeten sich weniger Studierende für Informatikkurse an, zum anderen hatten die Kursteilnehmer lediglich sehr begrenzte Programmierkenntnisse und ihnen fehlten die erforderlichen Fähigkeiten.

Grund war laut Upton das Verschwinden von programmierbaren Universalcomputern im privaten Bereich und der allmähliche Ersatz von Computing mit IKT in Schulen. So entschieden sich nur noch wenige Schüler für ein Studium der Informatik an der Universität. Falls doch, fehlten ihnen grundlegende Programmierkenntnisse.

Um das Ziel von Upton zu erreichen, das Programmieren an Schulen und Universitäten zugänglich zu machen, musste der von ihm entwickelte SBC erschwinglich und benutzerfreundlich sein. Lediglich so war es möglich, Elektronik und Programmieren Schülern und Studierenden im Unterricht einfach näherzubringen, ohne der Gefahr, teure Komponenten zu beschädigen. Jedoch konnte nicht einmal Upton – der seinen Traum sechs Jahre später auf dem Markt Realität werden sah – vorhersehen, wie umfassend der Raspberry Pi seither weltweit zum Einsatz kommt.

Seit seiner Markteinführung im Jahr 2012 hat sich der Raspberry Pi zum meistverkauften Personal Computer aller Zeiten entwickelt. Der nächste Schritt folgte 2014, als das Compute Module eingeführt wurde. Es ermöglicht es professionellen Entwicklern und Makern, den SBC in ihre eigenen Systeme und Formfaktoren zu integrieren. So erschloss sich ein neuer Markt für den Pi. Vor Kurzem brachte die Foundation den Raspberry Pi Pico zum Preis von 4 USD auf den Markt – das erste Produkt des Unternehmens, das auf dem von Raspberry Pi entworfenen Chip RP2040 basiert. So bringt der Raspberry Pi Pico die charakteristischen Werte des Raspberry, wie hohe Leistung, niedrige Kosten und Benutzerfreundlichkeit, auf den Mikrocontroller-Markt. Mit der Hoffnung, den gleichen Effekt ebenso im Mikrocontroller-Markt zu erzielen.

Überwinden wachsender Schwierigkeiten

Natürlich war der Erfolg des Raspberry Pi nicht allein vom Wissen und dem Konzept abhängig. Herausfordernd war es, erschwingliche Bauelemente zu beschaffen, um die Produktionskosten auf ein Minimum zu beschränken. Erst 2011 brachte die Einführung des Arm-basierten System-on-Chip (SoC) BCM2835 von Broadcom den Durchbruch, auf den Raspberry Pi gewartet hatte.

Mit dem SoC als Basis, bestand die nächste Hürde darin, eine akzeptable Kostenstruktur in der Kleinserienfertigung zu erreichen. Als Raspberry Pi eine erste Charge von 10.000 Stück finanzierte, war das Ziel, diese zuerst zu verkaufen und erst dann weitere Einheiten herzustellen. Man stellte allerdings schnell fest, dass das Modell aufgrund der Produktionsgemeinkosten, der Komplexität der Lieferkette und der unerschwinglichen Kosten in Zusammenhang mit Import, Export und Transport nicht tragfähig war.

Im Jahr 2012 unterzeichnete der globale Elektronik-Distributor Farnell einen Lizenzvertrag für die Herstellung des Raspberry Pi. Somit kümmerten sich Mitarbeiter bei Farnell um die Lieferkette, die Logistik, den Verkauf und Vertrieb im Auftrag der Raspberry Pi Foundation. Mit einem umfangreichen und zuverlässigen Lieferanten- und Vertriebsnetzwerk konnte Farnell den Pi auf eine neue Ebene bringen, die Lieferzeiten verkürzen und die Flexibilität verbessern. Während die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit in Bezug auf das Beschaffen von Bauelementen, den Verkauf, die Logistik und den Vertrieb maximiert wurden. Die schiere Größe des Geschäfts von Farnell bedeutete, dass das Unternehmen in Lagerbestände investieren und so die Verfügbarkeit des SBC in großem Umfang gewährleisten konnte.

Raspberry Pi 4 plus Zubehör
Bild 1: Der Raspberry Pi 4 mit Zubehör.
© Farnell

Tatsächlich zahlte sich die Partnerschaft so gut aus, dass die Website des Unternehmens aufgrund der massiven Nachfrage abstürzte, als der Raspberry Pi zum ersten Mal bei Farnell in den Verkauf ging. Innerhalb von zwei Jahren der Massenproduktion wurden mehr als zwei Mio. Stück verkauft, hundertmal mehr als ursprünglich geplant. So gelangte der Raspberry in die Hände von Tausenden von Makern, Lehrern und professionellen Entwicklern. Zu der Zeit begann die Geschichte des Raspberry erst richtig, und wird seitdem in Foren und Chatrooms auf der ganzen Welt dokumentiert.

Zugang zu günstiger Rechenleistung

Die langjährige Partnerschaft zwischen Farnell und Raspberry Pi hat einen Umsatz von mehr als 18 Mio. Einheiten generiert und den SBC zu einem globalen Phänomen gemacht. So ist der Raspberry Pi heute nach dem PC und Mac die weltweit drittbeliebteste universell einsetzbare Computerplattform (Bild 1). Produkte von Raspberry Pi finden sich weltweit zum Beispiel auf Flughäfen hinter Bildschirmen versteckt oder in Smart-Home-Geräten. Zudem schuf der SBC einen dazugehörigen Markt im Wert von mehreren Millionen Dollar und trug zum Entwickeln eines Ökosystems von Zubehörherstellern bei.

Laut eigenen Angaben war die Unterzeichnung des Vertrags mit Farnell ein wichtiger Moment von Eben Upton, weil somit der Wert des Raspberry Pi weltweit erschlossen werden konnte. Raspberry Pi verdankt seinen Erfolg ebenfalls den vielfältigen Möglichkeiten von Farnell, die über die Tätigkeiten als reiner Distributor hinausgehen. Für die Raspberry Pi Foundation war besonders interessant, dass Farnell über das Know-how, die Kapazität, die Struktur und die Ressourcen verfügte, die nötig waren, um den Raspberry Pi von der Kleinserienproduktion zur Produktion großer Mengen zu führen. Die Reichweite der weltweiten Aktivitäten von Farnell wurde auch durch starke Beziehungen zu Herstellern auf der ganzen Welt unterstützt.

Ziel der Foundation war es, allen Menschen den Zugang zu kostengünstiger Rechenleistung mit schneller und zuverlässiger Lieferung an Kunden zu ermöglichen. Vom ersten Tag an konnte Farnell den Raspberry Pi über 43 länderspezifische lokale Transaktionswebsites sowie ein Netzwerk von acht globalen Warenlagern und globalen Reseller-Partnern vertreiben.


  1. Eine Erfolgsgeschichte
  2. Entwicklern Sicherheit geben

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