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100 Tage erster Vorsitzender der SGET

»Ich möchte meine Ideen einbringen«

Ansgar Hein
Ansgar Hein ist seit etwa 100 Tagen erster Vorsitzender der SGET.
© Weka Fachmedien | Privat

Seit Juni ist Ansgar Hein erster Vorsitzender der Standardization Group for Embedded Technologies, kurz SGET. Im Rahmen seiner Aufgabe möchte er Ideen einbringen und neue Standards vorantreiben. Was ihn dazu motiviert, erklärt er exklusiv im Markt&Technik-Interview.

Ansgar Hein ist technikbegeisterter Nerd seit C64-Zeiten und hat als Serial-Entrepreneur unter anderem Agenturen, einen Verlag und eine Beratungsgesellschaft erfolgreich geleitet. Heute verbindet er seine Leidenschaften für Technik, Marketing und Unternehmertum als selbständiger Marketingberater sowie als erster Vorsitzender der SGET.

Herr Hein, wie kommt es, dass Sie sich in der Funktion als Vorstand der SGET wiederfinden?

Ich bin der Branche seit vielen Jahren verbunden und habe stets den Kontakt gehalten. Anfang 2021 wurde ich gefragt, ob ich mir die Position vorstellen könne. Ursprünglich komme ich aus dem Marketing, habe sogar schon einen Verlag gegründet. Mein Engagement bei iesy war schließlich der Einstieg in die Elektronik-Branche. Derzeit bin ich selbständig im Marketing-Bereich tätig, gerade die Unabhängigkeit war den Mitgliedern der SGET wichtig. Letztlich habe ich mich zur Wahl gestellt und wurde ohne Gegenstimme im Zuge der Jahreshauptversammlung gewählt.

Welche Ziele verfolgen Sie aktiv in Ihrer Rolle als Vorstand?

Ich kenne die SGET in meiner Rolle als Mitglied und habe bereits in mehreren Arbeitsgruppen – Standard Development Teams, kurz SDT – aktiv mitgearbeitet. In den SDTs entwickeln die Mitglieder die Standards – zum Beispiel in der SDT.03 den embedded-NUC-Formfaktor. Innerhalb der Gruppen war ich bereits in Vorstandaufgaben eingebunden und konnte viel Wissen über die Tätigkeiten der SGET sammeln.

Dadurch fällt es mir leichter, Ziele zu definieren: Beispielsweise möchte ich eine größere Nähe zu den einzelnen Mitgliedsunternehmen herstellen. Außerdem möchte ich noch mehr Unternehmen für die SGET gewinnen und sie dazu einladen, Ideen für neue Standards einzubringen – bislang sind es »lediglich« fünf. Darüber hinaus möchte ich neue Standards vorantreiben, zum Beispiel einen Standard für Mikrocontroller.

Was unterscheidet die SGET von anderen Gremien wie der PICMG?

Als europäisches Gremium sind wir ganz anders aufgestellt als die PICMG, die beispielsweise viel größere Strukturen aufweist. Unser Ansatz ist, mit wenig Bürokratie und flachen Hierarchien viel zu erreichen. Zum Beispiel wurde der OSM-Standard (Open Standard Module) in wenigen Monaten aus der Taufe gehoben. Wir benötigen wenig Zeit vom ersten Draft bis zur fertigen Spezifikation. Wir entwickeln in schnellen Zyklen, produzieren wenig Overhead und haben wenig strenge Regularien. So möchten wir Unternehmen begeistern, sich in der SGET zu engagieren.

Im letzten Jahr wurde der Standard für OSM-Module ins Leben gerufen. Wie geht es hier weiter?

Auf der Website können Entwickler den aktuellen Status der Spezifikation einsehen und downloaden. Unsere Arbeitsgruppe SDT.05 beschäftigt sich aktuell intensiv mit einer neuen Version, die wir demnächst veröffentlichen wollen – vielleicht sogar schon vor der embedded world.

Die Standards SMARC und Qseven wurden ebenfalls von der SGET entwickelt. Gerade von Qseven hört man kaum mehr etwas. Wie geht es mit diesen Standards weiter? Wandern sie aufs Abstellgleis?

SMARC hat sich kontinuierlich weiterentwickelt, hier geht es immer wieder voran – vor kurzem wurde die Version SMARC 2.1 vorgestellt. Bei SMARC entsteht eine hohe Dynamik über die Prozessor-Dualiatät, also für Arm- und x86-Desings gleichermaßen konzipiert zu sein.

Bei Qseven verhält es sich anders: Mittlerweile ist der Standard für Off-the-Shelf-Produkte etabliert, hier gibt es kaum Entwicklungsbedarf. Ich würde ihn als funktionierenden »Cashcow-Standard« bezeichnen, der für Unternehmen enorme Potenziale birgt. In absehbarer Zeit wandert der Standard nicht aufs Abstellgleis. Vor allem da Embedded-Module auf Langzeitverfügbarkeit ausgelegt sind. Außerdem gibt es für Qseven immer wieder neue Produkte – gerade aktuell mit NXPs i.MX8-Prozessoren.

Sie sagen, Sie möchten weitere Standards einführen – gleichzeitig wird es jedoch langsam unübersichtlich für Entwickler. Braucht es alle Standards oder würden weniger genügen?

Ich glaube nicht, dass wir mit weniger Modulstandards auskommen können. COM-Express zum Beispiel ist – auch kostentechnisch – auf einem anderen Level angesiedelt als SMARC. Oftmals benötigen Entwickler gar nicht alle Features wie Gigabit-Ethernet-Konnektivität. Qseven und SMARC sind in ganz anderen Feldern im Einsatz und rechtfertigen hiermit deren Dasein. Ich glaube, wir sehen in Zukunft sogar noch mehr Standards.

In der IoT-Landschaft nimmt die Anzahl der Geräte stetig zu, gerade kundenspezifische Produkte sind hier sehr gefragt. Aus Kostengründen sowie aus Gründen der Interoperabilität kommt der Standardisierung daher eine zunehmend wichtigere Rolle zu. Daher bin ich überzeugt davon, dass wir künftig weniger proprietäre Entwicklungen und mehr standardbasierte Lösungen sehen werden. Ein dritter Punkt ist die Miniaturisierung: Formate werden immer kleiner – von Qseven, COM-Express über SMARC zu OSM. Gerade OSM ist ein gutes Beispiel hierfür – dieser Trend verstärkt sich sogar noch.

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