Elektroniknet Logo

3 Fragen an Roland Chochoiek

»Wir sehen extreme Preissteigerungen«

Chochoiek Roland
Roland Chochoiek ist Prokurist und Geschäftsgebietsleiter Elektronik bei Heitec.
© Weka Fachmedien | Heitec

Embedded-Unternehmen spüren zunehmend die Folgen der Pandemie. Von extremen Preisen, über Lieferschwierigkeiten bis hin zu nicht verfügbaren Bauteilen. Ein gutes Supply-Chain-Management ist wichtiger denn je.

Roland Chochoiek ist Prokurist und Geschäftsgebietsleiter Elektronik bei Heitec. Nach dem Studium der Elektrotechnik und Betriebswirtschaft startete er zunächst in der Entwicklung von Embedded-Computersystemen. Danach hatte er Führungspositionen bei Force Computers und Solectron/Flextronics inne und war Geschäftsführer bei Rittal. Heute bietet er all diese Bereiche mit der Business Unit Electronics bei Heitec aus einer Hand.

Herr Chochoiek, wie hat sich die Pandemie auf die Lieferkette von Heitec und die Ihrer Kunden ausgewirkt?

Roland Chochoiek: Das Besondere an der aktuellen Situation ist, dass fast alle Materialfelder in der Lieferkette betroffen sind. Sowohl nahezu alle Arten von Elektronikbauteilen als auch Grundstoffe und mechanische Teile zeigen signifikante Lieferschwierigkeiten – sogar Paletten für die Logistik. Zum einen führt das zu deutlich längeren Lieferzeiten bis zu einem Jahr und länger. Zum anderen zu unzuverlässigen Lieferterminen – in Hinblick auf die Planbarkeit sogar die größere Herausforderung. Geplante und bestätigte Liefertermine werden nicht eingehalten und verschoben.

Zudem sehen wir extreme Preissteigerungen bei Bauteilen, die schwer verfügbar sind. Lieferanten, die liefern können, nutzen das, um teils unmoralisch hohe Produktpreise aufzurufen. Kürzlich hatten wir denn Fall, dass ein Broker das 60-fache des üblichen Marktpreises für einen FPGA-Baustein verlangt hat. Ähnliches berichten unsere Kunden. Somit betrifft die Situation die komplette Lieferkette – über alle Stufen der Wertschöpfung hinweg.

Was könnte man verbessern – kurz-, mittel- und langfristig?

In jedem Fall müssen Lieferanten und Kunden sich abstimmen und eng und konstruktiv zusammenarbeiten. Kurzfristig hilft ein klares, gemeinsames Festlegen der Prioritäten. Beispielsweise ob es für den Erfolg des Gesamtprojektes nötig ist, ein bestimmtes Bauteil unter allen Umständen und zu teils horrenden Preisen zu beschaffen. Oder ob der Projektplan ein Umdisponieren zulässt.

Eine Sonderbeschaffung macht lediglich dann Sinn, wenn alle für das Gesamtsystem erforderlichen Bauteile zur rechten Zeit am rechten Ort sind. Es hilft nicht, wenn wir beispielsweise eine Baugruppe oder ein Subsystem rechtzeitig liefern können, für das Fertigstellen des Gesamtsystems jedoch ein Bauteil erforderlich ist, das noch weit längere Lieferzeiten hat. Zu eruieren ist zudem, ob es möglicherweise noch Lagerbestände beim Kunden oder bei Partnerfirmen gibt. Eine umfassende Abfrage aller verfügbaren Quellen und Portale versteht sich von selbst.

Mittel- und langfristig sind Rahmenlieferverträge mit langen Laufzeiten ein sehr gutes Mittel, um Planung und Lieferung über die gesamte Kette sicherer zu gestalten. Außerdem verhindern sie, dass man aufgrund von teils überzogenen Forecasts »ins Blaue hinein« Lagerbestände aufbaut, die man dann nicht oder zumindest lediglich sehr verzögert wieder abbauen kann. Wir haben mit vielen unserer OEM-Kunden solche Rahmenverträge, teils mit Laufzeiten über mehrere Jahre, die wir entsprechend an unsere Bauteil-Lieferanten weitergeben. Hiermit war und ist es uns möglich, sehr viele – gerade in letzter Zeit entstandene – Extremeffekte abzufedern.

Wie setzen Sie Ihre Services ein, um Ihre Kunden besser für Krisen zu rüsten?

Ein großer Vorteil ist, dass wir – neben unserem Produktportfolio in der Gehäusetechnik – die komplette Wertschöpfungskette abdecken. Sowohl das Entwickeln als auch das Fertigen der Produkte. Einen Großteil der Elektronikbaugruppen und -systeme, die wir für unsere Kunden fertigen, haben wir bereits für sie entwickelt. Somit können wir bereits in einer frühen Phase der Produktentstehung auf die Auswahl der Bauteile Einfluss nehmen. Unsere Entwickler nutzen hierbei bereits in der Spezifikationsphase des Produktes die Informationen, die wir in unseren internen Datenbanken bereithalten. So kommen lediglich Bauteile zum Einsatz, die gut verfügbar sind – über viele Jahre hinweg.

Wir berücksichtigen ebenso das Thema der Obsoleszenz: Während des Produktlebenszyklus bieten wir unseren Kunden die Option, laufend Verfügbarkeitsabfragen durchzuführen. So können wir beim Abkündigen von Bauteilen zusammen frühzeitig angemessene Strategien entwickeln und umsetzen. Beispielsweise mit dem Aufbau von Lagerbeständen, dem Identifizieren und Qualifizieren von Alternativkomponenten sowie dem Anpassen des Produktdesigns.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Chochoiek.

Anbieter zum Thema

zu Matchmaker+

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

HEITEC AG

TWo EmbeddedS_21