China beerdigt Halbleiter-Deal Qualcomm gibt NXP-Übernahme auf

Die Unternehmenszentrale von Qualcomm in San Diego
Die Unternehmenszentrale von Qualcomm in San Diego

Seit zwei Jahren versucht Qualcomm den Konkurrenten NXP zu übernehmen. Bei der Präsentation der Quartalsergebnisse zog nun Qualcomm-CEO Steve Mollenkopf den Stecker, nachdem China die selbstgesteckte Frist für die Zustimmung ablaufen ließ.

Der kalifornische Halbleiterhersteller Qualcomm nutzte die Präsentation der Geschäftszahlen zum 3. Quartal 2018, um seinen Ausstieg aus der Übernahme der niederländischen NXP Semiconductors bekanntzugeben. »Wir beabsichtigen, unsere Kaufvereinbarung für die Übernahme von NXP, mit Ablauf des heutigen Tages (Anmerkung der Redaktion: 25.07.2018) zu beenden, sofern sich nicht neue Entwicklungen ergeben«, erklärte Qualcomm-CEO Steve Mollenkopf und bezog sich mit dem Nachsatz auf die Tatsache, dass Chinas Kartellbehörden die Frist zur ausstehenden Zustimmung einfach verstreichen ließen. Mollenkopf schien demnach noch bis zur letzten Sekunde auf eine positive Entscheidung aus China gehofft zu haben.

Mit Qualcomms Ausstieg aus der Kaufvereinbarung wird eine Gebühr von 2 Mrd. Dollar, zahlbar an NXP, fällig. Gleichzeitig erklärte Mollenkopf, was nun mit dem Geld passieren soll, das in die Übernahme hätte fließen sollen: »Zusätzlich planen wir nach Beendigung unserer Kaufvereinbarung ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 30 Mrd. Dollar, das unseren Aktionären zu einer signifikanten Wertsteigerung verhelfen soll.«

Im Gegensatz zur Übernahme fielen die Quartalsergebnisse für Qualcomm erfreulich aus: Die Umsätze kletterten im Jahresvergleich um 4 Prozent auf 5,6 Mrd. Dollar und der Nettogewinn um 41 Prozent auf 1,2 Mrd. Dollar. »Unsere Ergebnisse liegen signifikant über unseren Erwartungen für das dritte Quartal, einschließlich sehr guter Ergebnisse im Lizenzgeschäft.

CEO Mollenkopf: »Der Kern unserer Strategie bleibt unverändert.«

Mollenkopf erläuterte die weitere Strategie Qualcomms nach dem Scheitern der Übernahme: »Der Kern unserer Strategie, Qualcomm-Technologien in Wachstumsmärkte zu treiben, bleibt unverändert.« Die Umsätze dort erreichen im Geschäftsjahr 2018 rund 5 Mrd. Dollar, eine Steigerung von 70 Prozent gegenüber 2016. Konkret geht es um die Bereiche IoT, Automotive, HF-Front-Ends, Advanced Computing und Vernetzung.

  • IoT – Qualcomm sieht sich mit einem Umsatz von mehr als 1 Mrd. Dollar im Geschäftsjahr 2017 weiterhin führend im Bereich IoT. Das Unternehmen hat einen indirekten Kanal entwickelt, um mehr als 9.000 Kunden über Dritte, darunter mehr als 25 globale Distributoren, zu erreichen.
  • Automotive – Qualcomm sei bereit, robuste Vernetzungslösungen und Datenverarbeitungsfunktionen für das vernetzte Auto von morgen zu liefern. Im Juli 2018 belief sich der Auftragsbestand auf 5 Mrd. Dollar, gegenüber 3 Mrd. Dollar im Januar 2018.
  • HF-Front-Ends – Die HF-Teile von Qualcomm konnten sich Design-Wins bei mehreren Smartphone-Herstellern sowie unverbindliche Absichtserklärungen mit einem Auftragswert von 2 Mrd. Dollar bei führenden OEMs sichern: Lenovo, OPPO, Vivo und Xiaomi.
  • Advanced Computing – Qualcomm konnte mit der Markteinführung von Geräten der Marken ASUS, HP und Lenovo, basierend auf der Qualcomm Snapdragon 835 Mobile Platform, im PC-Segment Fuß fassen.
  • Vernetzung – Technologien von Qualcomm treiben die Branche voran und seien führend bei drahtlosen Heim- und Unternehmensnetzwerken sowie bei Maschen-Wi-Fi.