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Elektrifizierung aller Marken

14. Juli 2021, 08:45 Uhr   |  Iris Stroh

Elektrifizierung aller Marken
© Stellantis

Investitionen von über 30 Mrd. Euro will Stellantis bis 2025 in die Elektrifizierung stecken.

Bis 2030 sollen über 70 Prozent des Absatzes in Europa und mehr als 40 Prozent in den USA auf emissionsarme Fahrzeuge (LEVs) entfallen. Dafür sind Investitionen von über 30 Mrd. Euro bis 2025 in Elektrifizierung und Software geplant.

Stellantis will schlichtweg Marktführer bei emissionsarmen Fahrzeugen (LEV) werden. Bis 2030 soll der LEV-Mix von Stellantis für Pkw in Europa stetig auf über 70 Prozent wachsen - 10 Prozentpunkte über den aktuellen Prognosen der Industrie für den Gesamtmarktmix. In den USA wird erwartet, dass der LEV-Mix von Stellantis für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge bis 2030 mehr als 40 Prozent betragen wird.

Dazu will Stellantis bis 2025 mehr als 30 Mrd. Euro investieren. Eingeschlossen sind hier Kapitalbeteiligungen an Joint-Ventures zur Finanzierung ihrer Aktivitäten, während das Unternehmen auch weiterhin das Ziel verfolgt, weiterhin 30 Prozent effizienter als die Branche zu sein, was die Investitions- und F&E-Ausgaben im Verhältnis zum Umsatz betrifft.

Der Konzern will außerdem seine Führungsposition bei Nutzfahrzeugen in Europa ausbauen und seine Position in Nordamerika stärken und gleichzeitig Weltmarktführer bei elektrischen Nutzfahrzeugen zu werden. Der Rollout der Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen soll in den nächsten drei Jahren auf alle Produkte und alle Regionen ausgeweitet werden, einschließlich der Auslieferung von mittelgroßen Transportern mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie bis Ende 2021.

Die Elektrifizierungs-Roadmap von Stellantis erstreckt sich auf die gesamte Wertschöpfungskette. Die Beschaffungsstrategie des Unternehmens für EV-Batterien zielt darauf ab, bis 2025 Kapazitäten von über 130 Gigawattstunden (GWh) und bis 2030 mehr als 260 GWh zu sichern. Die Nachfrage nach EV-Batterien und -Komponenten soll mit insgesamt fünf Gigafactories in Europa und Nordamerika gedeckt werden, ergänzt durch zusätzliche Lieferverträge und Partnerschaften zur Deckung des Gesamtbedarfs.

Stellantis hat Absichtserklärungen (MOUs) mit zwei Lithium-Geothermie-Sole-Prozess-Partnern in Nordamerika und Europa unterzeichnet, um eine nachhaltige Versorgung mit Lithium (aus der Sicht von Stellantis der Rohstoff, bei dem die Verfügbarkeit am kritischsten ist) zu gewährleisten und es in die Lieferkette zu integrieren, sobald es verfügbar ist.

Außerdem sollen die Kosten in der Batteriefertigung gesenkt werden. Konkret geplant ist, dass die Kosten für Batterie-Packs von Elektrofahrzeugen von 2020 bis 2024 um über 40 Prozent sinken sollen und bis 2030 um weitere 20 Prozent gesenkt werden. Alle Aspekte des Batterie-Packs spielen eine Rolle bei der Kostensenkung – Optimierung des Gesamtpacks, Vereinfachung des Formats der Module, Vergrößerung der Batteriezellen und Verbesserung der Batteriechemie.

Das Unternehmen beabsichtigt, den vollen Wert des Lebenszyklus von Batterien durch Reparatur, Wiederaufbereitung, Second-Life-Nutzung und Recycling zu maximieren sowie ein nachhaltiges System aufzubauen, das Kundenbedürfnisse und Umweltbelange in den Vordergrund stellt.

Stellantis will außerdem die Gesamtbetriebskosten für EVs bis 2026 denen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor angleichen. Ein »One Size Fits All«-Ansatz passt aus der Sicht von Stellantis nicht zu den zum Teil doch sehr unterschiedlichen Marken. Also soll jede Marke, einschließlich Dodge mit seinen Muscle-Cars, einen eigenen Ansatz bei der Elektrifizierung gehen, um den Markenanspruch nicht zu verfälschen.

Reichweite und schnelles Laden sind der Schlüssel für eine breite Verbraucherakzeptanz von BEVs. Stellantis will BEVs mit Reichweiten von 500-800 km/300-500 Meilen und eine Best-of-Class-Schnellladefähigkeit von 32 km/20 Meilen pro Minute liefern.

Stellantis wird eine breite Palette von Lösungen für Privat-, Geschäfts- und Flottenkunden anbieten. Hierzu zählen die Bereitstellung von intelligenten Ladeangeboten aus grünen Energiequellen für den Alltag, die Nutzung bestehender Partnerschaften zum Ausbau von Lademöglichkeiten und die Beschleunigung der Smart-Grid-Nutzung.

Das Unternehmen beabsichtigt, die unterschiedlichen Anforderungen seiner Kunden zu erfüllen, indem es den Ausbau von Schnellladenetzwerken in ganz Europa unterstützt, was durch eine zwischen Free2Move eSolutions und Engie EPS unterzeichnete Absichtserklärung ermöglicht werden soll. Angestrebt wird, das Geschäftsmodell von Free2Move eSolutions für den nordamerikanischen Markt zu übertragen.

Vier Batterie-Plattformen für unterschiedliche Ansprüche

Vier BEV-zentrierte Plattformen bilden das Rückgrat der elektrifizierten Fahrzeuge der Stellantis-Marken. Die Plattformen wurden mit einem hohen Maß an Flexibilität (Länge und Breite) und unter gemeinsamer Nutzung von Komponenten konzipiert und bieten Größenvorteile, da jede einzelne von ihnen die Produktion von bis zu zwei Millionen Einheiten pro Jahr unterstützen kann.

Die vier Plattformen sind:

•             STLA Small, mit einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern/300 Meilen

•             STLA Medium, mit einer Reichweite von bis zu 700 Kilometern/440 Meilen

•             STLA Large, mit einer Reichweite von bis zu 800 Kilometern/500 Meilen

•             STLA Frame, mit einer Reichweite von bis zu 800 Kilometern/500 Meilen

Der Antrieb umfasst eine Familie von drei elektrischen Antriebsmodulen (EDM), die Motor, Getriebe und Inverter kombinieren. Diese EDMs sind kompakt, flexibel und lassen sich leicht skalieren. Die EDMs können für Front-, Heck- und Allradantrieb sowie für 4xe konfiguriert werden.

Die Kombination von Plattformen, EDMs und Batteriepaketen mit hoher Energiedichte soll Fahrzeuge mit klassenbester Leistung in Bezug auf Effizienz, Reichweite und Ladung ermöglichen.

Ein Programm von Hardware-Upgrades und Over-the-Air-Software-Updates soll die Lebensdauer der Plattformen bis weit in das nächste Jahrzehnt hinein verlängern. Stellantis wird Software und Steuerungen betriebsintern entwickeln, um die einzigartigen Eigenschaften jeder Marke zu erhalten.

Batterie-Packs werden für eine Vielzahl von Fahrzeugen maßgeschneidert – von kleineren Stadtautos bis hin zu energiedichten Packs für Hochleistungsfahrzeuge und Trucks. Bis 2024 ist der Einsatz von zwei Batteriechemien geplant, um verschiedene Kundenanforderungen zu unterstützen: eine Option mit hoher Energiedichte und eine kobaltfreie Nickel-Alternative. Bis 2026 soll die erste wettbewerbsfähige Festkörperbatterie-Technologie eingeführt werden.

Stellantis hat derzeit mehrere Joint-Ventures bei Schlüsseltechnologien bzw. schließt diese gerade ab. Sie reichen von E-Antriebsstrang und E-Übertragung über Batteriezellenchemie und -produktion bis hin zu digitalem Cockpit und maßgeschneiderten vernetzten Diensten. Diese Partnerschaften bieten Stellantis die Möglichkeit, nicht nur die internen Kompetenzen, sondern auch die Expertise der Partner zu nutzen, um neue Technologien und Lösungen schneller auf den Markt zu bringen und gleichzeitig die Kapitalallokation zu optimieren, wodurch die Wettbewerbsfähigkeit von Stellantis auf dem Markt weiter verbessert wird.

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