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Hyraze League

2023 startet neuer Wettbewerb mit Wasserstoff-Rennfahrzeugen

18. August 2020, 14:39 Uhr   |  Stefanie Eckardt

2023 startet neuer Wettbewerb mit Wasserstoff-Rennfahrzeugen
© HWA

Unter der Bezeichnung Hyraze League soll ab soll 2023 ein gänzlich neuer Motorsport-Wettbewerb mit Wasserstoff-Rennfahrzeugen starten.

Ab 2023 soll mit der Hyraze League die erste Automobil-Rennserie an den Start gehen, die auf Wasserstoff setzt. Der grüne Wasserstoff wird in den beiden Brennstoffzellen der 800 PS starken Rennfahrzeugen in Strom für die vier Elektromotoren umgewandelt.

Die neue Hyraze League geht nicht nur beim Antriebskonzept neue Wege. Neu wird auch das Bremssystem der allradgetriebenen Fahrzeuge sein. Denn jeglicher anfallende Bremsstaub entweicht nicht unkontrolliert in die Umwelt, sondern wird im Fahrzeug aufgefangen und im Nachhinein umweltneutral entsorgt. Spezielle, aus schnell nachwachsenden Rohstoffen entwickelte Reifen sorgen außerdem für eine Minimierung des Reifenabriebs. Zusammen mit einer strikt limitierten Anzahl von Reifen reduziert sich die Feinstaubbelastung wesentlich.

Auch für die Rennfahrer hat die neue Technologie einen bedeutenden Vorteil: durch das auf Sprintrennen optimierte Energiekonzept können sie die volle Performance des Fahrzeugs ohne Einschränkungen über die gesamte Renndistanz nutzen. Durch die Möglichkeit, die beiden Tanks während eines Rennens schnell zu befüllen – ein grundlegender Vorteil, den die Wasserstofftechnologie gegenüber rein batterieelektrischen Fahrzeugen bietet – können die Rennen jederzeit auch auf Langstreckendistanzen erweitert werden.

Die Karosserieteile werden aus einem Naturfaser-Verbundwerkstoff hergestellt und können von den Teams frei nach ihren Vorstellungen gestaltet werden. Damit ist sichergestellt, dass jeder seine individuelle Designsprache und Karosserieform, unabhängig von einem Serienbezug darstellen kann. Klare Regeln im Bereich der Aerodynamik sorgen dafür, dass trotz freier Karosseriegestaltung kein kostenintensiver Aerodynamik-Wettbewerb entsteht. Unter der Außenhaut basiert die Technik der ersten Fahrzeuggeneration im Wesentlichen auf Einheitsbauteilen, die von den an dem Projekt beteiligten Technologiepartnern entwickelt werden. Der ganzheitliche Ansatz sorgt dafür, dass mit der neuen Rennserie eine nachhaltige, und technologietreibende Form des Motorsports entsteht.

Die Teams haben für jedes Auto zwei Fahrer – einen für die realen Wertungsläufe und einen, der an den gleichfalls zur Meisterschaft zählenden E-Sport-Events teilnimmt. Die Ergebnisse beider Rennen fließen zu gleichen Teilen in die Meisterschaftswertung ein, sodass am Ende ein Team als Gesamtsieger beider Disziplinen gekürt wird – ein absolutes Novum im Motorsport. Der E-Sport-Verband World eSports Association (WESA) gestaltet als Serienpartner die Entwicklung der Rahmenbedingungen im virtuellen Umfeld maßgeblich mit

Die Partner hinter dem Projekt

Der Herausforderung, dieses Projekt gemeinsam zu entwickeln, stellen sich gleich mehrere Partner, um Teile des Automobilsports dem Zeitgeist folgend neu zu positionieren.

Der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) und der ADAC sorgen dafür, dass ein klares Regelsystem innerhalb einer professionell organisierten Meisterschaft entsteht.

Das Gesamtkonzept und wesentliche Komponenten des Fahrzeugs entwickelt HWA. Teil dieses Gesamtkonzepts ist ein bewusster Verzicht auf aerodynamischen Abtrieb, was Überholmanöver erleichtern wird und Action auf der Strecke garantiert. Der fehlende Anpressdruck sorgt für einen längeren Bremsweg, was neben dem sportlichen Aspekt vor allem einer optimierten Energie-Rückgewinnung durch Rekuperation zugutekommt. Die während des Bremsvorgangs gesammelte Energie wird kurzfristig in kompakten Hochleistungs-Batteriezellen gespeichert. Das bedeutet maximale Effizienz bei gleichzeitiger Ressourcenschonung. 

Zusammen mit Dekra und DMSB entsteht darüber hinaus ein Sicherheitskonzept für das Rennfahrzeug. Dabei stand vor allem der Schutz der Wasserstoff-Komponenten, der Fahrer und der Zuschauer im Fokus. Deformierbare Elemente bauen im Falle eines T-Bone-Crashs Energie ab und eine äußerst feste Carbon-Struktur schützt die gleichfalls aus Kohlefaser gefertigten Wasserstofftanks gegen alle nur denkbaren Crash-Lasten. Entsprechende, unabhängige Tests werden von Dekra in seinen Prüflabors an Prototypen-Teilen durchgeführt. Ziel ist es, ein von der FIA genehmigtes Reglement zu erarbeiten.

Der Automobilzulieferer Schaeffler ist bei diesem Projekt als Technologiepartner für Komponenten wie Elektromotoren und Lenkung federführend beteiligt. Das im Fahrzeug implementierte Steer-by-Wire-System übernimmt die Steuerung  der Lenkung, durch rein elektronische Impulse. Die mechanische Verbindung über die  Lenksäule kann damit vollständig entfallen – ein Vorteil insbesondere auch für autonom agierende Fahrzeuge. Vernetzt über intelligente Steuerungssysteme werden Fahrdynamikfunktionen, wie Torque Vectoring, möglich. Dr. Jochen Schröder, Leiter E-Mobilität bei Schaeffler erklärt: »Die Beteiligung in dieser neuen Serie passt perfekt zu Schaeffler. Wir fokussieren uns seit Längerem sehr erfolgreich auf innovative elektrische Antriebssysteme, die höchste Ansprüche an Leistung und Effizienz im Motorsport und in Serienanwendungen erfüllen. Zudem nutzen wir unsere traditionellen Kernkompetenzen für die Entwicklung von Schlüsselkomponenten für die Brennstoffzelle. Elektrifizierter Rennsport mit Wasserstofftechnologie ist ehrgeizig aber absolut realistisch und könnte eine neue Ära im Motorsport einläuten. Die Möglichkeit, dieses Fahrzeugkonzept von Anfang an aktiv mit zu entwickeln und unsere innovativen Technologien beizusteuern, möchten wir auf jeden Fall wahrnehmen.«

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