Präzisionslandwirtschaft: Smart Farming

Herbizide einsparen

22. Februar 2022, 9:30 Uhr | Engelbert Hopf
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Nach der Zustimmung aller relevanten Kartellbehörden kann Bosch BASF Smart Farming seit Sommer letzten Jahres Smart-Farming-Technologien aus einer Hand vermarkten und vertreiben. Zu den ersten Produkten gehört ein Smart-Spraying-System zur präzisen Erkennung und Kontrolle von Unkräutern.

»Mit der Vernetzung von Landmaschinen durch High-Tech-Sensoren, intelligente Software und digitale Dienste können wir die Landwirtschaft von morgen effizienter und gleichzeitig umweltfreundlicher gestalten.« So begründete Andrew Allen, verantwortlich für Nutzfahrzeuge und Off-Road-Geschäft bei Robert Bosch, Ende 2020 den Ansatz, zusammen mit BASF Digital Farming ein 50:50-Joint-Venture zu gründen, um weltweit und aus einer Hand »intelligente« Produkte für die Landwirtschaft zu vermarkten und zu verkaufen.

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Silvia Cifre Wibrow, Bosch BASF Smart Farming: »Die Fähigkeit der Smart-Farming-Lösung, Unkräuter zu erkennen, zu entscheiden, ob Herbizide aufgebracht werden müssen, und diese zu spritzen, ist bislang einzigartig.«
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Seit dem Sommer 2021 sind die beiden Joint-Venture-Partner nun einen entscheidenden Schritt weiter. Alle relevanten Kartellbehörden hatten bis dahin ihre Zustimmung erteilt. Der Name des Joint Ventures lautet seither: Bosch BASF Smart Farming oder kurz BBSF. Mit Silvia Cifre Wibrow von BASF und Florian Gwosdz von Bosch wurde zudem ein erfahrenes Geschäftsführer-Duo bestellt, das BBSF vom Hauptsitz in Köln aus leitet.
Ziel des Unternehmens ist es, sein Smart-Spraying-System, das Bosch und BASF zusammen entwickelt und getestet haben, zunächst in Nord- und Südamerika sowie in Europa zu vertreiben. In Argentinien und Brasilien ist die Intelligent Planting Solution (IPS) bereits kommerziell verfügbar. Im nächsten Schritt wird es um die digitale agronomische Intelligenz der digitalen xarvio-Plattform ergänzt, um feldzonenspezifische Empfehlungen für die Ausbringung von Saatgut in Brasilien zu optimieren.

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Florian Gwosdz, Bosch BASF Smart Farming: »Unsere Smart-Spraying-Lösung liefert weiterhin beständig positive Testergebnisse; das zeigt deutlich, dass unsere Kombination aus Hardware, Software und innovativer agronomischer Logik funktioniert.«
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Konkret bedeutet das, dass Landwirte auf der xarvio-Plattform feldzonenspezifische Empfehlungen erhalten, wie sie ihre Feldkulturen auf die nachhaltigste Art und Weise anbauen können. Durch die Bündelung der Kompetenzen von Bosch und BASF Smart Farming profitieren Landwirte damit in Zukunft einfacher und bequemer von den Vorteilen digitaler Ansätze in der Landwirtschaft.

BBSFs Smart-Spraying-System ermöglicht das automatisierte Erkennen und Kontrollieren von Unkräutern in Echtzeit, sowohl vor »Grün auf Braun« als auch nach »Grün auf Grün«, dem Auflaufen der Saat. Und das bei Tag und bei Nacht. Durch die Kombination der High-Tech-Kamerasensorik und Software von Bosch mit der agronomischen Entscheidungshilfe (Agronomic Decision Engine ADE) von xarvio kann das System in Millisekunden Unkräuter zwischen den Nutzpflanzen präzise erkennen und entscheiden, ob eine Ausbringung von Herbiziden notwendig ist.

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Smart Spraying ermöglicht eine automatisierte Unkrautidentifizierung und -bekämpfung vor dem Pflanzenaufgang (Grün auf Braun) in Echtzeit.
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Durch seine intelligente Konfiguration unterstützt Smart Spraying einen wesentlich effizienteren Einsatz von Herbiziden. Feldversuche haben gezeigt, dass durch dieses Verfahren Herbizideinsparungen von bis zu 70 Prozent möglich sind. In Abhängigkeit von den vorherrschenden Bedingungen und dem Unkrautdruck auf den einzelnen Feldern lassen sich auch höhere Einsparungen erreichen. Seit Ende 2021 sind erste Versionen der verbesserten Intelligent Planing Solution und von Smart Spraying bei einer begrenzten Anzahl von Maschinen auf dem Markt erhältlich.

»Wir haben unsere Produkte mit unseren Herstellern inzwischen erfolgreich unter verschiedenen klimatischen Bedingungen getestet«, so Gwosdz, »mit dem Ergebnis, dass unsere Smart-Spraying-Lösung beständig positive Testergebnisse liefert, was deutlich zeigt, dass unsere Kombination aus Hardware, Software und innovativer agronomischer Logik einwandfrei funktioniert«. Damit wird ein Maß an Präzisionslandwirtschaft ermöglicht, mit der eine möglichste effiziente Nutzung bestehender Ressourcen erreicht wird und so Landwirte und Umwelt unterstützt werden.

»Mit Smart Spraying bringen wie eine neue, digitale Lösung und einen neuen Ansatz zur Kontrolle von Unkräutern auf den Markt«, so Wibrow; »die Fähigkeit der Smart-Spraying-Lösung, Unkräuter zu erkennen und zu entscheiden, ob Herbizide aufgebracht werden müssen und diese zu spritzen, ist bislang einzigartig«. Unkräuter werden damit nur dort bekämpft, wo sie Nutzpflanzen schaden können. »Das ist gut für die Umwelt und bietet Landwirten finanzielle Vorteile.« 


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