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Beleuchtung und Entkeimung kombiniert

»Und das alles völlig UV-C-frei«

10. Juni 2021, 16:27 Uhr   |  Nicole Wörner

»Und das alles völlig UV-C-frei«
© Aurora Lichtwerke

Thomas Walentowski, Aurora Lichtwerke: »Auch nach Überwindung der SARS-CoV-2-Pandemie erwarten wir eine große Nachfrage, zumal Biovitae im Gegensatz zu anderen Technologien auch gegen multiresistente Bakterien und Viren wirkt.«

Statt auf UV-C-basierte Entkeimung setzen Nextsense und Aurora Lichtwerke auf eine mikrobizide LED-Beleuchtung, die ein natürliches weißes Licht aussendet und Oberflächen desinfiziert, dabei jedoch völlig ungefährlich für Lebewesen ist. Wie das geht, erklärt Thomas Walentowski von Aurora.

Markt&Technik: Herr Walentowski, Sie bezeichnen die Biovitae-Technologie als einzigartig. Was macht sie so besonders?

Thomas Walentowski: Die patentierte Biovitae-Technologie mit der Doppelfunktion Licht und Entkeimung nutzt den blauvioletten Bereich des sichtbaren Lichts und reduziert Keime, Bakterien, Viren, Pilze, Sporen immer dann, wenn das Licht eingeschaltet ist – und zwar völlig gefahrlos für Menschen und Tiere, die sich in den Räumen aufhalten.

Das Argument, auch bei Anwesenheit von Personen oder Tieren gefahrlos betrieben werden zu können, hört man zum Teil auch von Ihrem Mitbewerb. Wo liegt der Unterschied?

Biovitae funktioniert mit der Kombination verschiedener Wellenlängen von blauviolettem Licht – 400 bis 420 Nanometer – mit weißem Licht, also im sichtbaren Bereich des elektromagnetischen Spektrums und erfüllt die höchste photobiologische Sicherheitsstufe nach IEC 62471. Dies wurde vom bereits TÜV zertifiziert und die Wirksamkeit gegen Keime von mehreren unabhängigen wissenschaftlichen Instituten bestätigt, unter anderem vom mikrobiologischen Institut der Bundeswehr in München.

UV-C-Strahlung hingegen ist nicht sichtbar und arbeitet mit deutlich kürzeren Wellenlängen – meist 254 nm –, die für Menschen und Tiere sehr gefährlich sind und bei direkter Exposition schwere Schädigungen insbesondere der Haut und Augen hervorrufen, natürlich abhängig von der Strahlungsdosis. Deshalb arbeiten fast alle am Markt erhältlichen UV-C-Entkeimungsgeräte mit hermetisch gegenüber der Umgebung abgeschlossenen Entkeimungskammern oder Entkeimungskanälen. Die offene Anwendung von UV-C-Strahlung – auch bei größeren Raumhöhen – ist dagegen sehr umstritten.

Auch für den Gebrauch zuhause sind Biovitae-Haushaltslampen absolut sicher, im Gegensatz zu UV-C-Entkeimungsstrahlern mit Timern und Bewegungssensoren. Wenn zum Beispiel jemand beim abendlichen Fernsehen unter Biovitae-Licht einschläft, ist das völlig ungefährlich; bei dem UV-C-Strahler hingegen kann das sehr gefährlich sein, wenn der Bewegungssensor mangels Bewegung nicht anspricht und der UV-C Strahler deshalb nicht ausschaltet; der eingeschlafene Fernsehzuschauer würde dann mit verbrannter Haut wieder aufwachen.

Auch die Wirkungsweise von Biovitae ist grundsätzlich anders als bei UV-C-Strahlung: Biovitae zerstört die Zellwand der Mikroorganismen und tötet diese direkt, wodurch keine Resistenzen entstehen können. UV-C-Strahlung greift die DNA/RNA der Viren an und verhindert deren Vermehrung; zum Teil sind Viren allerdings in der Lage, diese Schäden zu reparieren, wodurch neue, resistentere Varianten entstehen können.

Was waren die größten Herausforderungen bei der Entwicklung?

Die richtige und patentierte Kombination des blauvioletten Lichts zu erforschen und die Biovitae-Technologie trotz der aufwendigen Studien relativ schnell auf den Markt zu bringen. Nur die Kombination verschiedener Wellenlängen und Intensitäten im Wellenlängenbereich zwischen 400 und 420 Nanometern führt in Kombination mit weißem Licht zur effizienten Keimreduzierung bei den meisten Bakterien, Viren, Pilzen und Sporen. Würde man nur eine Wellenlänge, zum Beispiel 405 Nanometer, verwenden, wäre das Wirkungsspektrum erheblich geringer.

Die Biovitae-Technologie selbst ist eine Erfindung der italienischen Firma Nextsense, die damit ausgestatteten LED-Röhren kommen von Ihnen und Ihrem Partner Seaborough. Wie sind in dieser Dreier-Partnerschaft die Kompetenzen und Aufgaben verteilt?

Nextsense deckt den medizinischen, bakteriologischen und virologischen Forschungs- und Entwicklungsbereich ab, Seaborough bringt das Elektronik-Know-how für die spezifischen LED-Treiber der Röhren mit, um die Kompatibilität zu über 98 Prozent der am Markt befindlichen Leuchten sicherzustellen. Und last but not least bringt Aurora Lichtwerke, als ehemaliges Osram-Werk Eichstätt, die Erfahrungen aus mehreren Jahrzehnten Gesamtentwicklung in der Lichtindustrie, im Lampen- und Leuchtenbau sowie in der Mess- und Prüftechnik mit.

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1. »Und das alles völlig UV-C-frei«
2. Weiteres Patent sichert Passgenauigkeit für alle Leuchten

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