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Elektroschocks gegen Corona

Kleidung desinfiziert sich selbst

06. Juli 2020, 08:46 Uhr   |  Heinz Arnold

Kleidung desinfiziert sich selbst
© Murata/Teijin

Die grundsätzliche Funktionsweise des von Murata und Teijin entwickelten piezoelektrischen Stoffes »Pieclex«, der über selbsterzeugte Elektrizität Microben abtötet und den Einsatz von Chemikalien überflüssig macht.

Murata und Teijin haben einen piezoelektrischen Stoff entwickelt, der Mikroben wie das Corona-Virus über Elektroschocks abtöten kann – ohne Chemikalien.

Aus dem ersten piezoelektrischen Stoff der Welt, »Pieclex« genannt, lassen sich Kleidung, Windeln und Masken, aber auch industrielle Produkte wie Filter herstellen. In den Stoff sind elektronische Komponenten von Murata eingewebt, die aus der Bewegung elektrische Energie generieren. Teijin, die Garne und Stoffe produziert, webt diese Komponenten in den neuen Stoff ein, der auf den Namen »Pieclex« getauft wurde. Aus »Pieclex« können unterschiedliche Bekleidungsartikel gefertigt werden. Als Rohmaterial für »Pieclex« nutzt Teijin »Plant-derived Polylactic Acid« (PLA) und verzichtet auf Chemikalien und organische Lösungsmittel. Weil das Material aus Pflanzenstärke gewonnen wird, ist es CO2-neutral.

»Wir können nun zum ersten Mal Stoffe herstellen, die Microben ohne Einsatz von Chemikalien unschädlich machen«, erklärt Shinji Nikko, CEO von Tejin Frontier. »Einen solchen Stoff hat es bisher nicht gegeben, er erlaubt es, vollkommen neue Kleidung zu produzieren, die den Kunden neue Freiheiten bringt und der Umwelt mehrfach zu Gute kommt.«

Über die Dehnung des Stoffes wird im Stoff die Elektrizität erzeugt, die die Microben abtötet – ohne das der Träger davon etwas spürt. Sie werden dadurch nicht nur unschädlich gemacht, es entsteht auch kein schlechter Geruch, den die Bakterien erzeugen, indem sie Schweiß und Hautreste abbauen. Damit wirkt der piezoelektrische Stoff zusätzlich wie ein Deodorant.

Um den Stoff weiter zu entwickeln und zu vermarkten, haben beide Unternehmen ein Joint-Venture gegründet, das ebenfalls Pieclex heißt. Murata hält daran einen Anteil von 51 Prozent. Pieclex wird unter anderem Sportkleidung, Unterwäsche, Sanitätsmaterial und industrielle Produkte wie Filter auf Basis des piezoelektrischen Stoffes entwickeln. Die Produktion ist bereits gestartet, im Finanzjahr 2025 will Pieclex bereits einen Umsatz von 10 Mrd. Yen (92 Mio. Dollar) erzielen.  

»Murata bringt sein Wissen über piezoelektrische Komponenten ein, ein Gebiet auf dem das Unternehmen in der Fertigung von SAW-Filtern, Resonatoren und Sensoren über viele Jahre Erfahrung gesammelt hat. Jetzt können wir diese Erfahrung in ein vollkommen neues Anwendungsgebiet außerhalb der traditionellen Elektronik einbringen«, sagt Tsuneo Murata, Chairman und President von Murata.

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