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Teledyne erwirbt Flir

Was die Übernahme für den entsprechenden Markt bedeutet

08. Januar 2021, 11:23 Uhr   |  Dimitrios Damianos, Eric Mounier, beide Yole Développement

Was die Übernahme für den entsprechenden Markt bedeutet
© Sergey Ryzhov/Adober Stock

Mit dem Erwerb von Flir stärkt Teledyne seine Position im Wärmebildtechnik-Markt.

Teledyne hat am 4. Januar 2021 mit Flir eine Übernahmevereinbarung geschlossen. Damit entsteht ein mächtiger Akteur im Markt für Wärmebildtechnik und Bildverarbeitungskameras – was nicht ohne Folgen für den Wettbewerb bleiben wird.

Das Unternehmen Teledyne, das über Sensortechnologien verfügt, die den größten Teil des elektromagnetischen Spektrums abdecken, schließt mit der Akquisition von Flir eine wichtige Lücke: die des Infrarot-Wärmedetektors, einschließlich zweier erfolgreicher Produkte, und zwar der Lepton- und Boson-Kerne, die die Wärmebildtechnik für kommerzielle Anwendungen zugänglicher machten.

Mit den neuen Infrarot-Bildgebungsprodukten im Portfolio und in einer Zeit, in der die Nachfrage nach Wärmebildkameras steigt – Yole Développement (Yole) prognostiziert ein Wachstum von 4,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf 7,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 –, wird sich das amerikanische Industriekonglomerat zu einem beachtlichen Akteur auf dem Wärmebildkameramarkt entwickeln.

Deshalb ist die Wärmebildtechnik gerade so angesagt

Wärmebildkameras werden in unzähligen Anwendungen eingesetzt, sie reichen von der Automobilindustrie bis hin zur Brandbekämpfung. Dabei geht die steigende Nachfrage von Fahrüberwachungssystemen, Nachtsichtgeräten und robusten Smartphones aus. Und durch die Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach Wärmekameras für Thermografie-Anwendungen, mit denen sich Menschen mit Fieber erkennen lassen, von einem Markt von 1,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf 3,16 Milliarden US-Dollar bis Ende 2020 gestiegen.

Dieses Wachstum ist eine gute Nachricht für Teledyne, da Flir den Löwenanteil an diesem Markt hält und 2019 rund 54 Prozent der Wärmebildkamera-Lieferungen für sich verbuchen konnte. 2020 behielt Flir zwar die Spitzenposition, aber sein Marktanteil sank auf 35 Prozent, da Unternehmen aus China ihre Marktanteile ausweiten konnten.

So reagieren die Wettbewerber auf die Übernahme

Es könnten weitere Übernahmen folgen, da sich die Wärmebildunternehmen in diesem wachsenden Markt neu positionieren. Gleichzeitig könnten Unternehmen wie GuideIR und Hikvision, beide aus China, weiterhin Marktanteile von führenden Anbietern wie Teledyne mit Flir sowie Lynred (Frankreich) und Seek Thermal (USA) erobern. Teledyne und andere US-Unternehmen werden wohl von dem US-Verteidigungsgesetz aus dem Jahr 2019, das den Kauf von chinesischen Sicherheitskameras verbietet, profitieren.

Aber es geht nicht allein um Wärmebildtechnik: Denn Flir war nicht nur Marktführer bei Wärmebildkameras, sondern auch ein Branchenschwergewicht bei Bildverarbeitungskameras. 2019 lag der Anteil an dem Markt von insgesamt 2,1 Milliarden US-Dollar bei 10 Prozent. Nach der Übernahme von Flir verfügt Teledyne nun über einen Anteil von 16 Prozent am Markt für Bildverarbeitungskameras und ist damit neben Cognex (USA) der zweitgrößte Akteur der Branche, nur Keyence (Japan) liegt mit einem Anteil von 19 Prozent noch davor.

Position auf dem Industriekamera-Markt gestärkt

Die jüngste Akquisition verschafft Teledyne eine größere Präsenz auf dem Markt für Industriekameras (einschließlich Machine Vision), der von 3,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf 5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 wachsen wird. Auch hier kann die Industrie nur abwarten, wie wichtige Akteure wie Keyence und Cognex reagieren und ob weitere Übernahmen, Machtkonsolidierungen und sogar eine rasante Technologieentwicklung folgen werden.

Was jedoch bleibt, ist, dass Teledyne mit Flir das führende Unternehmen im Bereich Wärmebildtechnik sowie der zweitgrößte Akteur auf dem Markt für Bildverarbeitungskameras ist. Das ist eine gewaltige Kraft, mit der man rechnen muss.

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