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Interview mit Vected / Wärmebildtechnik

»So manche Anwendung braucht eine tiefere Integration«

06. Juli 2021, 15:00 Uhr   |  Nicole Wörner

»So manche Anwendung braucht eine tiefere Integration«
© Vected / Markt&Technik

Wolfgang Pfab, Vected »Bei uns gilt: Made in Germany – von der Entwicklung ausschließlich mit europäischen Schlüsselkomponenten bis zur Fertigung. Damit stehen wir auch für eine hohe Sicherheit der Lieferketten.«

Vected ist als Spezialist für Wärmebildtechnik bekannt. Doch über reine Wärmebildgeräte hinaus bietet das Fürther Unternehmen auch individuelle Entwicklungsdienstleistungen an. Warum diese Differenzierung so wichtig ist, erklärt Wolfgang Pfab, Entwicklungsleiter Konstruktion und Optronik bei Vected.

Markt&Technik: Herr Pfab, der Markt für Wärmebildtechnik ist dicht besetzt mit namhaften Herstellern. Vected differenziert sich darüber, dass Sie über fertig nutzbare Wärmebildkameras hinaus auch Entwicklungsdienstleistungen anbieten. Warum dieser Aufwand?

Wolfgang Pfab: Die Wärmebildtechnik deckt ein sehr breites Einsatzspektrum ab – und zwar über die eigentliche Nutzung als Wärmebildgerät hinaus. Es gibt Anwendungsbereiche, die eine tiefere Integration dieser Technologie benötigen, als es gängige Standardmodule ermöglichen. Darin sehen wir unsere Stärke. Mit unseren Entwicklungsdienstleistungen bieten wir dem Anwender den für ihn so wichtigen Support bei der individuellen Integration der Wärmebildtechnologie in seine spezifische Applikation. Das kann beispielsweise eine Sicherheitsanwendung sein, aber auch der Einsatz im industriellen Bereich in der Qualitätskontrolle oder der Produktionsfortschrittkontrolle.

Und diese individuelle Integration ist selten im deutschen oder europäischen Markt?

Sehr selten, ja. In der Regel bieten Unternehmen fertige Module an, die feste Abmessungen und Gehäuse haben und die über ein vom Hersteller des Moduls definiertes Standard-Interface arbeiten. Hier fehlt oft die Möglichkeit, dies beispielsweise auf ein bestehendes Kundensystem anzupassen.

Aber die individuelle Anpassung beschränkt sich nicht nur auf die Schnittstelle…

Nein, bei weitem nicht. Aufgrund der hohen Anpassungsfähigkeit unserer Module können wir beispielsweise die Leiterplatten so designen, dass sie in ein bestehendes System integrierbar sind beziehungsweise die mechanischen oder konstruktiven Anpassungen möglichst gering gehalten werden. Der Kunde muss sein System nicht komplett neu konstruieren, um ein vorgegebenes Modul oder mechanisches Interface einzubinden. Wir kommen ihm bei der elektromechanischen Integration maximal entgegen – das spart deutlich Kosten.

Können Sie ein Entwicklungsbeispiel nennen?

Im Industriebereich unterstützen wir Firmen, die auf dem Weg in die Digitalisierung sind und umfangreiche Elektronik in mechatronische Systeme einbinden wollen. Hier stellen wir weniger die reine Wärmebildsensorik zur Verfügung als vielmehr hochintegrierte Rechensysteme, genauer gesagt Prozessormodule mit integrierten FGPAs.

Wo könnten diese eingesetzt werden?

Häufig geht es um sicherheitskritische Systeme, kritische Infrastruktur. Dazu zählen Energie- oder Wasserversorgung, aber auch der Bereich Robotik. Oft sind die großen Integratoren in Konstruktion und Mechanik stark aufgestellt, müssen aber die Elektronik zukaufen. Mit einem Standardmodul ist es bei sicherheitskritischen Systemen nicht getan. Für diese Anwendung bieten wir beispielsweise ein Prozessormodul an, das auch anspruchsvolle Anforderungen erfüllt – etwa an die Umweltbedingungen – und gleichzeitig eine tiefere Integration bei limitiertem Bauraum ermöglicht.

Worauf basiert dieses über die reine Wärmebildtechnik hinaus gehende Know-how?

Die Basis unserer Dienstleistungen sind unsere hauseigenen Optronikentwicklungen; zum einen die Wärmebildmodule, aber davon ausgehend auch die Prozessormodule mit integriertem FPGA, die wir für unsere Wärmebildsysteme entwickelt haben. Wir passen die Leiterplatte und das Interface individuell an und stellen sie dem Kunden zur Verfügung. Der Kern ist, dass wir die komplette Elektronik unserer Systeme selbst entwickeln, fertigen und auch die Integration dieser Technologie in kundenspezifische Systeme anbieten. Zudem gilt bei uns: Made in Germany, von der Entwicklung ausschließlich mit europäischen Schlüsselkomponenten bis zur Fertigung. Damit stehen wir auch für eine hohe Sicherheit der Lieferketten.

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