Gedruckte und organische Elektronik

Stärkeres Wachstum als im Gesamtelektronikmarkt erwartet

24. Februar 2026, 7:30 Uhr | Engelbert Hopf
Dr. Klaus Hecker, OE-A: »Das tatsächliche Potenzial übersteigt solche kurzfristigen Prognosen deutlich. Aber auch die sieben Prozent zeigen, die gedruckte Elektronik wächst stärker als der klassische Elektronikmarkt.«
© OE-A

Verhalten in den Umsatzerwartungen, zuversichtlich in puncto Investitionen und der Einstellung neuer Mitarbeiter. Für 2026 rechnen die OE-A Mitglieder mit einem Umsatzwachstum von 7 Prozent. Ihre Bereitschaft in Investitionen ist deutlich höher als 2025, das gilt auch für Neueinstellungen

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Lag es an den durch Spekulation in die Höhe getriebenen Gold- und Silberpreisen, die die über 200 internationalen Mitglieder der OE-A – der Organic and Printed Electronics Association – dazu bewegten, in ihrer jüngsten Geschäftsklima-Umfrage für 2026 nur ein Wachstum von sieben Prozent zu erwarten? Schließlich sind Gold-und Silberpasten zentrale Bestandteile ihrer Produkte. Aber nun scheint diese Spekulationsblase vorerst geplatzt zu sein. Und so dürfte für 2026 vielleicht eher ein Wachstum von zehn Prozent möglich sein, wie es die Geschäftsklima-Umfrage eigentlich erst für 2027 erwartet. »Wir nehmen diese 7-Prozent-Prognose als soliden Durchschnittswert zur Kenntnis«, meint denn auch Dr. Janusz Schinke, Co-Founder und Managing Director von Flexoo, »entscheidend wird aber sein, wie stark die Einzelmärkte auseinanderlaufen werden. Dort, wo die Abnehmerindustrien klare Transformationsimpulse setzen, erwarten wir deutlich überdurchschnittliche Werte«. Gedruckte und organische Elektronik sei stark innovationsgetrieben und Teil globaler Lieferketten, »deren Anpassungsfähigkeit hoch ist«.

»Das tatsächliche Potenzial übersteigt solche kurzfristigen Prognosen deutlich«, versichert auch Dr. Klaus Hecker, Managing Director der OE-A, »aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage in einigen Abnehmermärkten sowie den allgemeinen handels- und sicherheitspolitischen Unwägbarkeiten weltweit sind Firmen eher zurückhaltend mit ihren Umsatzprognosen, was sich in der reduzierten Vorhersage widerspiegelt«. »Aber auch sieben Prozent prognostiziertes Wachstum zeigen«, so Dr. Hecker, »die gedruckte Elektronik wächst stärker als der klassische Elektronikmarkt«.

Dr. Janusz Schinke von Flexoo
Dr. Janusz Schinke, Flexoo: »Wir nehmen die 7-Prozent-Prognose als soliden Durchschnittswert zur Kenntnis, aber dort wo die Abnehmerindustrien klare Transformationsimpulse setzen, erwarten wir deutlich überdurchschnittliches Wachstum.«
© Flexoo

Eine Einschätzung, die auch Dr.-Ing. Andreas Reinhardt, Geschäftsführer Technik/CTO von Seho Systems bestätigt: »Wir sehen ein großes Potenzial unabhängig von irgendwelchen Prozenten – insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass die klassische Elektronikproduktion in Europa sehr stark mit asiatischer Konkurrenz zu kämpfen hat. Wenn man bedenkt, wie wenige Hersteller von Leiterplattensubstraten überhaupt noch in Europa existieren, sollte einem bewusst sein, welches Potenzial hier hoffentlich auch langfristig zu sichern ist«. Dr.-Ing. Reinhardt sieht auch keinen wirklichen Einfluss der US-Zollstrategien auf sein Geschäft: »Die betroffenen Kunden scheint es gar nicht oder wenig zu kümmern, dass es noch einen Kostenaufschlag geben wird, trotzdem werden die Preise sehr hart verhandelt«.

Eine Einschätzung, die, wie Dr. Schinke bereits erwähnte, klar von Einzelmärkten und Abnehmern beeinflusst ist, und so verwundert die Antwort von Dr. Guido van Tartwijk, CEO von Heliatek, nicht: »Die geopolitische Instabilität, einschließlich der umfangreichen Anwendung von Zöllen durch die US-Regierung, hat sich bereits negativ auf viele unserer Auslandsmärkte ausgewirkt. Unsere ausländischen, vor allem asiatischen Kunden sind sehr vorsichtig geworden und verschieben aufgrund der Zölle ihre Investitionen. Auch unsere Pläne für einen möglichen Einstieg in den US-Markt müssten aufgrund der Entscheidungen der Trump-Regierung überarbeitet werden«.

Auch Dr. Alain Schumacher, CTO der luxemburgischen IEE und Vorsitzender der OE-A, verweist auf die Verunsicherung in den Märkten, die das erratische Verhalten von US-Präsident Trump auslöst. Auch ohne Schutzzölle gegen gedruckte und organische Elektronik sei man betroffen, »wenn zum Beispiel weniger Fahrzeuge unserer Kunden aufgrund der Zölle nach USA verkauft werden. Als Automobilzulieferer für gedruckte und flexible Sicherheitssensorik hat das einen direkten Einfluss auf unser Geschäft«. Dr. Schumacher weist auch darauf hin, »dass die aktuelle Situation Forschung und Technik beeinflussen kann, da aufgrund der herrschenden Unsicherheit Kooperationen nicht geschlossen, oder Interessenschwerpunkte verlegt werden«.

Mehr über die aktuellen Entwicklungen und Trends im Bereich der gedruckten und organischen Elektronik im Vorfeld der diesjährigen LOPEC in München, erfahren Sie ab Seite 22 unseres E-Papers der Ausgabe 6-2026.


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