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Cypress und Infineon

Wo bleibt der Charme des Broadliners?

04. Juni 2019, 10:01 Uhr   |  Heinz Arnold

Wo bleibt der Charme des Broadliners?
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Infineon will Cypress für 9 Mrd. Euro übernehmen. Der Infineon-Kurs ging erst mal nach unten.

Warum hat er sich den Anlegern nach der Übernahme von Cypress durch Infineon der Charme der Aktion offenbar nicht erschlossen?

Der Kaufpreis ist zu hoch – das dürfte hauptsächlich der Grund dafür sein, dass die Anleger den Kurs der Infineon-Aktie nach Bekanntgabe der Cypress-Übernahme auf Talfahrt geschickt haben. Zweifler dürften noch mehr finden: Gelingt es Infineon, die Synergieeffekte auf dem Papier Realität werden zu lassen? Vielleicht gefiel ihnen auch die noch gestiegene Abhängigkeit der neuen Infineon vom asiatischen Markt zu Zeiten des Handelskriegs nicht. Ob das Geschäft wie versprochen insgesamt robuster wird?

Auf jeden Fall ist es um einen wichtigen Teil ergänzt worden: 32-Bit-Controller für die Industrie plus dem entsprechenden Ökosystem drum herum sowie Connectivity. Damit tut Infineon jetzt das, was Broadliner, mit denen das Unternehmen in Wettbewerb steht, auch tun: das Portfolio abrunden. Jüngstes Beispiel ist NXP, die es für wichtig hielt, das eigene Connectivity-Programm um das WiFi- und Bluetooth-Geschäft von Marvell zu ergänzen: 300 Mio. Umsatz für 1,76 Mrd. Dollar.

Wenn es nun also auf ein möglichst vollständiges Angebot ankommt, wäre umgekehrt zu fragen, was denn noch fehlt. Dazu zählen unter anderem die derzeit so heiß diskutierten KI-Architekturen. Das aber ist ein Gebiet, in das Infineon nach eigenem Bekunden nicht vordringen möchte. Im F&E-Zentrum in Dresden werde zwar KI eine wichtige Rolle spielen, dort aber soll untersucht werden, wie die entsprechenden Algorithmen am effektivsten portiert werden können, etwa auf den Aurix im Auto für autonomes Fahren. Auch im HF-Sektor wären wohl noch Lücken zu schließen.

Das würde darauf hindeuten, dass die Einkaufstour von Infineon noch weiter gehen könnte. Doch zunächst kommt es darauf an, die Integration so zu vollziehen, dass die Synergieeffekte in der Realität ankommen. Bleibt zu hoffen, dass Infineon die zaghaften Anleger schon bald mit dem Charme eines Broadliners eines Besseren belehren kann.

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