Heute ist Berlin vor allem im Backend Manufacturing, im Advanced Packaging, in der Photonik und Mikrointegration stark – in der Mikroelektronik sollte deshalb ein strategischer Schwerpunkt gesetzt werden.
Das schlägt die Technologiestiftung Berlin in einer kürzlich veröffentlichten Studie zur Rolle Berlins in der Mikroelektronik vor. Vorhandener Transfer und vorhandene Netzwerke zwischen Forschung und Industrie sollten weiter gestärkt werden.
Ob in künstlicher Intelligenz, Elektromobilität, Medizintechnik oder Verteidigung: Ohne leistungsfähige Mikroelektronik steht moderne Wertschöpfung still. Gleichzeitig zeigen geopolitische Konflikte, Lieferengpässe und technologische Abhängigkeiten, wie sensibel und strategisch dieses Feld geworden ist. Technologische Souveränität bedeutet dabei nicht Abschottung, sondern die Fähigkeit, Schlüsselkompetenzen zu sichern und in internationalen Wertschöpfungsketten handlungsfähig zu bleiben.
Berlin ist mit seinen Forschungseinrichtungen, innovativen Unternehmen und spezialisierten Akteuren ein bedeutender Standort der Mikroelektronik.
Vor diesem Hintergrund hat die Technologiestiftung Berlin – im Rahmen einer Förderung durch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe (SenWEB) – die Studie »Berliner Beitrag zur technologischen Souveränität in der Mikroelektronik« veröffentlicht. Die Studie analysiert bestehende Abhängigkeiten in der Mikroelektronik, ordnet Berlins Rolle im europäischen und internationalen Kontext ein und zeigt gezielte Entwicklungsperspektiven für den Standort auf. Auf Basis einer fundierten Bewertung von Stärken, Chancen und Risiken macht sie deutlich, wie eng verflochten und global verteilt die Mikroelektronik-Wertschöpfung ist.
»Ohne die Mikroelektronik wären zahlreiche Anwendungen für Künstliche Intelligenz, das Internet of Things, Telekommunikation oder der Automobilindustrie undenkbar. Das macht sie zu einem Rückgrat der Digitalisierung. Unsere Studie analysiert die Berliner Kompetenzen, Stärken und Schwächen, zeigt, wie Berlin zur europäischen Technologiesouveränität beitragen kann, und leitet daraus Ansätze zur Stärkung dieser Schlüsselbranche für das Land Berlin ab«, sagt Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Technologiestiftung Berlin.
Berlin bildet einen wichtigen Knotenpunkt in diesem globalen Netzwerk. Im europäischen Kontext ist der Standort vor allem in der Weiterverarbeitung von Chips angesiedelt – nicht in der eigentlichen Chipproduktion. Diese Weiterverarbeitung ist ein besonders wertschöpfender Schritt, weil hier aus einzelnen Halbleitern leistungsfähige und marktfähige Anwendungen entstehen. Dazu gehören Kompetenzen im Backend Manufacturing, im Advanced Packaging, in der Mikrointegration sowie in der Photonik.
Besondere Stärke und Wachstumspotential für Berlin bestehen laut Studie im Transfer zwischen Forschung und Industrie sowie im Bereich des Advanced Packaging, da hier die Grundlage für die Zukunftstechnologien wie KI und Quantencomputing gelegt werden. Darüber hinaus empfiehlt die Studie, die vorhandenen Netzwerke zu stärken und eine strategische Schwerpunktsetzung in der Mikroelektronik vorzunehmen.
»Berlin ist Innovationsmetropole und spielt auch in der Mikroelektronik eine bedeutende Rolle«, sagt Franziska Giffey, Bürgermeisterin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe. »Die vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, wie entscheidend diese Schlüsseltechnologie für Industrie, wirtschaftliches Wachstum und technologische Souveränität ist. Deshalb stärken wir gezielt die vorhandenen Kompetenzen am Standort und positionieren Berlin noch besser in internationalen Netzwerken. Mit unserem aus Landesmitteln kofinanzierten Förderprogramm zur Stärkung von Mikroelektronik und Kommunikationstechnologien unterstützen wir die Branche dabei, ihre Wertschöpfung auszubauen und schaffen so einen resiliente und souveränen Wirtschaftsstandort.«