Das Start-up-Unternehmen INCIRT hat eine neue Architektur für superschnelle A/D-Wandler entwickelt, um damit die europäische Halbleiterkompetenz zu stärken. Jetzt hat INCIRT eine Finanzierungsrunde über 4,8 Mio. Euro erfolgreich abgeschlossen.
Gegenüber bisherigen Datenwandler sind die neuen Chips um bis zu hundertmal schneller und nehmen dabei 10 Prozent weniger Leistung auf – ohne dabei auf immer kleinere und teurere Fertigungsstrukturen angewiesen zu sein.
Datenwandler sind ein Schlüsselbaustein moderner Kommunikations- und Sensorsysteme. Sie bestimmen, wie schnell, effizient und zuverlässig Daten zwischen der digitalen Welt und realen Anwendungen übertragen werden. INCIRT, ein Spin-off der RWTH Aachen mit Sitz in Aachen, hat diesen Baustein grundlegend neu gedacht und eine Systemarchitektur entwickelt, die nicht auf Optimierung bestehender Technik setzt, sondern auf intelligente Parallelisierung.
Das sind die wesentlichen Kennzeichen der A/D-Wandler der »FDDAC Tx174«-Serie von INCIRT:
Damit eigenen sich die A/D-Wandler für einen breiten Einsatzbereich, insbesondere für Front- und Backhaul-Anwendungen in der drahtlosen Infrastruktur – von Basisstationen bis hin zu Heimroutern (WiFi der nächsten Generationen, mmWave5G, 6G, Radar, Satellitenkommunikation) –, aber auch für alle Arten von Consumer-Geräten – von Mobiltelefonen bis hin zu AR-/VR-Headsets – sowie für Messgeräte wie beispielsweise Arbiträrgeneratoren.
Ein wesentlicher Unterschied zu etablierten A/D-Wandlern liegt in der Fertigung. INCIRT hat die Technologie erfolgreich als funktionsfähigen Silizium-Chip umgesetzt. Die Chips werden auf der im »22FDX«-Prozess auf der 22-nm-Ebene in Europa von GlobalFoundries gefertigt und ermöglichen damit leistungsfähige Halbleiterproduktion ohne Abhängigkeit von hochskalierter, außereuropäischer Fertigung. Statt immer kleinerer Strukturen steht bessere Architektur im Mittelpunkt.
Dieser Ansatz stärkt die europäische Wertschöpfungskette für kritische Infrastrukturanwendungen wie Satelliten- und Mobilfunkkommunikation. In Satelliten ermöglicht die Architektur deutlich höhere Datenraten bei geringerem Energieverbrauch. Das schafft Spielraum im begrenzten Power-Budget, erlaubt mehr Antennen pro Satellit, mehr Daten pro Orbit und eine längere Missionsdauer bei sinkenden Kosten pro übertragenem Bit.
In einem weiteren Anwendungsfeld, der Telekommunikation, eröffnet INCIRT neue Funk- und Systemarchitekturen. Netzbetreiber profitieren von höherer Kapazität bei gleichem Energieverbrauch, niedrigeren Betriebskosten und zukunftsfähigen Plattformen für die Weiterentwicklung von 5G und darüber hinaus.
Die Finanzierung treibt Produktentwicklung und Industrialisierung voran. Sie ermöglicht die Weiterentwicklung der Technologie, ihre Validierung sowie die Vorbereitung erster Kundenprojekte und den Markteintritt.
»Unsere Architektur ermöglicht Leistungssteigerungen, die mit klassischer Halbleiterentwicklung kaum noch erreichbar sind«, sagt Oner Hanay, Mitgründer und CEO von INCIRT. »Gleichzeitig zeigen wir, dass Hochleistungschips auch mit europäischer Fertigungstechnologie realisierbar sind. Das ist technologisch wie strategisch ein entscheidender Schritt in Richtung digitaler Souveränität Europas. Ein Ziel ist beispielsweise, dass in zehn Jahren alle europäische Satellitenkonstellationen – wir sprechen von 5.000 bis 10.000 Stück – mit INCIRT_Technologie ausgerüstet sein werden.«
Angeführt wurde die Runde von Early Stage VC Fonds Lifeline Ventures, beteiligt ist zudem der High Tech Gründerfonds.
»Wir freuen uns, INCIRT bei der Vermarktung seiner Technologie zu unterstützen. Die Technologie behebt kritische Engpässe in der Kommunikation und Infrastruktur und bietet erhebliches Wachstumspotenzial auf den globalen Märkten. Dies macht INCIRT zu einem attraktiven Partner für führende Technologieunternehmen aus verschiedenen Branchen weltweit«, sagt Petteri Koponen, Gründungspartner von Lifeline Ventures.
Ziel von INCIRT ist es, zentrale Engpässe in der Signalverarbeitung zu überwinden und Hochfrequenzanwendungen in Satellitenkommunikation, Mobilfunk, Radar sowie KI und Rechenzentrumsinfrastruktur deutlich leistungsfähiger zu machen. Damit stärkt das Unternehmen die europäische Halbleiterkompetenz und leistet einen Beitrag zur technologischen Souveränität. Neben ADCs entwickelt INCIRT DACs, PLLs und SerDes-Interfaces, die Datenraten bis 18 Gb/s erreichen.