Die Application-Labs von Micron

Speicher-ICs weiter gedacht

19. September 2019, 14:46 Uhr | Heinz Arnold

Fortsetzung des Artikels von Teil 4

Micron und die Application-Labs

Die in Boise, der Hauptstadt von Idaho, ansässige Micron hatten ursprünglich Kartoffel-Farmer gegründet, die dachten, es sei eine gute Idee, neben Kartoffelchips auch in Halbleiterchips zu investieren. Nach manchem Auf und Ab hat sich herausgestellt, dass es tatsächlich eine gute Idee war: 2018 ist Micron mit einem Umsatz von 30,4 Mrd. und 34.000 Mitarbeitern zum viertgrößten Halbleiterhersteller der Welt aufgestiegen. Besonders erfolgreich war Micron auf dem Sektor der Automotive-Speicher: Mit einem Marktanteil von 40 Prozent ist Micron hier laut den Marktforschern von Gartner (Stand: April 2019) vier Mal größer als der nächste Wettbewerber. Die Aussichten sind vielversprechend: Von 2017 bis 2022 soll der verfügbare Markt für Automotive-DRAMs von 2,3 Mrd. Dollar auf 5,7 Mrd. Dollar um den Faktor 2,5 nach oben springen.

Das lag selbstverständlich auch an den Preisen für DRAMs und NAND-Flash-ICs, die 2017 und 2018 enorm gestiegen waren. Mit ihrem Absturz in diesem Jahr dürfte sich das wieder ändern. Was aber bleibt: Der Anteil der Performance am Gesamtsystem, die die Speicher-ICs definieren, ist über die Vergangenheit gestiegen und wird in Zeiten von Big Data und KI noch weiter zunehmen. Um von dieser Entwicklung zu profitieren, hat Micron rund um die Welt Application-Labs eingerichtet. Hier treiben die Ingenieure die Entwicklung neuer Speichergenerationen voran, sie entwickeln neue Speichertechnologien und kümmern sich um die Advanced-Packaging-Techniken, denen eine zunehmend wichtige Rolle zukommt. Vor allem dürfen die Speicher-ICs nicht mehr getrennt von den Prozessoren betrachtet werden. Wer die richtigen Speichertypen für die Systeme entwickeln will, die in zehn Jahren in Autos Anwendung finden werden, muss heute bereits nicht nur die Grundlagen der Speicher-Techniken entwickeln. Er muss über tiefes Wissen im Bereich der Prozessoren verfügen und in enger Abstimmung mit den CPU-, GPU-, FPGA- und KI-Prozessorherstellern sowie den OEMs und ihren Zulieferern auch die künftigen Speichertechniken entwickeln.

Über die Kooperation mit all diesen Beteiligten hat das Automotive-Appliction-Lab von Micron in München bereits umfangreiche Erfahrungen im Automotive-Bereich aufgebaut und verfügt über das entsprechende Equipment, um Messungen bis an die Grenze des technisch Möglichen durchzuführen und umfangreiche Simulationen durchführen zu können – inzwischen auf einem Niveau, das von vielen Tier-Ones und OEMs gerne in Anspruch genommen wird. Ziel ist es also, in den Application-Labs über die reinen Speichertechniken hinaus zu denken und Subsysteme mit den jeweils passenden Speicherarchitekturen, dem passenden Packaging sowie der zugehörigen Firmware zu entwickeln. Denn gerade das Packaging und die Firmware bietet den OEMs künftig die Möglichkeit, ihre Produkte zu differenzieren. Deshalb hat Micron weltweit bereits fünf Automotive-Application-Labs ins Leben gerufen, nach diesem Muster acht weitere Application-Labs für weitere Sektoren, wie etwa High-Performance-Computing.

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