Die Application-Labs von Micron

Speicher-ICs weiter gedacht

19. September 2019, 14:46 Uhr | Heinz Arnold

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Der Kern kommt von Qimonda

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Stephan von Appen, Micron: »Erst die Speicher werden den Subsystemen zur gewünschten Performance verhelfen. Das können wir nur erreichen, wenn wir die entsprechenden Systemarchitekturen mit allen Beteiligten gemeinsam von Anbeginn entwickeln – mit den Speichern als der Schlüsselkomponente.«
© Micron

Die Kernmannschaft des heutigen Entwicklungszentrums für Grafikspeicher kommt aus dem 2009 Pleite gegangenen Speicher-IC-Spin-off namens Qimonda. Warum Qimonda auch immer aufgeben musste, an der Technik lag es nicht, besonders die Entwickler der Grafik-DRAMs genossen weltweites Ansehen. Sie saßen in München vor Ort und Micron gelang es, viele Entwicklungen im neuen Micron-Büro in München nahtlos fortzuführen.

Zweitens ist die Automotive-Industrie in Deutschland ein wichtiger Zielmarkt für Micron, auch dafür ist der Standort München gut gelegen: In wenigen Stunden sind alle maßgeblichen OEMs und Tier-Ones erreichbar. Damit war auch die Idee des Application-Lab geboren.

Doch warum war der Gedanke neu? Was es bisher gab, waren Zentren vor Ort, in denen Probleme für die Kunden gelöst werden sollten, die plötzlich auftraten, also Troubleshooting. »Unsere Idee bestand darin, nicht mehr nur Troubleshooting durchzuführen. Wir wollten in Kooperation mit den Anwendern unterstützend komplette Subsysteme entwickeln, die noch nicht in der Produktion sind.« Damals für einen Speicher-IC-Hersteller ein Gedanke, der fast schon als Anmaßung galt, und für OEMs und Tier-Ones unerhört – zählten sie die DRAM- und NAND-IC-Schmieden ja noch nicht einmal zu den strategisch wichtigen Zulieferern.

Doch als die OEMs – anfangs wegen des normalen Troubleshootings – sahen, zu was das Application-Lab nicht zuletzt aufgrund der engen Kollaboration mit dem Entwicklungsstandort in der Lage war, kamen sie von ihren Besuchen zunehmend beeindruckt zurück. Denn die Ingenieure von Micron konnten auf Equipment zugreifen, über das selbst die Tier-One-Zulieferer der OEMs nicht in allen Laboren verfügten. Von 25 Gbit/s und 100 Mrd. Messpunkten pro Sekunde sind auch die deutschen OEMs beeindruckt. »Bei 12 Gbit/s pro Pin kommen die Automotive-Ingenieure an ihre Grenzen – sie brauchen Hilfe und Support, die wir ihnen mit den umfangreichen Möglichkeiten in unseren Labs bieten«, erklärt Weigl.

Zudem verfügen die Ingenieure über Erfahrungen mit den unterschiedlichen Systemen vieler OEMs. So lassen sich die Umgebungen verschiedener Fahrzeugtypen verschiedener Hersteller emulieren. Etwa wenn es um Batterie-Umgebungen geht. Sobald ein Fahrzeugmotor gestartet wird, bricht die Batterieversorgung plötzlich ein; läuft der Motor dann, kommt sie genauso plötzlich wieder zurück. »Wir können in enger Zusammenarbeit mit OEMs realistische Spannungsprofile aus dem Feld im Bereich von 0 bis 70 W in Nanosekunden emulieren, das kann sonst kaum ein Halbleiterhersteller«, freut sich Weigl. Unter anderem, weil in den Labs Ingenieure aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen zusammenarbeiten. Insgesamt hat das Lab jetzt nicht weniger als 35 realistische Spannungsprofile rund um das Batterieverhalten aufgebaut, wie Weigl erfreut mitteilt: »Näher an der Realität geht es kaum.« Daraus resultieren bereits zahlreiche Patente rund um Automotive-Speicher: Nicht weniger als 192 sind im Team bereits entstanden.

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