Kommentar

Ist das Ende nahe?

15. Juli 2021, 15:02 Uhr | Heinz Arnold
Heinz Arnold, Stv. Chefredakteur, HArnold@weka-fachmedien.de

Ein Ende der Endzeitprophetien ist nicht abzusehen - aber in Moore´s Law und den Zyklen der IC-Industrie steckt ein zäher Überlebenswille.

Wer in der Elektronikbranche arbeitet, der dürfte bis zum Überdruss von zwei Ende-Ankündigungen gehört haben: Das Ende von Moore´s Law und das Ende der Zyklen. Wenden wir uns zunächst den Zyklen zu: Ich kann mich erinnern, dass viele Experten Ende der 90er-Jahre prophezeiten, dass zumindest die Zyklen im Sektor der Speicher-ICs ein Ende hätten. Denn der Speicherbedarf werde über die 2000er-Jahre und darüber hinaus so gewaltig ansteigen, dass mit zu viel Kapazitäten und Überversorgung kaum zu rechnen sei.

Heute wissen wir es besser. Was nicht heißt, dass wir von heute aus verlässlicher in die Zukunft schauen könnten als damals. Die Prognosen von heute lauten wiederum: Der Bedarf an Chips steige aufgrund der Nachfrage aus vielen Bereichen – 5G, autonomes Fahren, KI, IoT, um nur einige zu nennen – in einem bisher nicht gekannten Maße an. Und weil diesmal eben »wirklich alles anders ist als bisher« lautet die Prognose: Das Ende der Zyklen in der Halbleiterindustrie ist erreicht. Angesichts der enormen Beträge, die derzeit in den Aufbau neuer Kapazitäten investiert werden, eine interessante Vorhersage.

Ganz sicher ist auch: Moore´s Law wird irgendwann an sein Ende kommen. Nur wann? Früher galt: Es muss nur am Rad der Lithografie gedreht werden, um die Zahl der Transistoren pro Fläche zu steigern – und alles andere wie schnellere Verarbeitungsgeschwindigkeit und geringere Stromaufnahme gibt es umsonst obendrauf. Das hat sich tatsächlich geändert. Die Zeit, in der sich die Zahl der Transistoren pro Fläche verdoppelt, hat sich verlängert. Was nicht heißt, dass die Komplexität sinkt. Der Einfallsreichtum der Ingenieure ist ungebrochen, wie nicht zuletzt die hohen Summen zeigen, die die führenden Chiphersteller mittlerweile in Advanced-Packaging-Technologien, Heterogeneous Integration und Chiplets investieren. Da gibt es noch viel Luft nach oben. Genauso wie sich der Durchsatz der Fabs wohl noch steigern lassen wird.

In Anbetracht dieser Entwicklungen und der Erfahrung der vergangenen 40 Jahre würde ich deshalb Prognosen vom Ende des Gesetzes von Moore und vom Ende der Zyklen nicht allzu ernst nehmen. Auch wenn mit Sicherheit die Ankündigungen der Endzeit-Propheten kein Ende nehmen werden.


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

elektroniknet