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Die Zeit ist reif

05. März 2021, 09:30 Uhr   |  Stefanie Eckardt

Die Zeit ist reif
© Stefanie Eckardt

Stefanie Eckardt ist leitende Redakteurin bei der Elektronik automotive.

2020 ist vorbei und auf dem noch jungen Jahr 2021 ruht nach wie vor riesige Hoffnung. Hoffnung darauf, dass man 2021 wieder mehr Normalität erreicht, dass Corona erfolgreich bekämpft werden kann, sich Menschen wieder die Hand reichen können, und sich die Wirtschaft rasch erholt.

»Back to normal« heißt allerdings nicht, dass jede Privatperson oder jedes Unternehmen so weiter machen kann wie bisher. Denn die Pandemie hat knallhart gezeigt, dass altbewährte und für gut befundene Geschäftsmodelle ganz schnell auf dem Abstellgleis landen, wenn sich damit die Bedürfnisse der Nutzer nicht mehr erfüllen lassen oder diese aufgrund der gegenwärtigen Ein- und Beschränkungen nicht mehr umsetzbar sind. „Die Grenzen traditioneller Geschäftsmodelle, Managementpraktiken und Unternehmenskulturen werden immer deutlicher. Wir benötigen daher dringend neue Ideen und Herangehensweisen“, betont Tim Leberecht, Co-Gründer des House of Beautiful Business – neue Ideenfabrik und Plattform des Porsche Digital Company Builder »Forward31«. Eine Botschaft, die nicht nur für Porsche gilt, sondern die sich viele Unternehmen zu Herzen nehmen dürfen.

Auch in puncto Klimaschutz lässt sich nicht so weitermachen wie bisher. Zwar konnte Deutschland 2020 sein selbstgestecktes Klimaziel von 40 Prozent weniger Treibhausgase als 1990 erreichen und dieses sogar laut der politisch unabhängigen Denkfabrik Agora Energiewende mit 42,3 Prozent noch etwas überbieten. Doch auf die Schultern muss sich niemand klopfen, denn das Ergebnis sei nicht der Klimaschutzpolitik zu verdanken, sondern Folge der Corona-Pandemie. »Verkehr und Industrie werden wieder mehr Treibhausgase ausstoßen, sobald die Wirtschaft wieder anzieht«, ist sich Patrick Graichen, Direktor der Denkfabrik, sicher.

Dem muss die Bundesregierung eigentlich entgegenwirken. Eine wichtige Rolle sollte dabei den öffentlichen Verkehrsmitteln zukommen. Doch wenn ich sehe, dass Pendler, die mit Bahn und Co. unterwegs sind, im Vergleich zu Autofahrern tiefer ins Portemonnaie greifen müssen, dann stimmt mich das nachdenklich. Denn Bahnfahren ist klimafreundlich, wird aber nicht nur finanziell nicht belohnt – sondern im Gegenteil bestraft. Die Kosten sind in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als die Kosten für Autofahrer. Das verdeutlicht eine Auswertung der Allianz pro Schiene auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamts. So zahlten Nutzer des Nahverkehrs 2020 im Schnitt 16 Prozent mehr als 2015. Autofahren wurde dagegen nur um vier Prozent teurer. Auch als begeisterte Autofahrerin muss ich sagen, dass das äußerst ungerecht ist und steinzeitliche Ausmaße hat. Die Zeit ist mehr als reif für eine neue Denke, moderne Konzepte und Herangehensweisen. Und für unpopuläre Maßnahmen – auch im Wahljahr.

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