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Vernetztes System für das Automobil 4.0

Škoda geht auf die Überholspur

11. Juni 2021, 08:30 Uhr   |  Autor: Gerry McQuaid, Redaktion: Irina Hübner

Škoda geht auf die Überholspur
© Cubic Telecom | elektroniknet

Flexibilität, Anpassungsfähigkeit an die Anforderungen im Back-End und an länderspezifische Vorgaben sowie hohe Compliance-Standards: Mit seinem Connected-Car-Konzept konnte das irische Technologieunternehmen Cubic Telecom den Automobilhersteller Škoda überzeugen.

Die Automobilindustrie hat den Weg zur integrierten konnektiven Software in Richtung Automobil 4.0 eingeschlagen: Mithilfe des Connected Cars lässt sich die Sicherheit des Fahrers verbessern. Darüber hinaus können die Produktivität der Automobilhersteller erhöht und Versicherungsprämien gesenkt werden. Der tschechische Automobilhersteller Škoda schug diesen Weg ein – zunächst bei mobilen Onlineservices und konnektiver Software für die Modelle Scala und Kamiq.

Bereits seit 2014 bestanden erste Kontakte zwischen der Konzernmutter Volkswagen und dem irischen Unternehmen Cubic Telecom, einem Anbieter von Softwarelösungen für das Konnektivitätsmanagement in der Automobilbranche und im industriellen IoT. Auf diese Weise entstand Ende 2016 der Kontakt zu Škoda. »Die End-to-End-Lösung von Cubic Telecom für den Automobilbereich ist eine riesige Geschäftsmöglichkeit für Automobilhersteller, um profitable Geschäftsmodelle durch ‚In-Car-Connected-Software‘ zu schaffen«, erklärt Barry Napier, CEO von Cubic Telecom.

Kompetenz im Segment Vernetzung

Das Netzwerk von Cubic Telecom erstreckt sich über mehr als 190 Länder und 88 Partnerschaften mit Mobilfunkbetreibern. Die »Platform for Application and Connectivity Enablement« (kurz PACE-Plattform) des irischen Unternehmens, verschafft Škoda die vollständige Kontrolle über die vernetzten Services, die der Automobilhersteller dem Verbraucher anbietet.

Dazu zählen unter anderem Telematik-Anwendungen, e-Call, Infotainment-Anwendungen und die Möglichkeit zum Abspielen von Content-Streaming-Diensten im Auto, an die bis zu acht Geräte gleichzeitig angeschlossen werden können. Hinzu kommen Navigation, Routenführung und Kartenmaterial sowie persönliche Apps. Nachdem sich die Lösung unter dem offiziellen Namen Škoda Connect seit Juli 2019 bewährt hatte, wurden im Nachgang auch weitere Modelllinien der Marke damit ausgerüstet.

Ein Full-Service-Angebot

»Nach der erfolgreichen Einführung des mobilen Onlinedienstes Škoda Connect - für den Škoda Scala, Kamiq, Octavia, Superb, Kodiaq und Karoq - haben wir festgestellt, dass unsere Autos mithilfe der Cubic-Lösung mehr als 410 Terabyte generiert haben. Wir glauben daher, dass Cubic Telecom der richtige Partner für unsere zukünftigen Konnektivitätslösungen ist, auch vor dem Hintergrund, dass wir mit dem Škoda Enyaq ins Zeitalter der Elektromobilität eintreten«, sagt Michal Maruška, Koordinator für Connected Car Services bei Škoda Auto.

Die konnektive Softwarelösung für Autos ist zurzeit in 93 Ländern live. Dazu ist eine lokale Anpassung der Software (URI) in manchen Ländern erforderlich. End-to-End-Konnektivität wird dabei in Kooperation mit örtlichen Mobilfunkanbietern gewährleistet. Cubic Telecom übernimmt in diesem Fall als Full-Service-Anbieter die Funktion eines Mittlers, der alle beteiligten Akteure und Instanzen miteinander verbindet.

Die Software von Cubic Telecom passt sich den Bedürfnissen der Anwender inklusive Operations an. Während der e-Call länderspezifisch reguliert ist, erfordert der Bereich Infotainment wenig Anpassungen, da alle Marken ein einheitliches Back-End nutzen. Lediglich für den Bereich Elektromobilität wurde eine neue Generation der Software inklusive neuem Back-End entwickelt. Für Škoda wurde das System vollständig als Customized-Lösung realisiert. Dabei sorgt Cubic Telecom dafür, dass Front-End und Back-End reibungslos zusammen funktionieren.

Bezüglich der Administration für den OEM bietet die Plattform eine zentralisierte Architektur, in der Änderungen an Back-End-Systemen einfach vorgenommen werden können, um schnell neue Serviceoptionen zu nutzen oder Protokolle für bestehende Serviceoperationen zurückzusetzen. Der Automobilhersteller kann durch nahtlose Software-Updates, Livediagnosen, Datensammlungen und das Feature »Adoption and Drop« neue Merkmale und Funktionen schnell auf aktuelle Umstände und Anforderungen reagieren.

»Der größte Vorteil eines zentralen integrierten Managementsystems besteht darin, dass es dem Autohersteller die Fähigkeit verleiht, digitale Dienste einzuführen, anzupassen und zu kontrollieren, die leicht skalierbar und auf globale Märkte ausgerichtet sind«, betont Napier. Durch die Lösung von Cubic Telecom werden globale Subscription-Management-Secure-Routing- (SM-SR-)Dienste überall dort ermöglicht, wo Škoda Connect verfügbar ist. In Kombination mit LTE-Konnektivität und 5G sind mehr als vier Millionen Autos unterschiedlicher Marken weltweit an die PACE-Plattform von Cubic Telecom angebunden.

In Europa vereinfacht die Zusammenarbeit mit einem großem Mobilfunkanbieter die Bereitstellung der konnektiven Services. Außerhalb von Europa hingegen erfordern Hardware und Software mehr Anpassungen. Zu den großen Vorteilen gehört jedoch, dass die Plattform konzernübergreifend auf sämtlichen Geräten des Volkswagen-Konzerns eingesetzt werden kann, die in der Grundkonzeption identisch sind. Dies erleichtert einen Großteil der Lager- und Procurement-Prozesse und bietet somit eine Basis für Synergieeffekte. Die jeweilige Box, auf der alle wesentlichen Daten hinterlegt sind, erkennt sowohl das Auto als auch den Zielmarkt.

Bei Compliance auf der sicheren Seite

Hohe Standards im Bereich Legal und Compliance gehören zu den Säulen der Philosophie von Cubic Telecom. Das irische Unternehmen sorgt für zukunftssichere Lösungen, die jeweils mit dem örtlichen Regulierer abgestimmt sind. Auch außerhalb von Europa ist der Markt im Bereich der konnektiven Softwareservices stark reguliert.
Dank seiner umfassenden internationalen Expertise kann Cubic Telecom compliance-konforme Lösungen in allen 93 Ländern umsetzen, in denen die Produkte im Einsatz sind. Für Škoda liegt der Fokus aktuell auf dem Kernmarkt Europa, doch unterstützt die internationale Anwendbarkeit des Systems die Expansionsbestrebungen des Autoherstellers.

Das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Škoda und Cubic Telecom: Als erste Lösung dieser Art hat der Technologieanbieter sein System speziell an die Bedürfnisse von Škoda angepasst und adressiert mit Deutschland einen der weltweit wichtigsten Märkte für die Automobilindustrie.

Gerry McQuaid, Chief Commercial Officer bei Cubic Telecom.
© Cubic Telecom

Gerry McQuaid, Chief Commercial Officer bei Cubic Telecom.

Der Autor

Gerry McQuaid

ist seit seinem Start im Jahr 2009 als Chief Commercial Officer bei Cubic Telecom ein maßgeblicher Bestandteil der Unternehmensführung und des -wachstums – vom Start-up zum etablierten strategischen Partner für Weltmarken. Nach leitenden Positionen in der Telekommunikationsbranche bei O2 Ireland und Esat Digifone sah McQuaid vielversprechendes Potenzial in Cubic Telecom: Er erkannte eine Marktlücke für datengesteuerte Dienstleistungen für globale konnektive Software. McQuaids Aufgabengebiet umfasst die Verantwortung für Strategie, Geschäftsentwicklung, kommerzielle Richtlinien und internationale Partnervereinbarungen. Er wirkt mit an der Sicherung und Pflege von Geschäftspartnerschaften mit Netzbetreibern und Schlüsselkunden wie Panasonic, Audi und Volkswagen.

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