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Fahrerassistenzsystem

Objektdaten oder Rohdaten verarbeiten?


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

"...auch die Legacy ist ein Thema..."

Eine ähnliche Entwicklung gibt es bei den Kamerasystemen. Hier geht es um hochauflösende Systeme mit 3k Pixel und mehr, die Frame-Raten bis 60 fps aufweisen. Auch hier fallen große Datenmengen an. Und abschließend: »Abhängig von den konkreten Anwendungsfällen und der Applikation im Zentralrechner haben Rohdaten sicherlich einen Vorteil. Der wird aber im wahrsten Sinne des Wortes teuer erkauft, und zwar mit hohen Kosten im Bordnetz und einer hohen Rechenleistung im Bereich der Sensorfusion. Vergleicht man komprimierte Daten wie Objekte/Peaks mit der Fusion von Rohdaten, dann konnte aus unserer Sicht noch kein deutlicher Qualitätsgewinn demonstriert werden.«

Auch Eric Pinton von der Automotive Solution Business Unit in der Digital Products Marketing Division bei Renesas Electronics Europe hat Bedenken, wenn es um die Verarbeitung von Rohdaten geht. Das wirke sich zuallererst auf die E/E-Architektur aus, da riesige Datenmengen von der großen Anzahl von Sensoren zur zentralen Verarbeitungseinheit transportiert werden müssen, was wiederum teure Schnittstellen-ICs und Kabel erforderlich macht. Darüber hinaus stelle auch die Verarbeitung der Daten selbst eine Schwierigkeit dar, denn bei Rohdaten ist eine enorme Rechenleistung erforderlich, »was zu einem extrem hohen Stromverbrauch und teuren Wasserkühlungssystemen führt, wenn die SoCs nicht sorgfältig darauf ausgelegt sind, hohe Leistung bei geringem Stromverbrauch zu liefern«, so Pinton weiter.

Und auch die Legacy ist ein Thema, denn Pinton ist sich sicher, dass die heutigen Sensoranbieter (z.B. von Radar) ihr bestehendes Geschäft behalten wollen und möglicherweise gar nicht bereit sind, Rohdaten zu liefern, weil es ihren Mehrwert mindern würde. Dennoch: Renesas unterstützt beide Ansätze, und der Markt will es so. Pinton abschließend: »Zukünftige Systeme können Objektfusion und Rohdatenfusion mischen, um Leistung, Stromverbrauch und Kabelkosten in einem vernünftigen Gleichgewicht zu halten.«

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Peter Wiese, NXP Semiconductors: »Die Verarbeitung von Objektlisten kommt europäischen Automobilherstellern entgegen, weil sie damit nicht diesen einen riesengroßen Zentralrechner haben müssen. Und sie sind damit in der Lage, ihre Fahrzeuge hinsichtlich der Ausstattung mit Kameras und Radarsensoren zu skalieren.«
© Markt&Technik

Enorme Auswirkungen

Klar ist auf alle Fälle, dass eine Verarbeitung von Rohdaten enorme Datenvolumina zur Folge hat, die durch das Auto gejagt werden müssen und die schnelle Busse erforderlich machen. Doch aus Bröckelmanns Sicht kommt das sowieso, »weil tendenziell alle OEMs bzw. Premiumhersteller an neuen E/E-Architekturen arbeiten, und dafür sind schnelle Busse im Fahrzeug notwendig.« Denn der Trend, Rechenleistung zu zentrieren, besteht so oder so. »Das hat Vorteile beispielsweise hinsichtlich der Update-Fähigkeiten. Und diese Architekturen werden kommen bzw. sind schon da.«

Valesani fügt noch hinzu, dass mit der Rohdatenverarbeitung nicht nur eine neue E/E-Architektur und ein anderes Netzwerk notwendig sind, sondern auch neue Lieferantenkompetenzen gefragt sind. Valesani: »Die Verarbeitung verschiebt sich von applikationsspezifischen ECUs zu einer zentralen Verarbeitung, Software und Systemkompetenz verschiebt sich im System, Themen wie funktionale Sicherheit, Manipulierbarkeit von Daten müssen neu betrachtet werden. Datenformate sind nicht standardisiert, ohne diese wird eine Fusionierung schwieriger.«

Wiese argumentiert ähnlich wie Pinton und weist auf den Kostenfaktor hin, der mit der Fusionierung von Rohdaten verbunden ist, beispielsweise Kupfer oder Glasfaserleitungen. Wiese weiter: »Für diese Datenmengen liegen bislang auch noch kaum Standards vor.«

Und Raphael Hrobarsch, European Regional & Automotive Sales Manager bei Diodes, abschließend: »Die Voraussetzungen, eine möglichst perfekte Real-Time-Entscheidung zu treffen, besteht im Abgleich aller Daten, und das am besten über eine standardisierte Infrastruktur. Die MIPI Alliance, zu der auch Diodes gehört, und IEEE arbeiten an einem neuen Interoperabilitäts-Standard für die Hochgeschwindigkeits-Datenübertragung in Fahrzeugen. Ab dem Level 3 ist die Masse der zu übertragenden Daten in einer Größenordnung, in der nicht nur Diodes PCIe Gen. 3 Packet Switches als mögliche Schnittstellenlösung des Datentransfers sieht.« 


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