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Prozessor-IP aus Deutschland

»Flexibel, sehr performant und gleichzeitig energiesparend«

Dr. Hans-Joachim Stolberg, videantis
Dr. Hans-Joachim Stolberg: »Dass unser Toolflow weltweit auch für die Entwicklung ISO-26262-zertifizierter Serienprodukte im Automobilbereich eingesetzt wird, belegt die Reife unserer Tools.«
© videantis

videantis ist ein deutsches Prozessor-IP-Unternehmen. Dr. Hans-Joachim Stolberg, CEO und CTO von videantis, erklärt gegenüber der Markt&Technik, worauf der Erfolg des Unternehmens beruht, wo er Schwierigkeiten in Europa sieht und wie die nächsten Schritte für videantis aussehen.

Markt&Technik: videantis ist ein deutsches Prozessor-IP-Unternehmen, an sich schon eine Rarität. Darüber hinaus ist es dem Unternehmen bereits 2004 mit dem ersten Medienprozessor für MPEG4 in Zusammenarbeit mit Micronas und UMC gelungen, auf die ISSCC zu kommen. Wo lagen die technologischen Besonderheiten?

Dr. Hans-Joachim Stolberg: Eine Besonderheit war zu diesem Zeitpunkt, dass der vorgestellte Chip die damals aktuellsten Videocodecs komplett in Software unterstützt hat, dies aber mit Flächen- und Leistungsdaten, die sonst nur festverdrahtet erreichbar waren. Diese dabei gezeigte Effizienz in Kombination mit der hohen Flexibilität durch freie Programmierbarkeit zieht sich bis heute als ein Kernthema durch unsere Prozessor-Generationen und ist über die Jahre immer weiter perfektioniert worden.

2006 wurde mit Infineon, Chartered, IBM und Samsung ein Testchip auf Basis einer 65-nm-Prozesstechnik realisiert.

Ja, es handelte sich hierbei um ein Dual-Core-Design unserer Kernarchitektur, d.h., wir haben mit diesem Chip den Schritt zur Multi-Core-Skalierbarkeit unserer Architektur gemacht. Algorithmisch haben wir neben vielen anderen Videostandards auch bereits die H.264-Codierung auf diesen Chip gebracht, und das mit einer Verlustleistung von nur 15 mW.

2008 machte videantis erste Design Wins im Automotive-Markt, 2012 wurde Bosch zum Lizenznehmer. Wie kommt es, dass Automobilhersteller und Tier-Ones auf ein kleines deutsches Unternehmen setzen?

In der Automobilindustrie stellt man sich prinzipiell immer die Frage: zukaufen oder selber machen? Auf operativer Ebene geht es dann um vorhandene Kompetenzen und Ressourcen, Zeitpläne sowie Kosten. Bereits damals konnten wir mit unserer Architektur in allen Punkten überzeugen; Fragen hinsichtlich unsere Unternehmensgröße kamen nur ganz am Rande auf.

Können Sie das etwas konkretisieren?

Es waren zwei Punkte ausschlaggebend:

1. Die Flexibilität der Prozessoren aufgrund ihrer Programmierbarkeit gepaart mit einer Effizienz, welche andere Ansätze nicht bieten konnten. Bosch war sich zu diesem Zeitpunkt bereits bewusst, dass sich die Kundenanforderungen bis zum Serienstart noch verändern und erweitern werden, sodass genau diese Flexibilität essenziell war, um später mit ihrem Produkt im Markt erfolgreich zu sein – und das waren sie letztendlich auch.

2. Dadurch, dass die Funktion und Leistungsfähigkeit der Prozessoren bereits in Silizium nachgewiesen waren; damals als zweite Generation in 65 nm stellte es für kein Bosch kein Risiko mehr dar, sich auf ein kleines deutsches Unternehmen zu stützen und von den Vorteilen deren Architektur, aber auch den Vorzügen der lokalen Zusammenarbeit zu profitieren.


  1. »Flexibel, sehr performant und gleichzeitig energiesparend«
  2. Architektur ist applikationsspezifisch optimiert
  3. Interaktion auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette: OEM - Tier-One - Halbleiterunternehmen
  4. Continental/videantis: Starker Push nach vorne

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