Interview mit Meilhaus Electronic

»Der Übergang erfolgt fließend«

12. April 2022, 9:00 Uhr | Nicole Wörner
Albert und Stefan Meilhaus
Albert und Stefan Meilhaus, Meilhaus Electronic
© Meilhaus

Meilhaus Electronic hat sich über die vergangenen 45 Jahre zu einem der Key Player unter den Messtechnik-Fachdistributoren und -Herstellern entwickelt. Albert und Stefan Meilhaus über die Entwicklung des Unternehmens, die Marktfaktoren, die lokale Fertigung – und über die Nachfolgeregelung.

Markt&Technik: 45 Jahre Meilhaus Electronic – wenn Sie diese Zeit Revue passieren lassen, welche Ereignisse haben die tiefsten Spuren hinterlassen? Und auf welches hätten Sie gerne verzichtet?

Albert Meilhaus: Natürlich hinterlassen Ereignisse wie Wirtschaftskrisen, die Corona-Pandemie oder die Trennung von langjährigen Zulieferern und Partnern ihre Spuren und Einschnitte. Auf diese würde man gerne verzichten, das geht wohl jedem in der Branche so. Doch im Nachhinein betrachtet blicken wir lieber auf die positiven und mutmachenden Ereignisse. Dazu gehören erfolgreiche Projekte, inspirierende Events wie unsere Veranstaltungen auf dem Olympiaturm, Produktneuentwicklungen und Kooperationen mit neuen Zulieferern. Unser Umzug im Jahr 2014 in großzügige, moderne Räumlichkeiten zählt für uns sicherlich auch zu den positiven Meilensteinen.

Zur Gründung des Unternehmens waren Sie ein reiner Distributor – damals für IEC-Bus-Schnittstellen und Einbaugeräte von Fairchild. Zehn Jahre später, 1987, haben Sie die ersten eigenentwickelten PC-Mess- und -Steuerkarten verkauft. Was hat dazu geführt, dass Sie die Entwicklung selbst in die Hand genommen haben? Gab es keine adäquaten Produkte auf dem Markt?

Albert Meilhaus: Man muss sich vor Augen halten, dass wir hier über die Zeit sprechen, in der der Siegeszug des PC gerade erst begann. PC, Laptop, Smartphone und deren Einsatz auch in der Messtechnik sind heute ganz selbstverständlich. Doch damals waren wir ein echter Pionier im Bereich der PC-Messkarten. Natürlich gab es schon zuvor deutsche und amerikanische Messgeräte-Hersteller, und nach und nach kamen auch immer mehr Firmen hinzu, die den Trend erkannten und auf den PC in der Messtechnik setzten. Allerdings gab es keine Startup-Szene wie heute, und auch der asiatische Markt existierte noch nicht in der heutigen Übermacht. Insofern war der Markt für Messkarten noch sehr klein und es gab wenig adäquate Produkte.

Fortschrittliche Industriezweige begannen jedoch verstärkt auf den PC zu setzen und suchten industrietaugliche PC-Karten. Diese Chance haben wir genutzt. Dennoch haben wir unsere Stärke immer auch in der Kombination aus beidem gesehen: Distribution ausgesuchter Produkte und Eigenentwicklungen.

Sie fertigen Ihre Eigenentwicklungen lokal in Bayern. Warum?

Albert Meilhaus: Die aktuellen Ereignisse und ihre Folgen für die Lieferketten zeigen ganz klar die Vorteile einer lokalen Fertigung. Natürlich sind auch wir bis zu einem gewissen Maß abhängig von der asiatischen Chipindustrie, aber zumindest die Bestückung und Fertigung unserer Messkarten in unmittelbarer Nähe haben extrem viele Vorzüge. Das beginnt schon ganz einfach bei der Kommunikation: Wenn nötig fährt man halt einfach mal schnell hin und redet miteinander. Wenn dann auch die Qualität passt und die Preise fair sind, überwiegen die Vorteile einer lokalen Produktion.

Wichtige Aspekte sind natürlich auch die Umwelt und die Erhaltung der lokalen Wirtschaft. Vor Ort können wir einfacher gewährleisten, dass unsere Produkte umweltgerecht und fair produziert werden. Die Transportwege sind kurz, die einschlägigen Umwelt-Vorschriften werden eingehalten und die Produktion findet nicht unter Niedriglohnbedingungen statt. Das entspricht auch unserem Firmen- und Lebensmotto »Leben und leben lassen«.

Erfolgreiche mittelständische, inhabergeführte Unternehmen sind begehrte Objekte auf dem Übernahmemarkt. Gab es Angebote? Falls ja, waren Sie jemals in Versuchung, zu verkaufen?

Albert Meilhaus: Unser Ziel war es immer, durch ein realistisches Wirtschaften mit Weitsicht und Augenmaß von Banken und Investoren unabhängig zu sein sowie stabil und selbstfinanziert zu bleiben. Nur so können wir für unsere Kunden der starke Partner sein und bleiben, den sie in uns sehen, den sie erwarten und auf den sie zählen.

Sie sind im Prozess, das Unternehmen an Ihren Sohn Stefan zu übergeben. Wie klappt die generationsübergreifende Zusammenarbeit?

Albert Meilhaus: Wir haben immer großen Wert darauf gelegt, als mittelständisches Familienunternehmen aufzutreten und auch so zu agieren. Für meine Frau und mich ist die Meilhaus Electronic unser Lebensprojekt, an dem wir viel Freude haben und in das wir natürlich über die Jahre auch viel Energie gesteckt haben. Daher wird es keinen konkreten, festen Zeitpunkt für eine Übergabe geben, der Übergang verläuft vielmehr fließend. Das klappt vor allem auch deshalb sehr gut, weil wir uns generationsübergreifend gut verstehen und ergänzen – jeder kann sich dort optimal einbringen, wo er gebraucht wird, und wir bereichern uns und unser Unternehmen gegenseitig mit Ideen.

Ich denke, unser Zusammenspiel ist hervorragend und bei Weitem nicht selbstverständlich. Wichtig ist, sich gegenseitig den Raum für Ideen zu geben und diese mit Begeisterung projektieren zu können. Immerhin gibt es allein zum Thema Unternehmensnachfolge einen riesigen Unternehmensberatermarkt, den wir dadurch komplett ignorieren können – wie übrigens sämtliches Consulting. Oder, wie einmal der Firmengründer eines namhaften amerikanischen Wettbewerbers zu mir sagte: »Nothing beats a Family Operation.«

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