Portables Photon Counting, ein KI-Ultraschall mit über einem Dutzend Tools und ein Röntgensystem, das Patienten selbst positioniert: Samsung zeigt in Wien, dass KI-Integration kein Privileg der Platzhirsche ist – und verpasst trotzdem die Chance, sein stärkstes Argument ins Rampenlicht zu rücken.
Gleich am Eingang der Halle X5 – auf dem direkten Weg zum Healthineers-Riesen – zeigte Samsung, dass der südkoreanische Konzern nicht mehr um Aufmerksamkeit kämpfen muss. Röntgen-, Ultraschall- und CT-Geräte, die sich technologisch keineswegs verstecken müssen; ein selbstbewusster Auftritt, der den Vergleich mit den etablierten Platzhirschen nicht scheute. Einzig das mobile Photon-Counting-CT – eines der technologischen Highlights der gesamten Messe – war im Standkonzept kaum inszeniert, fast beiläufig präsent. Schade – denn das Gerät hätte mehr Bühne verdient.
Schon das aufgerüstete Decken-Röntgensystem GC85A Vision+ trägt das KI-Argument im Namen: Die integrierte Vision Assist-Kamera überwacht den Patienten kontinuierlich, führt die Röntgenröhre automatisch in die korrekte Position und gibt dem Technologen über Vision Live Echtzeit-Feedback – von jedem Punkt im Raum aus. Die S-Vue Imaging Engine senkt dabei die Strahlendosis um bis zu 45 Prozent, ohne Einbußen bei der diagnostischen Bildqualität. KI ist hier kein Zusatz, sondern der Mechanismus, der Automatisierung und Dosismanagement gleichzeitig ermöglicht.
Mehr als ein Dutzend KI-Werkzeuge
Im Ultraschall markiert das neue R20 einen klaren Anspruch auf das Premiumsegment der radiologischen Bildgebung – gebaut auf Samsungs Crystal Architecture und einem dedizierten GPU, der die KI-Suite erst möglich macht. Und diese Suite ist bemerkenswert konkret: LiverAssist erkennt verdächtige Läsionen während der laufenden Untersuchung in Echtzeit; BreastAssist klassifiziert Brustläsionen live nach BIRADS und generiert automatisch den Befundbericht; Deep USFF quantifiziert den Leberfettgehalt per KI – mit nachgewiesener Korrelation zum MRT-Goldstandard. Dazu kommen automatisierte Messfunktionen quer durch alle Organsysteme. Mehr als ein Dutzend KI-Tools in einem System: Das ist kein Feature-Katalog, sondern eine klinische Arbeitsplattform.
Das strategisch bedeutendste Gerät bleibt das OmniTom Elite PCD – das weltweit erste FDA-zertifizierte mobile Photon-Counting-CT, entwickelt von NeuroLogica, einer Samsung-Electronics-Tochter, inzwischen in der dritten Generation. Der Detektor konvertiert Röntgenphotonen direkt in elektrische Signale, KI übernimmt die Rekonstruktion der spektralen Daten direkt am Gerät – ohne Cloud, ohne stationäre Infrastruktur. Was das ermöglicht, geht über Bildqualität hinaus: Schlaganfalldiagnostik im OP ohne Unterbrechung des laufenden Betriebs, Bildgebung bei intensivpflichtigen Patienten ohne Transport, Quick-Scans in der Notaufnahme ohne Eingriff in den radiologischen Normalbetrieb. Spektral-CT, bislang an stationäre Infrastruktur gebunden, wird portabel – das ist das eigentliche KI-Argument.
Die Medizintechnik-Sparte des asiatischen Tech-Konzerns verfolgt in Wien eine klare Strategie: kein Angriff auf das Premium-Stationärsegment, sondern konsequente Besetzung der Lücken – portabel, wo andere stationär denken; kompakt, wo andere groß bauen. KI ist dabei kein Markenkern wie bei Healthineers oder Philips, sondern Enabler – in jedem einzelnen Produktt klar auf die klinische Aufgabe zugeschnitten. Die eigentliche Frage ist, ob Samsung künftig auch die Courage aufbringt, ihr stärkstes Argument - das portable Photon Counting - ins Zentrum der Inszenierung zu rücken.