Von der Detektorebene über KI-optimierte Workflows bis zur herstellerneutralen Orchestrierung: Philips zeigt auf dem ECR in Wien KI nicht als Zusatz, sondern als tragendes Konstruktionsprinzip – von der Bildakquisition bis zum signierten Befund. Und hat eine Photon-Counting-Alternative im Gepäck.
Wer Philips auf dem ECR 2026 besuchen wollte, musste erst hoch hinaus: Der niederländische Konzern hatte das komplette zweite Level des Hexagons im Austria Center Vienna belegt – verwinkelt zwar, aber genau diese Architektur machte den Auftritt zu einem der visuell stärksten der Messe. Gänge wurden zu geführten Erlebnispfaden, Kinosäle boten Platz für Videoinstallationen und Tiefendemos, auch die einzelenen Scanner wurden in den einzelnen Ecken zu Stars. Und die Botschaft, die sich durch den gesamten Auftritt zog, war so deutlich wie das Design: KI wird nicht länger optional zugeschaltet – sie ist die tragende Schicht, die in jeder Ecke des Produktportfolios ihren Dienst tut. Von der Akquisition bis zum signierten Befund.
Das neue Rembra CT ist explizit für die Realität der Akutversorgung gebaut: bis zu 106 Bilder pro Sekunde, 85-cm-Bore für bariatrische Patienten, bis zu 270 Patienten täglich. Was klingt wie ein Hardware-Argument, ist vor allem ein KI-Problem, das Philips gelöst hat – denn am Kern des Rembra sitzt der neue NanoPanel Precise XD-Detektor, der von Beginn an für die Zusammenarbeit mit KI entwickelt wurde: hochauflösend, dosiseffizient, ausgelegt auf konsistente Bildqualität auch bei komplexen Patientengruppen. KI-gestützte Smart Workflows übernehmen darüber hinaus Routineschritte wie Protokollauswahl und Rekonstruktion automatisch, damit Personal sich auf klinisch komplexe Fälle konzentrieren kann.
Das technologisch mutigere Statement war allerdings der Verida – mit seiner Europapremiere in Wien. Als weltweit erster detektor-basierter Spektral-CT integriert er KI nicht als nachgelagerten Schritt, sondern von Beginn an in die gesamte Bildgebungskette: Spektrale Daten entstehen direkt auf Detektorebene, die KI-Rekonstruktion liefert vollständige Spektralbilder ohne Mehraufwand für den Nutzer – und das mit 145 Bildern pro Sekunde, sodass komplette Untersuchungen in unter 30 Sekunden vorliegen. Spektral-CT, bislang oft spezialisierten Zentren vorbehalten, soll damit in die Breite wandern – und könnte dem Photon Counting dort ein Schnippchen schlagen, wo es zählt: Philips verspricht vergleichbare klinische Ergebnisse bei deutlich niedrigeren Betriebskosten.
Über die Einzelgeräte hinaus zeigte Philips mit dem AI Manager eine Orchestrierungsplattform, die KI-Anwendungen verschiedener Anbieter herstellerneutral verwaltet, in bestehende PACS- und RIS-Umgebungen einbettet und Befundbeiträge direkt in den primären Lesearbeitsplatz überträgt – ohne Kontextwechsel, ohne zusätzliche Klicks. Dass das in der Praxis funktioniert, zeigen klinische Daten aus dem Einsatz beim norwegischen Vestre Viken Hospital Trust: Durch die Integration des AI Manager mit dem bestehenden PACS- und RIS-System stieg die Sensitivität der Radiologen von 93% auf 98%.
Das strategische Designprinzip, das Philips in Wien am deutlichsten von Mitbewerbern unterscheidet, ist Unsichtbarkeit: KI soll für Nutzer nicht spürbar sein – weder im Gerät noch in der Abteilung. Nicht das Feature steht im Vordergrund, sondern das Ergebnis. Ob tief im Detektor des Verida oder im AI Manager, der herstellerneutral orchestriert – Philips baut konsequent auf das Prinzip: Die beste KI ist die, die niemand bemerkt.