Stromversorgung für Laserdioden

Wenn der Treiber die Therapie mitbestimmt

31. März 2026, 6:59 Uhr | von Patrick Schulze für Schulz-Elektronic
Der Halbleiter-Sicherheitsswitch SES ermöglicht den Betrieb von Laseranlagen mit sehr hohen Taktzyklen bis Cat. 4/Performance Level e.
© Schulz Electronic

Präzise Pulse, sichere Abschaltung, kompakte Integration: Medizinische Laseranwendungen stellen weit höhere Anforderungen an ihre Stromversorgung als klassische Netzteile erfüllen können. Warum Treiber, Sicherheitskonzept und Systemarchitektur in modernen Laseranlagen zusammen gedacht werden müssen.

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Laser gehören in der Medizin längst zum Standardrepertoire – von der Augenchirurgie, wo sie Hornhäute korrigieren und Netzhautgefäße koagulieren, bis zur Dermatologie, wo sie Gefäßläsionen oder Krampfadern nahezu blutungsfrei behandeln. Doch das Einsatzspektrum wächst: In der Onkologie aktivieren Laserdioden photosensitive Wirkstoffe direkt im Tumorgewebe, in der Diagnostik liefern sie die Lichtquelle für bildgebende Verfahren wie die Optische Kohärenztomographie mit mikroskopischer Auflösung. Was diese Anwendungen verbindet – und zugleich vor eine gemeinsame Herausforderung stellt: Ihre medizinische Präzision steht und fällt mit der Qualität der elektrischen Versorgung der Laserdiode.

Steigende Spannungen und Ströme, hochdynamische Pulsregime sowie normativ abgesicherte Sicherheitskonzepte führen dazu, dass klassische Standard-Netzteile oder isoliert betrachtete Einzelkomponenten für Laseranwendungen in der Medizintechnik heute häufig nicht mehr ausreichen. Für die elektrische Versorgung der Laserdioden wird stattdessen die Stromversorgung zunehmend zu einer zentralen Systemkomponente innerhalb komplexer Laserarchitekturen.

Denn während früher häufig universelle Netzteile eingesetzt wurden, rückt heute eine anwendungsspezifische Auslegung der Stromversorgung in den Fokus. »Lasersysteme werden zunehmend individuell auf eine konkrete Anwendung hin entwickelt. Entsprechend müssen auch die Stromversorgungslösungen genau auf diese Systeme abgestimmt sein«, erklärt Heiko Seel, Produktmanager bei Schulz-Electronic. Das Unternehmen hat sich auf präzise AC- und DC-Stromversorgungslösungen spezialisiert, u.a. auch im Bereich der Lasertechnologie.

Steigende Leistungen und neue Laserarchitekturen

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung sei Seel zufolge der technologische Wandel bei den Laserdioden selbst. So arbeiten moderne Anwendungen häufig mit Dioden-Stacks oder seriell verschalteten Single-Emittern, um höhere optische Leistungen und bessere Strahlqualitäten zu erreichen. Dadurch steigen sowohl die benötigten Ströme als auch die Versorgungsspannungen.

Während klassische Laserdioden-Barren vor allem hohe Ströme erforderten, verschiebt sich der Fokus bei vielen neuen Anwendungen in Richtung höherer Spannungen. Solche Architekturen finden sich beispielsweise beim Pumpen leistungsstarker Faserlaser, in hochpräzisen Schneidprozessen oder in wissenschaftlichen Hochleistungsanwendungen.

»Es besteht eine enorme Bandbreite an Laseranwendungen – von industriellen Fertigungsprozessen über Medizintechnik bis hin zu Defence-Projekten. Jede dieser Anwendungen stellt jedoch sehr spezifische Anforderungen an ihre jeweilige Stromversorgung.«
Heiko Seel, Produktmanager bei Schulz-Electronic

Hohe Dynamik verändert Treiberdesigns

Neben Leistung und Spannung spielt zudem die Dynamik vieler Laseranwendungen eine entscheidende Rolle. Während im klassischen Continuous-Wave-Betrieb ein besonders geringer Ripple im Vordergrund stehen kann, verlangen gepulste Anwendungen extrem schnelle Stromanstiegszeiten und eine sehr präzise Regelung.

Gerade bei kurzen oder ultrakurzen Pulsen wird deutlich, dass Stromversorgung und Laserdiode nicht getrennt voneinander betrachtet werden können. Leitungsinduktivitäten, geometrische Nähe zwischen Treiber und Diode sowie das gesamte Systemlayout beeinflussen direkt die erreichbare Pulsdynamik.

„In vielen Fällen reicht es dann nicht aus, einfach ein Netzteil auszuwählen. Treiber, Anschlussgeometrie und Laserdioden müssen in solchen Fällen als Gesamtsystem betrachtet und gemeinsam optimiert werden“, erläutert Seel.

Grenzen klassischer Standard-Netzteile

Vor diesem Hintergrund stoßen klassische Standard-Netzteile oder rein katalogbasierte Sromversorgungen zunehmend an ihre Grenzen. Zwar können sie oft die nominellen Strom- und Spannungswerte bereitstellen, erfüllen jedoch nicht immer die zusätzlichen Anforderungen moderner Laseranwendungen.

Ein wichtiger Aspekt ist beispielsweise der verfügbare Bauraum. Heutige Lasersysteme sind häufig kompakt aufgebaut, sodass große Netzteile mechanisch nur schwer integrierbar sind. Gleichzeitig verlangen viele Anwendungen eine sogenannte Point-of-Load-Versorgung, bei der der Strom möglichst nahe an der Laserdiode erzeugt wird.

»Wenn Treiber und Diode räumlich weit voneinander entfernt sind, können Leitungsinduktivitäten und Verluste schnell zum limitierenden Faktor werden«, so Seel. Er fügt hinzu: »Deshalb kommen kompakte DC/DC-Treiberlösungen in unmittelbarer Nähe zur Diode zunehmend in Betracht.«

Elektronische Sicherheit statt mechanischer Schutz

Ein weiterer zentraler Aspekt moderner Lasersysteme stellt die Gewährung derer Sicherheit dar. Hochleistungs-Laseranlagen müssen häufig die Anforderungen der DIN EN ISO 13849-1 erfüllen, insbesondere das Performance Level e. Dieses stellt die höchste Sicherheitskategorie für Maschinen dar.

Klassische mechanische Schutzkonzepte erweisen sich in diesem Kontext allerdings ebenfalls häufig als nicht mehr zureichend. In vielen modernen Laserarchitekturen existiert etwa kein zugänglicher Resonatorbereich mehr, in dem ein mechanischer Shutter den Strahl unterbrechen könnte.

»Bei heutigen Faserlasern tritt der Strahl erst am Ausgang der Faser aus. Mechanisch einzugreifen würde bedeuten, die gesamte Laserleistung absorbieren zu müssen – das ist technisch kaum sinnvoll realisierbar«, so Seel.

Eine Alternative bieten elektronische Sicherheitsschalter, die den Laser direkt zwischen Treiber und Diode deaktivieren. Dadurch kann der Laser zuverlässig abgeschaltet werden, ohne dass die gesamte Stromversorgung heruntergefahren werden muss.

Von der Komponente zum integrierten System

Dadurch wird deutlich, dass die steigende Komplexität moderner Laseranwendungen dazu führt, dass die Stromversorgung zunehmend als integraler Bestandteil der Systemarchitektur verstanden werden muss. Treiber, Sicherheitseinrichtungen, Steuerung und mechanische Integration müssen aufeinander abgestimmt sein.

Hier setzt bspw. Schulz-Electronic mit einer breiten Auswahl an Stromversorgungen für Laser- und Photonik-Anwendungen an. Dazu gehören unter anderem Hochleistungs-Treiberplattformen wie die LDDP-Serie, elektronische Sicherheitsschalter sowie kundenspezifische Racksysteme.

»Die Projekte zur Lösungsimplementierung beginnen dafür meist mit einer detaillierten Analyse der medizinischen Anwendung«, erläutert Seel. »Dabei betrachten wir nicht nur Strom und Spannung, sondern auch Faktoren wie Pulsdynamik, Leitungswege, Integration, Sicherheit und Systemarchitektur.« Auf dieser Basis entstehen applikationsspezifisch konzipierte Lösungen, die von einzelnen Treibern bis hin zu vollständig integrierten Stromversorgungssystemen reichen können.

Skalierbarkeit und Integration werden wichtiger

Mit Blick auf zukünftige Laseranwendungen nehmen insbesondere Skalierbarkeit und modulare Architekturen an Bedeutung zu. Viele Systeme, gerade in der Medizintechnik, werden heute so ausgelegt, dass sie später erweitert oder an steigende Leistungsanforderungen angepasst werden können. Auch Themen wie thermisches Management, mechanische Integration und geeignete Schnittstellen spielen eine immer größere Rolle für die langfristige Betriebssicherheit einer Laseranlage.

»Eine stabile Laseranlage entsteht nicht allein durch einen leistungsfähigen Treiber«, betont Seel. »Erst wenn elektrische Auslegung, Mechanik, Thermik und Steuerung zusammenpassen, ermöglicht dies ein wirklich robustes Gesamtsystem.«

Zusätzlich zeigt sich laut Seel in der Entwicklungspraxis, dass die Anforderungen an Laserstromversorgungen nicht nur durch die eigentliche Laserquelle bestimmt werden, sondern auch durch die übergeordnete Gerätearchitektur. So ist in der Medizin sowohl eine hochsichere, und gleichbleibende Anqwendung sowie Flexibilität und Anpassungsfähigkeit je nach Eingriffszenario wichtig.

Die Stromversorgung muss daher sowohl hohe technische Präzision als auch langfristige Stabilität bieten. Und gerade bei Hochleistungsdioden entscheidet die Qualität der elektrischen Versorgung oft darüber, ob das Medizingerät dauerhaft reproduzierbare Ergebnisse liefert und zertifiziert werden kann -- Leistungsabfälle, thermische Belastungen oder unkontrollierte Pulsverläufe dürfen in der klinischen Praxis niemals auftreten. 

Vor diesem Hintergrund gewinnt die enge Zusammenarbeit zwischenMedizingeräteherstellern, Laserentwicklern und Stromversorgungsspezialisten wie den Komponenten-Zulieferen zunehmend an Relevanz. Eine frühzeitige Einbindung in die Systemplanung ermöglicht es, elektrische, mechanische und thermische Aspekte von Anfang an gemeinsam zu optimieren. Dadurch lassen sich nicht nur Leistungsreserven besser nutzen, sondern auch Integrationsaufwand und Entwicklungszeiten reduzieren.

Mehr als eine reine Energiequelle

Insbesondere für die medizinsche Laseranwendungen machen steigende Leistungen, hochdynamische Pulsregime und strenge Sicherheitsanforderungen die Stromversorgung der Laserdioden zu einem zentralen Baustein der Gerätearchitektur. Entscheidend ist dabei die systemische Betrachtung: Treiber, Laserdiode, Sicherheitskonzept und Integration müssen als zusammenhängendes Gesamtsystem ausgelegt werden. Anbieter wie Schulz-Electronic zeigen, wie sich aus einzelnen Komponenten integrierte Stromversorgungen für die klinische Praxis entwickeln lassen. (uh)

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