Eigene Chipfertigung China braucht noch Jahrzehnte

Die Entwicklung des chinesischen IC-Marktes bis 2023 insgesamt und der Anteil der ICs, die in China gefertigt werden.
Die Entwicklung des chinesischen IC-Marktes bis 2023 insgesamt und der Anteil der ICs, die in China gefertigt werden.

China wird noch mindestens zehn Jahre benötigen, um eine nennenswerte eigene Speicher-IC-Industrie aufzubauen – von Nichtspeicher-IC ganz zu schweigen.

Das jedenfalls ist die Meinung der Analysten von IC Insights. Die Zahlen sprächen für sich: Changxin Memory Technologies, die Ende des Jahres die ersten DRAMs aus eigener Produktion liefern will, beschäftige einige Tausend Mitarbeiter und könne 1,5 Mrd. Dollar pro Jahr in Entwicklung und Ausbau der Fertigung stecken. Dagegen haben Micron und SK Hynix jeweils über 30.000 Mitarbeiter, Samsung 40.000. Zusammen investierten die drei Marktführer im Jahr 2018 nicht weniger als 46,2 Mrd. Dollar.  

DRAMs und Flash-ICs machten am Gesamt-IC-Markt von China im vergangenen Jahr in Höhe von 155,1 Mrd. Dollar 41 Prozent aus. Auch wenn jetzt immer wieder Meldungen auftauchten, dass China die etablierten Hersteller einholen könnten – manche sprechen davon, dass dies schon in drei bis fünf Jahren der Fall sein könnte, halten die Analysten von IC Insights dies für völlig unmöglich.

China würde zwar viel Geld in die Speicher-IC-Fertigung investieren und die Firmen hätten auch schon einige interessante Designs entwickelt, um keine Patentverletzungen zu riskieren. Dennoch halten sie es für kaum möglich, dass China innerhalb der nächsten zehn Jahre eine eigene Speicher-ICs-Industrie aufbauen könnte. Von einer Selbstversorgung wäre China noch meilenweit entfernt.

In den Sektoren außerhalb der Speicher-ICs sähe es noch schlechter aus. Ob analog, Mixed-Signal, ob MPUs, MCUs oder spezielle Logik-ICs, für keine dieser Produktgruppen gibt es bedeutende chinesische Hersteller. Diese Märkte beherrschen die bekannten etablierten Unternehmen, die über Jahrzehnte Erfahrung und Tausende von Mitarbeitern verfügen.

Von den ICs im Wert von 155 Mrd. Dollar, die 2018 in China verarbeitet wurden, haben Hersteller in China selber 15,5 Prozent (24 Mrd. Dollar) produziert.  Davon fertigten Unternehmen mit Hauptsitz in China ICs im Wert von 6,5 Mrd. Dollar (27 Prozent), was nur 4,2 Prozent am Gesamtmarkt (155 Mrd. Dollar) entspricht. Den Rest produzierten ausländische Firmen mit eignen Fabs in China wie TSMC, SK Hynix, Samsung und Intel. IC Insights schätzt, dass von den ICs im Wert von 6,5 Mrd. Dollar, die chinesische Firmen gefertigt haben, ICs im Wert von 5,5 Mrd. Dollar aus Foundries wie SMIC stammen und die restlichen 1 Mrd. Dollar von IDMs.

IC Insgihts prognostiziert, dass die chinesische IC-Produktion bis 2023 auf 45,2 Mrd. Dollar steigt. Die Produktion aus China käme 2023 auf einen Anteil von nur 8,4 Prozent an einem Markt von dann 538 Mrd. Dollar Umsatz. Die chinesische IC-Produktion würde dann ungefähr 10 Prozent am Weltmarkt ausmachen.