Geschäftsklimaindex der ECIA

Rückkehr zu einem normaleren Marktverhalten

7. Februar 2022, 8:24 Uhr | Dale Ford, Chief Analyst, ECIA
ECIA Electronic Component Sales Trend
Entwicklung der Wachstumserwartungen der letzten zwei Jahre mit einem Ausblick auf Februar 2022. Ein Wert über 100 bedeutet erwartetes Umsatzwachstum.
© ECIA

Wie die monatliche Umfrage der Electronic Components Industry Association (ECIA) belegt, hat das neue Jahr zwar nicht überragend, aber doch solide begonnen. Noch positiver zu werten ist, dass für Februar eine Rückkehr zu einem normaleren Marktverhalten zu erwarten ist.

Auch wenn die Ergebnisse des Electronic Component Sales Trend (ECST) der Electronic Components Industry Association (ECIA) vom Januar 2022 nicht so positiv ausfielen wie in der Dezember-Umfrage erwartet, so deuten sie doch darauf hin, dass das neue Jahr solide beginnt: Der Gesamtindex für die Stimmungslage bei den Umsätzen lag im Januar bei 116,5 und damit leicht über den Werten vom Dezember. Alle wichtigen Kategorien und Unterkategorien erreichten einen Stimmungsindex von über 100, wobei diskrete Halbleiter und elektromechanische Komponenten das Feld mit Indexwerten über 122 anführten.

ECIA Electronic Component Sales Trend
Entwicklung der Wachstumserwartungen der letzten zwei Jahre mit einem Ausblick auf Februar 2022. Ein Wert über 100 bedeutet erwartetes Umsatzwachstum.
© ECIA

Erfreulicherweise ist der Gesamtindex für die Umsatzerwartungen im Februar mit 113,1 nur leicht niedriger. In der Regel sind die Februar-Umsätze schwächer als die Ergebnisse im Januar. Angesichts der starken Schwankungen, die die Branche in den letzten beiden Jahren erlebt hat, wäre diese Rückkehr zu einem »normalen« Marktverhalten sehr zu begrüßen. Wie zu erwarten, folgt der Endverbraucher-Index eng dem Komponenten-Index, wobei der Gesamtdurchschnitt im Januar bei 114,8 lag und im Februar leicht auf 109,9 sinken dürfte.

Stimmung bei Halbleitern am optimistischsten

Die Stimmung bei den Halbleiterverkäufen bleibt weiterhin die optimistischste unter den drei Hauptkategorien mit einem Index von 122,2 im Januar und einem anhaltend hohen Niveau von 120,9 in den Erwartungen für Februar. Alle drei Komponentenindizes weisen einen Rückgang von Januar auf Februar auf, wobei die passiven Komponenten mit einem immer noch respektablen Wert von 107,6 im Januar und 105,9 für die Februar-Prognose am unteren Ende liegen.

Diskrete Bauelemente erreichen weiterhin die höchsten Indexwerte unter den Unterkategorien. Sie führen die Liste im Januar an und bleiben mit einem Indexwert von über 120 auch im Februar stark. Elektromechanische Komponenten liegen im Januar knapp hinter den diskreten Halbleitern, fallen dann aber in der Februarprognose unter 115. Auf den nächsten Plätzen folgen MCU/MPU und analoge/lineare ICs mit stabilen, optimistischen Ergebnissen und Indexwerten zwischen 113 und 118 im Januar und Februar.

Kondensatoren sind ein weiterer Lichtblick mit Indexwerten über 110 in beiden Monaten. Widerstände, Induktivitäten und Speicher-ICs weisen die niedrigsten Werte auf, liegen aber mit Blick auf den Februar immer noch solide über 100.

Der Gesamtindex für die tatsächliche Verkaufsstimmung bei Bauelementen liegt seit August 2020 nun schon 18 Monate in Folge über 100. Vergleicht man die drei untersuchten Gruppen, so melden die Distributoren den größten Optimismus im Januar und erwarten sogar eine weitere Verbesserung im Februar. Auf der anderen Seite berichten die Hersteller von einer soliden Stimmung von über 100 im Januar, die dann im Februar unter 85 einbricht – die einzige negative Erwartung unter allen drei Gruppen. Für beide Monate meldeten die Hersteller stabile Erwartungen über 110. Der Grund für das starke Auseinanderklaffen der Erwartungen für Februar zwischen den Herstellern und den anderen Gruppen ist unklar. Möglicherweise sind die Hersteller besorgt über die ökonomischen und inflationsbedingten Herausforderungen, die die Nachfrage auf dem Endverbrauchermarkt bremsen und die langfristigen Buchungen abschwächen könnten.

Unterhaltungselektronik und Mobiltelefone unter 100

Nur zwei Absatzmärkte melden für Januar und Februar eine Umsatzerwartung von unter 100 – Unterhaltungselektronik und Mobiltelefone. Die Erwartungen für Computer liegen in beiden Monaten leicht über 100. Auch hier spiegelt die Schwäche in diesen Bereichen ein typisches saisonales Muster für diese Märkte wider.

Die Automobilelektronik führt mit einer ausgezeichneten Verkaufsstimmung von über 125 sowohl im Januar als auch im Februar. Die Industrieelektronik liegt im Januar bei über 120 und sinkt im Februar leicht unter diesen Wert. Ein weiterer Lichtblick ist der Bereich Avionik/Militär/Raumfahrt, der im Januar bei etwa 118 liegt und für Februar einen Sprung über 125 verzeichnet.

Auch die Medizinelektronik verzeichnet eine überaus positive Stimmung, die im Januar bei 117 und für Februar bei über 120 liegt. Das Erfreuliche an all dem ist, dass trotz der saisonalen Abschwächung die Nachfrage auf dem breiten Endverbrauchermarkt im Januar zugenommen hat und auch im Februar weiter zunehmen dürfte. Dies ist ein sehr ermutigender Start in das neue Jahr.

Auswirkungen von Inflation und sich ändernder Geldmarktpolitik

ECIA Electronic Component Sales Trend
Die Stimmung im Markt für elektronische Komponenten ist überwiegend gut.
© ECIA

Angesichts des zunehmenden Inflationsdrucks und der Ankündigung der US-Notenbank, die Zinsen zu erhöhen und die Geldmenge einzuschränken, um diesem Trend Anfang 2022 entgegenzuwirken, sind die Sorgen um die Wirtschaft gewachsen.

Mittlerweile versteht auch der Verbraucher, wie schwierig die Herausforderungen in der Lieferkette sind, da er bei vielen Produkten eine begrenzte Verfügbarkeit oder lange Bestellfristen wahrnimmt. Viele Jahre lang mussten sich die Verbraucher in der Regel keine Gedanken über die Lieferkette machen oder haben sie überhaupt nicht verstanden. Die Tatsache, dass dieses Thema nun in aller Munde ist, zeigt, wie wichtig diese Herausforderung geworden ist.

Da ein Ende der ins Stocken geratenen Lieferkette nicht in Sicht ist, stehen Hersteller und der Handel weiterhin vor einer äußerst riskanten und ungewissen Zukunft. Allgemeine Prognosen für die Lösung der größten Herausforderungen in der Lieferkette reichen nun bis in die Zeit von Anfang bis Mitte 2023.

Druck auf die Lieferzeiten verringern sich

ECIA Electronic Component Sales Trend
Der Druck auf die Lieferzeiten nimmt weiter ab.
© ECIA

Erfreulicherweise zeigen die jüngsten Ergebnisse, dass sich der Druck auf die Lieferzeiten auch im Januar deutlich verringert hat. Bereits im November zeichnete sich ab, dass die Lieferzeiten zurückgehen, und dieser Trend setzt sich fort, was ein positives Zeichen ist. Bei Halbleitern und elektromechanischen/Steckverbindern war der Druck auf die Lieferzeiten am größten.

Es bleibt zu hoffen, dass diese Entwicklung darauf hindeutet, dass sich die Lieferzeiten längerfristig verkürzen, da die jüngsten Daten für Dezember in anderen ECIA-Untersuchungen zeigen, dass sich die Lieferzeiten weiterhin auf breiter Front verlängern.


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

elektroniknet