Arbeitsmarkt für Elektroingenieure

Attraktiv – aber es kommt keiner mehr

14. Januar 2022, 14:59 Uhr | Von Dr. Michael Schanz, VDE
VDE
Die Pandemie hat die Arbeitslosigkeit unter Elektroingenieuren nur kurzfristig ansteigen lassen.
© VDE

Zahlen zum Arbeitsmarkt für Elektroingenieure zu generieren ist gar nicht so einfach. Doch so viel ist klar: Bereits seit Mitte der 1990er-Jahre ist Arbeitslosigkeit unter E-Ingenieuren praktisch kein Thema mehr, die Aussichten sind blendend, es herrscht Vollbeschäftigung.

Doch lässt trotz der guten Jobchancen das Interesse am E-Technik-Studium seit geraumer Zeit nach.

Absolvent:innen des Studiengangs „Elektrotechnik und Informationstechnik“ müssen sich bereits seit langer Zeit keine Sorgen um interessante Jobangebote in Deutschland machen. Insofern ist es spannend zu beobachten: Was macht die Coronakrise mit diesem so arbeitnehmerfreundlichen Arbeitsmarkt?

Die Bundesagentur für Arbeit liefert leider keine Zahlen, wenn Sie nach Elektroingenieuren fragen. Im Jahr 2010 wurde hier die Systematik der Berufe umgestellt. Die „Klassifizierung der Berufe 2010“ (KldB 2010) folgt dem Prinzip des ausgeführten Erwerbsberufs, nicht etwa des absolvierten Studiums. Was tun also, wenn man Arbeitsmarktkennziffern der E-Ing.s zusammentragen will?
Technische Bereiche mit elektrotechnischem oder informationstechnischem Schwerpunkt hat das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln tabellarisch zusammengefasst und der Elektrotechnik- und Informationstechnik zugeordnet. Außerdem enthält die KldB 2010 eine Niveausystematik „Helfer“ – „Fachkraft“ – „Spezialist“ – „Experte“.

Die E-Ing.-Berufe werden ausschließlich der Stufe „Experte“ zugeordnet. Dieser Ansatz ist allerdings fehleranfällig: Beispielsweise zählen „Bachelor mit wenig Berufserfahrung“ nicht zu den Experten, sondern zu Spezialisten. Es kann außerdem sein, dass beispielsweise ein Physiker einen der o.g. Berufe ausübt und somit ungewollt mitgezählt wird. Umgekehrt sind etliche E-Ing.s mit Management- oder Vertriebsaufgaben betraut oder tätig als Berufsschullehrerinnen oder Professoren. Diese wiederum fallen dann – ebenfalls ungewollt – aus dieser Betrachtung heraus. Dennoch ist dieser Ansatz für praktikabel, zumal eine bessere Quelle als diese für aktuelle Areitsmarktbetrachtungen schwer zu finden ist.

Die Engpassrelation

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) meldet die Zahl der Arbeitslosen in Berufsgruppen, die der VDE den E-Ing.s zuordnet. Verglichen mit anderen Berufsgruppen sind das allerdings sehr wenige. Außerdem werden bei der Bundesagentur offene Stellen seitens der Unternehmen gemeldet. Setzt man nun die Zahl der gemeldeten Stellen ins Verhältnis zu je 100 Arbeitslosen, so ergibt sich die sogenannte Engpassrelation einer Berufsgruppe (gem. IW Köln).

Zunächst sollte noch erwähnt werden, dass nicht jede offene Stelle von E-Ing.s tatsächlich bei der BA gemeldet wird. Die BA hat 2018 erhoben, dass nur etwa jede fünfte offene Ingenieurstelle dort gemeldet wird. Diese Größenordnung hält der Autor für realistisch, ist aber trotzdem mit Vorsicht zu genießen: Wenn bei einer Erhebung Firmen wie Siemens, SAP oder Bosch gar nicht oder nur vage antworten würden, kann das Ergebnis dadurch ziemlich verfälscht werden.

Berufsforscher sprechen in Ingenieurberufen ab einer Engpassrelation von 25 offenen Stellen je 100 Arbeitslosen von einem Engpass. Im August 2021 lag die Engpassrelation an E-Ing.s bei fast 100 – also „Engpass“ mal 4 –, ohne dabei die Zahl der nicht gemeldeten offenen Stellen zu berücksichtigen.


  1. Attraktiv – aber es kommt keiner mehr
  2. Arbeitslosigkeit unter E-Ing.s hat längst ihren Schrecken verloren

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.