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Jean-Christophe Eloy, Yole Développement

Chinas Chipindustrie profitiert von US-Handelssanktionen

15. Januar 2021, 10:07 Uhr   |  Ralf Higgelke

Chinas Chipindustrie profitiert von US-Handelssanktionen
© Destina/stock.adobe.com

Trotz kurzfristiger Schwierigkeiten werden die eskalierenden US-amerikanischen Restriktionen die Halbleiterindustrie in China auf lange Sicht weiterbringen. Zu diesem Schluss kommt Jean-Christophe Eloy, President und CEO des Markt- und Technologieforschungsunternehmens Yole Développement.

Zweifellos hat der Handelskrieg zwischen den USA und China die Halbleiterindustrie ins geopolitische Rampenlicht gerückt. Angefangen bei den ersten Strafzöllen auf Halbleiter aus China im Jahr 2018 bis hin zu den strengen Exportkontrollen, die folgten, war die US-Politik darauf ausgelegt, die chinesische Industrie auszubremsen und gleichzeitig die Halbleiterunternehmen in den USA zu stärken.

Bislang haben beide Seiten darunter gelitten und so wird es auch noch eine Weile weitergehen. Aber letztendlich wird China smarter und effizienter daraus hervorgehen. Aber warum? Weil man eine Nation mit 1,4 Milliarden Menschen nicht blockieren kann, die die besten Smartphones, die besten Computer und ganz einfach das Beste von allem haben will.

Der politische Druck der USA hat bisher ihren Tribut von der chinesischen Halbleiterindustrie gefordert. Die chinesischen Hersteller waren gezwungen, Chips zu horten, um den Engpass bei der Nachfrage abzumildern. Doch die chinesische Regierung und ihr Volk sind clever, und seit die handelspolitischen Spannungen erstmals spürbar wurden, sind die Investitionen in Chinas heimische Halbleiterindustrie stetig gestiegen, um den US-Restriktionen entgegenzuwirken.

In China ansässige OEMs und andere Unternehmen haben in Forschung und Entwicklung investiert und auch das geistige Eigentum rund um die Chipfertigung erweitert. Dazu gehören auch die komplexe Wafer-Entwicklung und Epitaxie, die in der Vergangenheit typischerweise von US-Unternehmen angeboten wurden. Gleichzeitig haben die chinesischen Chiphersteller ihre Kapazitäten erweitert und in neue Fabs investiert, um das Design und die Fertigung von Chips auf das chinesische Festland zu verlagern.

Für die nächsten Jahre können wir daher davon ausgehen, dass die in China ansässige Halbleiterindustrie signifikant wachsen wird. Sobald die nationalen Kapazitäten aufgebaut sind, wird China beginnen, Halbleiterchips und -komponenten in den Rest der Welt zu exportieren. Dies wird sich nachhaltig auf die globale Halbleiterindustrie auswirken. Innerhalb des nächsten Jahrzehnts wird China sicherlich mit der US-amerikanischen, europäischen, japanischen und taiwanesischen Halbleiterindustrie konkurrieren.

Aus Sicht Chinas werden sich der politische Druck der USA und die Handelsspannungen also letztendlich positiv auswirken. Die Restriktionen haben in der Tat die Investitionen in deren Halbleiter-Lieferkette beschleunigt. Dies wird wohl eher früher als später zu einem starken, autarken, nachhaltigen Industriezweig führen.

China ist ein sehr großes Land mit sehr vielen, sehr klugen Köpfen und viel Geld, sodass sich Handelsbeschränkungen nur kurzfristig negativ auswirken werden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis in China eine riesige Halbleiterindustrie mit einer stabilen Lieferkette entsteht.

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