Exportbeschränkungen verschärft USA wollen Huawei von Chipversorgung abschneiden

Das US-Handelsministerium will Schlupflöcher stopfen, um zu verhindern, dass Huawei Chips auf Basis von US-Technologien bezieht.

Das amerikanische Handelsministerium will die Exportkontrollen verschärfen, um effektiver als bisher zu verhindern, dass sich Huawei mit Chips versorgt, die mit Hilfe von US-Technologien entworfen und gefertigt werden, wie es in dem Dokument des US-Handelsministeriums vom vergangenen Freitag heißt. Bisher sei es Huawei gelungen, die seit Mai 2019 bestehenden Export-Kontrollen der USA zu unterlaufen. Mit der Verschärfung der Regulierung wollen die USA genau das verhindern.

China hat darauf bereits scharf reagiert.

Konkret trifft die Verschärfung neben US-Unternehmen vor allem TSMC, die größte Foundry der Welt, die nicht nur Chips für amerikanische Unternehmen wie Apple, Qualcomm und Nvidia fertigt, sondern auch für Huawei und deren Halbleitertochter HiSilicon.

TSMC will dem Ansinnen der USA offenbar entsprechen, wie jetzt bekannt geworden ist.

Ebenfalls am vergangenen Freitag hatte TSMC angekündigt, für 12 Mrd. Dollar eine 5-nm-Fab in Arizona bauen zu wollen. Damit ist TSMC den USA entgegengekommen. Zudem kann es die US-Regierung als Erfolg für sich darstellen, dass TSMC sich zu dieser Entscheidung durchgerungen hat.

Um die Chips entwickeln zu können, sind EDA-Tools (Electronic Design Automation) erforderlich. Weil die führenden EDA-Firmen wie Cadence und Synopsys aus den USA kommen, sollte es also Firmen wie Huawei und HiSilicon verboten sein, diese Tools zu verwenden. Aber auch TSMC setzt sie ein – genauso wie in ihren Fabs viele unterschiedliche Maschinen, die für die Halbleiterfertigung unentbehrlich sind. Auch sie kommen wie Applied Materials, KLA-Tencor und Lam Research, zu einem großen Teil aus den USA. Die EDA-Hersteller sowie die Equipment-Hersteller hätten schon Huawei und andere Unternehmen nicht mehr beliefern dürfen, die seit Mai 2019 auf der schwarzen Liste (»Entity List«) der USA stehen.  

Jetzt müssen Firmen, die US-Equipment und US-Technologien für das Design und die Fertigung von Chips benutzen, zusätzlich um eine Lizenz des US-Handelsministeriums nachfragen. Huawei und HiSilicon werden sie wohl kaum bekommen. Doch auch TSMC müsste um eine solche Lizenz nachfragen, um die Chips, die  mit Hilfe amerikanischer Software-Tools und amerikanischen Equipments produziert wurden, an Huawei und HiSilicon liefern zu dürfen. Das gilt auch für deren ausländische Töchter. Außerdem dürfte es China schwer fallen, eine eigene Chip-Industrie aufzubauen, ohne Zugang zu führenden EDA-Tools und Equipment für die Halbleiterfertigung zu haben.   

Diese neuen Maßnahmen sind laut US-Handelsminister Wilbur Ross erforderlich geworden, um gewisse Schlupflöcher zu schließen. Denn so sei es Huawei gelungen, US-Technologien, die seit Mai 2019 auf der schwarzen Liste der USA stehen (Entity-List), bisher doch beziehen zu können. Die neuen Regeln seien laut Ross sehr genau darauf zugeschnitten, diese Schlupflöcher nun zu schließen.

Wafer, die vor dem vergangen Freitag in den Produktionsprozess eingeschleust wurden, dürfen weiter gefertigt und an Huawei geliefert werden – solange sie innerhalb der nächsten 120 Tage fertig gestellt werden. Die Durchlaufzeit eines Wafers durch eine Fab liegt bei ungefähr drei Monaten. Wafer oder ICs die nach dem vergangenen Freitag in die Fertigung gekommen sind, dürfen nicht mehr an Huawei geliefert werden.

Die amerikanische Regierung versucht zudem schon seit längerem Druck auf ihre Verbündeten auszuüben, die Netzwerkausrüstungen von Huawei nicht für den Aufbau von 5G-Netzen zu verwenden. Denn diese Geräte werden die Grundlage für die künftigen kritischen Infrastrukturen – von der Kommunikation über die Energieversorgung und der Industrie-4.0-Produktion bis zum autonomen Fahren – in vielen Ländern bilden. Die USA fürchten, dass die chinesische Regierung Huawei veranlassen könnte, in diese Geräte heimlich Vorrichtungen einzubauen, die es der chinesischen Regierung erlauben würde, sie zur Spionage oder sogar zur Sabotage zu nutzen. Länder und Netzbetreiber, die auf die relativ kostengünstige Infrastruktur von Huawei setzten, würden sich also verwundbar machen.  

Das haben übrigens auch amerikanische Netzbetreiber in der Vergangenheit getan. Sie stehen seit vergangenem Jahr vor dem Problem, ihre Netze in den USA nicht weiter mit Unterstützung von Huawei betreiben zu dürfen.  Weil dies bedeutet hätte, dass die Kommunikationsversorgung in vielen, vor allem ländlichen Gebieten der USA zusammengebrochen wäre, hat die US-Regierung solchen Betreiben schon mehrmals mehrmonatige Fristverlängerungen erteilt. Auch jetzt wurde wieder eine solche Verlängerung bis zum August 2020 ausgesprochen – allerdings mit dem Hinweis, dass es sich dabei um die allerletzte derartige Verlängerung handele. Damit sollen die Betreiber gezwungen werden, sich möglichst schnell alternative Technologien zu verschaffen.