Advantech verstärkt AMD-Engagement

Performance und Perspektive überzeugen

13. Dezember 2021, 9:00 Uhr | Tobias Schlichtmeier
Dirk Finstel
Dirk Finstel erklärt, warum Advantech sein AMD-Engagement ausweitet.
© Advantech

Seit Einführung der »Zen«-Mikroarchitektur ziehen AMD-Prozessoren mehr und mehr am Erzrivalen Intel vorbei. Vergleiche bescheinigen AMD sehr gute Leistungswerte. Das ist auch der Embedded Community aufgefallen, unter anderem Advantech. Die Markt&Technik hat Dirk Finstel zur Marktsituation befragt.

Dirk Finstel ist Associate VP Embedded IoT und CTO Europe bei Advantech.

Markt&Technik: Herr Finstel, die Embedded Community reagiert in der Regel nicht sprunghaft auf neue Prozessor-Rankings. OEMs bleiben gerne bei ihrem Ökosystem. Woran liegt das?
Dirk Finstel: Die meisten OEMs, die Embedded-Technologien einsetzen, haben ein Produkt, das sie über Jahre hinweg in unveränderten Konfigurationen anbieten. Zudem möchten sie für neue Generationen der Produkte nicht ständig die Prozessoranbieter wechseln. Es sind zu viele Qualifizierungs- und Zertifizierungsarbeiten erforderlich, als dass man stets dem neusten Prozessor hinterherrennen könnte. Einmal getätigte Investitionen sollen sich langfristig auszahlen. Aus dem Grund reagiert der Markt vergleichsweise träge auf sich verändernde Wettbewerbssituationen zwischen den Prozessorlieferanten. Mittlerweile zieht die Nachfrage nach AMD-Embedded-Prozessoren jedoch an.

Woher kommt die Nachfrage? Was macht AMD so besonders?
Die Gründe für die steigende Nachfrage sind vielfältig: Sie reichen von Fragen der Verfügbarkeit über Preis- und Performance-Werte – die über Jahre hinweg AMD konstant gute Noten bescheinigen – bis hin zu neuen Herausforderungen im Edge-Server- und Gateway-Bereich, die sich mit zunehmender Digitalisierung stellen. Außerdem hat sich das Unternehmen entschieden, intensiver mit Embedded-Partnern zusammenzuarbeiten, um für OEM-Kunden einen breiteren Support anbieten zu können.

Zudem glaube ich, dass AMD in der letzten Dekade unter CEO Lisa Su eine deutlich stärke Brand geworden ist. Sie hat bewiesen, ihr Unternehmen nach vorne zu bringen – mit starker Technik, attraktiven Preisen und einer erfolgreichen Fabless-Strategie. Es ist das Gesamtpaket und die Perspektive, die für AMD konstant nach oben zeigt und die wir als Embedded-Hersteller und AMD-Elite-Partner in den Embedded-Markt tragen wollen.

In welchen Märkten ist AMDs Prozessortechnik besonders erfolgreich?
AMD ist von jeher stark in Embedded-Applikationen wie Digital Signage, Gaming, industriellen HMIs sowie medizinischer Bildgebung – überall dort, wo eine leistungsfähige Grafik Nutzen verspricht. In Kombination mit Deep-Learning-Algorithmen liegen APUs – Accelerated Processing Units – im Trend. Sie kombinieren CPU und GPU und beschleunigen KI-Anwendungen wie Datenanalysen für Predictive Maintenance.

Im Moment verzeichnet das Chip-Unternehmen zudem einen großen Erfolg im Bereich Networking und Storage. Wir benötigen Infrastruktursysteme für alles, was »smart« wird – von der smarten Schiene über die Smart City bis hin zu Smart Grids. Für solche Applikationen ist das Serviceangebot von AMD, bestehend aus leistungsfähigen Multi-Core CPUs und GPGPUs, ebenfalls sehr attraktiv. Da AMD zudem Xilinx akquirieren konnte, gehe ich davon aus, dass KI, Networking-Infrastruktur und Edge Computing ebenfalls profitieren.

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»SOM-6872«
Das COM-Express-Modul »SOM-6872« ist mit AMDs Embedded-Ryzen-V2000-CPU mit acht Cores ausgestattet.
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Welche Technik mit AMD-CPUs bieten Sie Ihren Kunden an?
Wir sehen einen steigenden Bedarf an High-Performance-Systemen. Hierfür sind die neuen COM-HPC Server-Module sehr attraktiv – AMD-Prozessoren sind für COM-HPC prädestiniert. Wir führen mit OEM Gespräche darüber, Anwendungen auf Basis der Zen-3-Architektur zu implementieren: Hier stellen wir demnächst neue Produkte vor. Ebenso entwickeln wir im Low-Power-Bereich neue Produkte. Es braucht lediglich etwas Zeit, neue Prozessortechnik offiziell zu supporten, beispielsweise die Ryzen-R2000-Serie. Das ist jedoch vernünftig, denn lediglich wenn AMD Lieferzusagen wirtschaftlich gestalten kann, ist es sinnvoll, langfristigen Embedded Support zuzusagen. Wir sprechen von sieben, zehn oder sogar noch mehr Jahren, das bindet entsprechende Ressourcen.

DPX-E140
Module wie das »DPX-E140« sind mit AMDs Ryzen-Embedded-V1000- und R1000-CPUs bestückt. Sie sind speziell für Gaming- und Lotterieterminals ausgelegt.
© Advantech

Das ist, Stand heute, jedoch Zukunftsmusik. Welche Punkte sind heute bereits wichtig für Entwickler?
Entwicklungen von morgen fußen oft auf heutigen Serien-Produkten – bei AMDs R2000 kann man das gut beobachten. Zudem lassen sich Designs von Computer-on-Modules (CoMs) nochmal nachhaltiger umsetzen, da man unabhängig von Prozessorgeneration und -hersteller ist. Hiermit können unsere Kunden in Zukunft ein Board mit dem Ryzen R2000 implementieren, das wir ursprünglich für den Embedded R1000 entwickelt haben. Auch ein Wechsel zu einem anderen CPU-Hersteller ist somit möglich – unsere Migrationsservices unterstützen hierbei. Wir sind der Meinung, dass ein Service-Ökosystem rund um Boards und Module für OEMs entscheidend ist.


  1. Performance und Perspektive überzeugen
  2. Das One-Stop-Service-Modell

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