»Kein Elfmeterschießen im Frack«

TQ setzt erstmals auf OSM für Embedded-Module

9. März 2026, 9:30 Uhr | Andreas Knoll
Andreas Willig, TQ-Systems: »Wir nutzen über unsere gesamte Produktpalette hinweg Standards gleichermaßen wie proprietäre Ansätze.«
© TQ-Systems

TQ-Embedded hat bei einlötbaren Embedded-Modulen bislang auf proprietäre Lösungen gesetzt. Warum jetzt der OSM-Standard (Open Standard Module) der SGET (Standardization Group for Embedded Technologies) genutzt wird, erklärt Andreas Willig, Produktmanager von TQ-Embedded.

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Markt&Technik: TQ hat ja bislang OSM ignoriert. Warum jetzt die Kehrtwende?

Andreas Willig: Die Begriffe »ignoriert« und »Kehrtwende« treffen es nicht. Wir waren bei der Standardisierung von OSM durch die SGET von Anfang an mit dabei. Und wir nutzen über unsere gesamte Produktpalette hinweg Standards gleichermaßen wie proprietäre Ansätze - da gibt es keine Kursänderung oder Kehrtwende. Wir haben nur darauf gewartet, dass alles passt.

Was genau?

Kundenbedürfnisse, Feature-Set und Kosten müssen einfach passen und dürfen keine Reibungsverluste haben. Diese Faktoren spannen einen Raum auf, der es nicht einfach macht, ein Produkt passend zu entwickeln und zu platzieren. Entweder kann man die Halbleiterfunktionalität nicht sinnvoll mit dem Pinout des Standards verbinden, oder sie entspricht nicht dem Bedarf der Kundenapplikation, oder es ist zu teuer. Ein Produkt einfach in einen Standard zu pressen, hilft niemanden weiter - man muss die einzelnen Parameter genau kennen, sonst strauchelt man ziemlich schnell.

Welche Stolperfallen gibt es denn?

Da wären zum Beispiel die diskreten Größen von OSM – von Size-0 bis Size-L. Braucht man mehr Pins, um die Signale des Moduls bzw. Prozessors dem Träger-Board zur Verfügung zu stellen, kann man zwar auf die nächstgrößere OSM-Size gehen, dann hat man aber gleich einen erheblichen Sprung beim Platzbedarf. Geht man beispielsweise von Size-0 auf Size-S, verdoppelt sich die Fläche des Moduls, bei den anderen Übergängen von Size-S auf Size-M und Size-M auf Size-L sind es jeweils 50 Prozent mehr – wenn man nur eine paar wenige Pins extra braucht, dann steigt der Platzbedarf doch erheblich an. Bei proprietären Lösungen würde das Modul für eine weitere Pin-Reihe einfach 1,7 mm breiter werden. Man könnte zwar Signale opfern, um bei OSM kleiner zu bleiben, aber das bedeutet auch einen Verlust des Funktionsumfangs.

Der Baustein könnte also mehr, wird aber gedrosselt.

Genau! Es ist bewundernswert, wie viele Signale applikationsspezifische Prozessoren zur Verfügung stellen können. Da haben sich die Halbleiterhersteller sehr viele Gedanken gemacht, um den Kunden die Applikationsentwicklung zu vereinfachen. Standards sind einfach für generische Anwendungen entworfen, um so mit möglichst vielen Anwendungen auf Stückzahlen zu kommen und die Economies-of-Scale zu ermöglichen. Aber dann passt es halt nicht immer, speziell wenn es ganz spezifische Anforderungen gibt – das ist wie in der Bekleidungsindustrie: es gibt Konfektionsware und Maßgeschneidertes.

Und es gibt Funktionsbekleidung und Alltagsware.

Richtig. OSM ist mehr wie die Alltagsbekleidung, die einen im Tagesverlauf gut aussehen lässt - aber auf dem Fußballfeld macht man damit keine gute Figur.

Warum dann jetzt der Einstieg in OSM mit dem TQMa62LxxOA-S?

Weil wir jetzt einen Prozessor haben, der für OSM passt. Texas Instruments hat den Prozessor »Sitara Am62« preisoptimiert und dafür den Funktionsumfang des neuen AM62Lx angepasst. Damit eignet er sich jetzt sehr gut für OSM in Size-S. Es müssen dafür weder zahlreiche Signale geopfert werden noch Platz verschwendende Pins unbeschaltet bleiben.

Also eine Traumpaarung?

Ja – was die generische Nutzbarkeit angeht, bekommt man ein richtig starkes Paket, das die Economies-of-Scale funktionieren lässt und uns einen sehr attraktiven Preis für das Modul ermöglicht. Mit skalierbarer Arm-Cortex-A53-Rechenleistung und integrierten Funktionen wie Multimedia-DSI/DPI-Unterstützung, integriertem A/D-Wandler im Chip, fortschrittlichen Energiesparmodi und umfangreichen Security-Funktionen ist das Modul für eine Vielzahl industrieller Applikationen geeignet, einschließlich Display-Anwendungen für HMI und IoT – und das alles auf gerade einmal 30 mm x 30 mm.

Wie geht es weiter?

Wir werden unser OSM-Modul für einen Single-Board-Computer nutzen, um auch den Kunden zu helfen, die eine noch höher integrierte Lösung haben wollen. Was weitere Prozessor-Architekturen und -Typen angeht, bleiben wir bei unserer Strategie und suchen den größten Nutzen für unsere Kunden. Und das kann eine standardisierte, aber auch eine proprietäre Lösung sein, ein Löt- oder Steckmodul, das muss man individuell prüfen. Wir werden unsere Kunden nicht zum Elfmeterschießen im Frack überreden – sie sollen das bekommen, was für ihre Aufgaben am besten ist.

TQ-Systems auf der embedded world 2026: Halle 3, Stand 249
 


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