Distribution im Internet

eCommerce ist Pflicht, Communities sind die Kür

2. November 2010, 14:57 Uhr | Karin Zühlke
Rutronik Webg@te
Rutronik Webg@te verfügt über eine parametrische Alternativproduktsuche, Online-Procurement, eine Markierung von abgekündigten Produkten und einen Datenblattservice.
© Rutronik

Die Generation »Internet« macht auch vor der Distribution nicht halt: Neben den Katalog-Distributoren setzen auch zunehmend die klassischen Broadliner auf das Online-Geschäft. Einige Distributoren gehen sogar noch einen Schritt weiter und adressieren über Internet-Communities nicht nur den Einkäufer, sondern auch die Entwickler mit einem Angebot an Interaktionsmöglichkeiten, technischen Informationen und Designsupport.

Was sind nun die Gründe für diese verstärkten und für den Kunden kostenlosen Online-Aktivitäten der Distributoren? Schließlich sind diese mit nicht unerheblichen und fortlaufenden Investitionskosten verbunden, die Informationen müssen schließlich ständig aktualisiert werden. »Das Medium, das Entwickler immer stärker nutzen und in dem sie sich verstärkt Angebote wünschen, ist das Internet«, argumentiert Glenn Jarrett, Marketingleiter bei RS Components. Darum habe RS »signifikante« Investitionen in die Entwicklung von Angeboten getätigt, mit denen sich die Time To Market von Projekten verkürzen lasse.

Man unterschätze bei den Online-Aktivitäten aber »mitnichten, dass bereits eine große Menge an Informationen für Entwickler verfügbar ist«. Es gehe deshalb vor allem darum, eine Quelle für »zuverlässige« Informationen aufzubauen, die das breite Vertrauen der Nutzer genieße. Mit dem neuen englisch- und deutschsprachigen Online-Portal »Designspark« will RS deshalb die Arbeit von Elektronikentwicklern noch einfacher und effizienter machen.

Dazu soll auch das ebenfalls neue, kostenlose und voll funktionsfähige PCB-Designtool »Designspark PCB« beitragen. Das Interesse ist riesig: Bereits sechs Wochen nach dem Start ist die DesignSpark Community auf mehr als 12.000 Mitglieder gewachsen. Abgerundet wird die Toolsammlung durch die drei Bausteine Component Chooser, EDP (Embedded Development Platform) und eine 3D-CAD-Bibliothek mit momentan rund 20.000 Modellen. Im Unterschied zu den augenblicklich am Markt befindlichen freien, also kostenlos nutzbaren PCB-Designtools ist das Werkzeug des Katalog-Distributors »weder zeitlich noch in seiner Funktionalität beschnitten«, betont Jarrett.

Um das vom Partner Number One Systems »exklusiv für RS« entwickelte Tool ohne Einschränkung nutzen zu können, ist lediglich eine kostenlose Registrierung auf der Online-Plattform Designspark erforderlich. Beim PCB-Tool haben die Benutzer Zugriff auf eine komplette Suite an Video-Tutorials, auf Beispiele und auf eine Teilebibliothek. Entwickler können Schaltpläne für Leiterplatten jeder Größe und mit einer beliebigen Anzahl an Schichten erstellen und Designs aus anderer PCB-Design-Software importieren. Teilen die Entwickler ihr Wissen denn vorbehaltlos mit der Community? »Nach unserer Erfahrung Ja«, meint Jarrett. »Wir sehen, dass sich die Mitglieder sogar sehr stark engagieren und ihr Wissen bereitwillig zur Verfügung stellen, von dem andere Nutzer für eigene Entwicklungen profitieren.«  

Auch die Avnet-Tochter Silica hat ihre runderneuerter Webseite um die Designers‘ Community erweitert: Das ist eine auf die Bedürfnisse von Elektroningenieuren zugeschnittene Online-Plattform, die mit technischen Foren und einem Videoportal die Vernetzung von Ingenieuren untereinander ermöglicht. Außerdem können sich die Entwickler direkt mit Silicas Applikationsingenieuren austauschen. »Mit dem neuen Portal machen wir vor, wie technische Unterstützung und Kundenkommunikation im digitalen Zeitalter funktioniert«, so Silica-President Miguel Fernandez. Diese erste Stufe des neuen Online-Auftritts werde über die nächsten 12 Monate weiterentwickelt.

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Bodo Badnowitz, Farnell
Bodo Badnowitz, Farnell: »Nicht nur für unsere Kunden auch für unsere Lieferanten ist die Community interessant wegen des direkten Kundenkontaktes.«
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Zum Start gibt es in der Designers‘ Community Foren zu den Themen Programmierbare Logik, Mikrocontroller und -prozessoren, Analog/Power-Management, RFID, Lighting und Metering. Die Online-Plattform wird dabei von den über 100 Applikationsspezialisten aus ganz Europa mit ihren Fachkenntnissen unterstützt. Ein Highlight erwartet die registrierten User im Videoportal der Designers‘ Community: Hier können Mitglieder eigene Videos hoch laden und sich so über Bewegtbilder in die Community einbringen.  Das Community-Management wird dabei fachlich von den über hundert Applikationsspezialisten aus ganz Europa unterstützt.

Eifrig diskutiert wird auch auf element14, der Entwickler-Community von Farnell. Für über 50 Herstelller gibt es bereits Gruppen: »Nicht nur für unsere Kunden, auch für unsere Lieferanten ist die Community interessant wegen des direkten Kundenkontaktes«, erklärt Bodo Badnowitz, General Manager D/A/CH bei Farnell. »Der größte Mehrwert ist der direkte Austausch von Entwicklern und Herstellern.« Farnell selber habe aber keinen direkten Zugriff auf die Kundendaten, so dass das Portal nicht als Marketing-Tool genutzt werde, was dem Community-Gedanken ja auch nicht gerecht werden würde, schließlich habe man das Portal zum Informationsaustausch ins Leben gerufen, betont der Manager. Wie kann der Distributor dennoch auch für sich einen Mehrwert aus der Commnunity generieren? »Wir bieten einen Link zu unserer Farnell-Webseite an, und der wird auch häufig genutzt«, so Badnowitz.


  1. eCommerce ist Pflicht, Communities sind die Kür
  2. Online Handel: ein »Muss«, aber kein Ersatz für den persönlichen Kontakt

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