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Schwarmdaten verbessern V2X-Dienst »Lokale Gefahreninformation«

09. März 2021, 11:00 Uhr   |  Stefanie Eckardt

Schwarmdaten verbessern V2X-Dienst »Lokale Gefahreninformation«
© Audi

V2X-Dienste nutzen die Schwarmintelligenz der Audi-Flotte, in der weltweit bereits mehr als hunderttausend Fahrzeuge Informationen sammeln.

Audi nutzt Schwarmdaten zur Verbesserung des V2X-Dienstes »Lokale Gefahreninformation«. Bei der neuen Version kommt eine Car-to-Cloud-Anwendung zum Einsatz, die auf einem Verfahren zur Schätzung des Reibwerts anhand des Radschlupfs basiert. Die Technologie erkennt Veränderungen der Fahrbahnhaftung.

Seit 2017 können sich Autos von Audi gegenseitig vor Unfällen, Pannenfahrzeugen, Staus, Straßenglätte oder eingeschränkter Sicht warnen. Dafür wertet der V2X-Dienst »Lokale Gefahreninformation« verschiedene Daten aus. Zu ihnen gehören die Eingriffe der Elektronischen Stabilisierungskontrolle (ESC), der Regen- und Lichtsensoren, der Scheibenwischer und Scheinwerfer sowie Notrufe und Airbag-Auslösungen. Audi verbessert nun den Service durch Schwarmdaten, um die Warnung schneller und genauer zu machen. Dafür setzen die Ingolstädter auf eine patentierte Lösung von Nira Dynamics aus Schweden. Auf dieser Basis haben beide Unternehmen gemeinsam mit der Car.Software-Organisation und mit Here Technologies die verbesserte Gefahreninformation entwickelt.

Im Fahrzeug kann das System den zwischen Reifen und Fahrbahn vorhandenen Reibwert anhand des Radschlupfs abschätzen. Dafür nutzt es Fahrwerkssignale wie Raddrehzahl oder Beschleunigungswerte. Es ist bereits in normalen Fahrsituationen permanent aktiv und nicht erst in physikalischen Grenzbereichen, die ein Eingreifen der Fahrwerksregelsysteme erfordern würden. Die Sensordaten sind anonymisiert – bereits im Auto selbst und zusätzlich in der von Nira Dynamics gehosteten Cloud, an die sie übermittelt werden. Die dort aggregierten Daten werden mit Metadaten wie aktuellen Wetterinformationen oder Erfahrungswerten kombiniert und anschließend von einem Nira-Server an Here Technologies weitergeleitet. Dort werden sie in die Standortplattform des Dienstleisters integriert, die das Straßennetz als präzises dreidimensionales Modell darstellt. Die Server von Here senden die Warn-Informationen in die Fahrzeuge, die sich in Gegenden mit schlechten Bedingungen befinden oder sie ansteuern. Die Fahrer sehen sie als Warnung im Audi virtual cockpit oder im optionalen Head-up-Display.

Je größer die Zahl der Fahrzeuge, die Daten liefern, desto besser kann das System lernen, analysieren und kartieren und damit die Fahrer situationsgerecht informieren oder warnen – das ist das Grundprinzip von Schwarmdaten und Schwarmintelligenz. In Europa werden im Jahr 2021 mehr als 1,7 Millionen und 2022 mehr als 3 Millionen Fahrzeuge aus dem Volkswagen-Konzern aktuelle Daten für den Dienst Gefahreninformation liefern. Der Service ist in den neuen Modellen von Audi, Volkswagen, Seat, Škoda, Porsche, Bentley und Lamborghini verfügbar.

Für die Entwicklung hauptsächlich zuständig war die Car.Software-Organisation. Das Projekt wurde so gestaltet, dass möglichst viele Fahrer unabhängig von der Konzernmarke von den Sicherheitsvorteilen profitieren können.

Mithilfe von aktuellen Reibwertkarten auf dieser Datenbasis können Kommunen ihren Winterdienst sozusagen in Echtzeit optimieren und durch den verringerten Einsatz von Streusalz die Umweltbelastung reduzieren. Fahrerassistenzsysteme können sich prädiktiv vorkonditionieren und noch präziser an den Zustand der Straße anpassen, und die Streckenführung des Navigationssystems kann die Straßenverhältnisse berücksichtigen, um die erwartete Ankunftszeit genauer berechnen zu können. Im Auto kann die Kontrolle des Radschlupfs unter anderem die Entwicklung von Wartungsdiensten rund um den Reifen ermöglichen, indem der Verschleißzustand oder auch das Leistungsniveau des Reifens erkannt wird.

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