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Auswirkungen der Corona-Pandemie

Fahrten in deutsche Innenstädte gingen um 40 Prozent zurück

16. März 2021, 12:00 Uhr   |  Stefanie Eckardt

Fahrten in deutsche Innenstädte gingen um 40 Prozent zurück
© Krasula | Shutterstock

Ein Jahr nach Beginn der Corona-Krise liegt die Anzahl der Fahrten in die Innenstädte immer noch 40 Prozent unter dem Vorkrisen-Niveau von Februar 2020. Staus sind aber längst keine Geschichte.

Inrix hat die Global Traffic Scorecard 2020 veröffentlicht. Die Staustudie identifiziert und bewertet Stau- und Mobilitätstrends in mehr als 1.000 Städten in 50 Ländern in 2020. Die Studie zeigt, dass die Mobilität der Deutschen im Laufe des letzten Jahres aufgrund der Pandemie stark zurückging.

Trotzdem 2020 weniger Verkehr in deutschen Städten zu verzeichnen war, waren Staus dennoch an der Tagesordnung: So verloren Autofahrer in München mit 65 Stunden 2020 die meiste Zeit im Stau, gefolgt von Berlin (46 Stunden), Nürnberg (35 Stunden) und Hamburg (33 Stunden). Trotzdem verbrachten die Pendler in den größten deutschen Städten (ausgenommen Nürnberg) zwischen einem Viertel und einem Drittel weniger Zeit im stockenden Verkehr als in den Vorjahren. Deutschlands staureichste Stadt München landete im globalen Vergleich auf Platz 20 – und stieg damit im Vergleich zu 2019 um 27 Plätze im internationalen Ranking nach Zeitverlust. Fahrer in Düsseldorf konnten sich über deutlich flüssigeren Verkehr freuen, hier reduzierten sich die Wartezeiten im Vergleich zum Vorjahr um 46 Prozent. In Leipzig (–6 Prozent) und Freiburg (–14 Prozent) verringerte sich die Wartezeit hingegen nur geringfügig, so dass beide Städte in diesem Jahr erstmals unter den Top Ten im Stauranking zu finden sind. 

Ein weiterer Indikator für den Rückgang der Mobilität im Jahr 2020 ist die geringere durchschnittliche tägliche Fahrleistung im Vergleich zum Vorjahr. Weniger Verkehr bedeutet aber auch, dass es im Jahr 2020 weniger Unfälle gab. Zudem verringerten sich durch die reduzierten Wartezeiten auch die Kosten für Fahrer. Pendler sparten so durchschnittlich 173 Euro.

Die Scorecard 2020 zeigt, dass es im April 2020 – dem ersten vollen Monat mit strengen Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen – deutlich weniger Fahrten in die Innenstädte gab. Die Stadtzentren in Köln und München verzeichneten beispielsweise einen Rückgang der Fahrten um fast zwei Drittel im Vergleich zum Februar 2020. Mit den gelockerten Auflagen während des Sommers stieg die Zahl der Fahrten im September und näherte sich dem Vorkrisen-Niveau wieder an. Interessanterweise kletterte das Verkehrsaufkommen in München im September sogar vollständig wieder auf den Stand von Februar 2020. Auch in Berlin lag die Anzahl der Fahrten in die Innenstadt um nur acht Prozent niedriger als vor der Krise. Trotz der strengen Einschränkungen durch den Lockdown light im November und den zweiten harten Lockdown ab Mitte Dezember reduzierte sich das Verkehrsaufkommen dann allerdings bei weitem nicht mehr so stark wie während der ersten Sperrphase im März und April

Ungeachtet dieser Entwicklung zeigen die Daten der Studie aber, dass die Innenstädte aufgrund ihrer zahlreichen Arbeitsplätze, Bürogebäude, Restaurants und Unterhaltungsangebote am stärksten von der Pandemie betroffen sind. Angesichts der immer noch geltenden Beschränkungen und der zunehmenden Verbreitung von Home-Office-Arbeitsplätzen ist davon auszugehen, dass der Verkehr in die Stadtzentren wahrscheinlich im gesamten Jahr 2021 hinter dem Fahrtaufkommen in Vorstädten und ländlichen Gebieten zurückbleiben wird.

Staureichste Straße ist in Berlin

In der Staustudie werden auch die staureichsten Straßen der Republik ermittelt. Autofahrer, die über die B96 (Tempelhofer Damm/Mehringdamm) täglich von der Borussiastraße zum Tempelhofer Ufer pendeln, mussten über das vergangene Jahr eine Verspätung von 14 Stunden in Kauf nehmen. Damit ist dieser Streckenabschnitt die staureichste Straße in Deutschland. Im vergangenen Jahr benötigten Fahrer auf der am dichtesten befahrenen Straße –  der B2 von der Seeburger Chaussee bis zur Hofjägerallee – 36 Stunden mehr Zeit. Im Jahr 2019 lagen die drei staureichsten Straßen in Deutschland in Berlin, gefolgt von zwei Streckenabschnitten in München. Im Jahr 2020 hingegen haben sich die Schleißheimer Straße in München (13 Stunden) und der Ratsmühlendamm beziehungsweise die Fuhlsbüttler Straße in Hamburg (12 Stunden) in die Top 3 geschoben. Entsprechend waren die staureichsten Straßen in diesem Jahr stärker über ganz Deutschland verteilt.

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