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Neue M2M-Kooperation für Industrie 4.0

Siemens und Merck bauen transparente Lieferketten

IIoT Sicherheit Industrie 4.0 Digitalisierung Fertigung Automatisierung
Merck und Siemens kooperieren, um Qualität und Verlässlichkeit in der Kommunikation zwischen Maschinen zu steigern.
© Siemens / Merck

Die Partnerschaft will über durchgängige Datentransparenz in der Produktion Maschinenbauern neue Geschäftsmodelle eröffnen. Eine nachvollziehbare, digitale Wertschöpfung über Smart Contracts, Blockchain und Edge-Computing soll über die sichere Machine-to-Machine-Kommunikation in Echtzeit erfolgen.

Ein Coup für Industrie 4.0 und den Wert der Produktionsdaten: Merck und Siemens haben heute eine Entwicklungspartnerschaft für die industrielle Digitalisierung bekanntgegeben. Die beiden Großunternehmen wollen im Bereich der Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M) kooperieren. Ziel ist ein höchstmögliches Maß an Transparenz und Sicherheit des digitalen Datenflusses in industriellen Wertschöpfungsketten, Fertiger sollen vorallem in der Qualitätskontrolle profitieren.

Das als Pharmariese bekannte Unternehmen Merck positioniert sich bereits seit einiger Zeit als Technologiepartner, u.a. für die Halbleiterbranche, und engagiert sich basierend auf der eigenen sicherheitskritischen Fertigung im Bereich Digitalsierung und Transparenz der Lieferketten. Der Kurs wird unter der seit Mai 2021 amtierenden CEO Belén Garijo verstärkt weitergeführt.

»In der Kooperation mit Siemens sehen wir ein klares Potenzial, die Qualitätskontrolle und -sicherung in den unterschiedlichsten Branchen von Grund auf zu verändern,« sagt Laura Matz, Chief Science and Technology Officer von Merck. »Durch digitales Vertrauen wird die zertifizierte cyber-physische Machine-to-Machine-Kommunikation nicht nur die Qualität, Transparenz sowie Rückverfolgbarkeit von Produkten entlang der Wertschöpfungsketten verbessern, sondern auch neue Geschäftsmodelle eröffnen.«

Die rückverfolgbare, digitale Fertigung

Industrieunternehmen, Fertiger und Maschinen- und Anlagenbauer können so strengere Vorschriften in der Wertschöpfungskette, wie etwa Nachhaltigkeits- und Herkunfstnachweise, einhalten und neue, datenbasierte Geschäftsmodelle andenken. Die Kooperation richtet sich an Fertiger aller Branchen, zunächst liegt der Fokus auf personalisierter Medizin, Lebensmitteln, der Automobilbranche und Hightech-Elektronik.

Im aktuellen IIoT-Kontext tauschen Maschinen nach Ansicht der neuen Partner noch zu wenig Daten über die Qualität von Produkten aus. Die angestrebte Lösung soll daher ein Framework für eine effizientere M2M-Kommunikation bereitstellen.

Die Dax-Konzerne wollen alle Produkt- und Komponentendaten über eine zentrale, nicht manipulierbare »Single Source of Truth« sicher verfügbar machen. Smart Contracts, Tokens, Blockchain und industrielles Edge-Computing verknüpfen dabei physische Objekte fest mit einer digitalen Identität und sichern die Transparenz und Authentizität von Informationen und Maschinen. Dies erleichtert den Originalitätsnachweis und trägt zum Schutz vor Produktfälschungen bei. Fertiger sollen so auch die Effizienz ihrer Produktion erhöhen und gleichzeitig die Nachhaltigkeit und Qualität ihrer Produkte sichern. Erste Pilotprojekte der Siemens-Merck-Kooperation sollen 2022 starten.

Siemens-Vorstand und CEO von Siemens Digital Industrie Cedrik Neike sagt: »Wertschöpfungsketten und Produktlebenszyklen müssen transparenter und nachhaltiger werden. Dafür werden wir gemeinsam mit Merck eine völlig neue digitale Lösung entwickeln, mit der Maschinen vertrauenswürdig miteinander kommunizieren und beispielsweise Produktions- und Labordaten austauschen können.«

Neue, digitale Maschinen-Abrechnung

Siemens plant hierfür den Aufbau eines objektzentrierten IIoT-Datenökosystems, in dem Objekte in einer vertrauenswürdigen und gesicherten Umgebung Daten austauschen können. Außerdem wollen die Partner das Crypto-Anchor-Technologieportfolio von Merck mit dem bewährten Rückverfolgungssystem (Trusted Tracebility) von Siemens (ein End-to-End-System, mit dem sich der Produktstammbaum verfolgen lässt) kombinieren und deren nahtloses Zusammenspiel mittels Blockchain-Technologie ermöglichen. 

Mit Rückverfolgbarkeit, Transparenz, Sicherheit und dem 360-Grad-Blick auf die Qualität industriell hergestellter Produkte wären für Maschinenbauer Geschäftsmodelle wie Pay-per-Part oder Pay-per-Performance zu möglich innerhalb ihrer IIoT-vernetzen Produktionsinfrastruktur denkbar.

Eine Maschine muss so nicht mehr angeschafft werden, der Maschinenbauer kann sie vermieten bzw. pro Herstellungsvorgang und Intensität der Nutzung mit dem Kunden abrechnen. Damit erhält er nicht mehr einen großen Einmalbetrag beim Verkauf, sondern kann langfristige Zahlungsströme über die gesamte Lebensdauer und Maschinenlaufzeit generieren. 


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