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Impulse aus der Luftfahrt

Werden Flugtaxis bald Alltag?

12. April 2021, 17:16 Uhr   |  dpa, WEKA Newsdesk nw

Werden Flugtaxis bald Alltag?
© e.SAT GmbH

Das Silent Air Taxi (SAT) von e.SAT transportiert bis zu vier Passagiere mit einer Reisegeschwindigkeit von über 300 km/h bei einer Reichweite von 1000 km. Sein neuartiger Boxwing-Flügel und der elektro-hybride (e) Antrieb ermöglichen kurze Startstrecken von fast jeder Landebahn.

Ob Flugtaxi, Drohne oder Elektromotoren an Bord: Die Luftfahrtbranche der Zukunft könnte anders aussehen als heute. NRW sieht sich in diesem Wirtschaftsbereich gut aufgestellt.

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart rechnet damit, dass sich Flugtaxis schon in wenigen Jahren am Markt etabliert haben werden. »Ich denke, dass wir in fünf Jahren, also Mitte der 20er-Jahre, die Geräte auch wirklich im Einsatz sehen und [...] im Alltag erleben«, so Pinkwart. Als Beispielprojekt bezog er sich dabei auf den Flugplatz Aachen-Meinerzhagen, wo das elektrohybride Kleinflugzeug „Silent Air Taxi“ derzeit erprobt wird und 2024 in Betrieb genommen werden soll. Es wurde von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) und der Fachhochschule Aachen entwickelt.

Die Äußerungen von Pinkwart machen deutlich, dass die Landesregierung von einem raschen Erfolg der Flugtaxis ausgeht. »Sie werden uns unheimliche Vorteile bringen«, so Pinkwart. Heute habe man das Problem, dass man an gewissen Standorten um einen ICE-Anschluss im Zwei-Stunden-Takt kämpfe. »Aber wenn Sie solche Fluggeräte haben - also Flugtaxis -, dann sind sie für die Wissenschaft und für Geschäftsleute aus der ganzen Welt sofort gut erreichbar.«

Das Thema Flugtaxi war ein Beispiel, um die Bedeutung der Luft- und Raumfahrt für NRW zu unterstreichen. Pinkwart stellte die neue Webseite aerospace.nrw vor, die zunächst drei Jahre laufen soll und vom Land eine Anschubfinanzierung von 1,5 Millionen Euro bekommt. Firmen aus NRW, die mit Bauteilen, Software oder Dienstleistungen ihr Geld in der Luft- und Raumfahrt verdienen, sollen sich mit einem neuen Portal besser vernetzen können.

Ein wichtiges Thema in der Branche sind leichte Bauteile, mit denen das Gewicht von Flugzeugen reduziert und der Spritverbrauch gesenkt werden soll - dies auch im Sinne des Klimaschutzes. Auch an Elektromotoren und Brennstoffzellen für den Luftverkehr wird gearbeitet, nach Einschätzung von Pinkwart und Branchenvertretern wird es bei Passagiermaschinen aber noch lange Zeit ohne Strahltriebswerken nicht gehen. Daher tüfteln Forscher an dem Einsatz von sogenannten synthetischen Kraftstoffen, die klimaschonender sind als Kerosin.

Kai-Uwe Schröder, Institutsleiter für Strukturmechanik und Leichtbau an der RWTH Aachen, betont den Wandel in der Branche und weist darauf hin, dass die stärkste Belastungsprobe für ein Flugzeug der "Landestoß" ist. Da der Tank nach einem Flug planmäßig relativ leer ist, ist auch die Maschine leichter. Setzt man langfristig hingegen auf Batterien samt Elektromotor, muss das Flugzeug bei der Landung mehr Gewicht auffangen. Dementsprechend müsse man die Struktur des Flugzeugs »stärker ausbilden«, sagte Schröder. »Das kriegen Sie nur hin, wenn Sie extremen Leichtbau betreiben - sonst würde der Flieger viel schwerer, und die Vorteile [...] geben sie wieder auf.«

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