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Nach dem Ausfall der Sensor+Test

»Wir machen das Beste aus der Situation«

16. Juli 2020, 11:00 Uhr   |  Nicole Wörner

»Wir machen das Beste aus der Situation«
© AMA Service

Holger Bödeker, AMA Service GmbH: »Weil die Sensor+Test für viele unserer Aussteller die wichtigste, für manche sogar die einzige Messe des Jahres ist, war die Absage ein harter Schlag für unsere gesamte Branche.«

Wie so viele Messen musste auch die Sensor+Test 2020 abgesagt werden. Was bedeutet das für die Sensorik- und Messtechnik-Branche? Und für die Veranstalter, deren einzige Messe die Sensor+Test ist? Holger Bödeker, Geschäftsführer der AMA Service GmbH, steht Rede und Antwort.

Markt&Technik: Herr Bödeker, aufgrund der Corona-Pandemie mussten Sie die diesjährige Sensor+Test absagen. Wie schwer ist Ihnen diese Entscheidung gefallen?

Holger Bödeker: Diese Entscheidung haben uns der Freistaat Bayern und die Stadt Nürnberg abgenommen. Aber natürlich ist es uns sehr schwergefallen, die Aussteller über das Verbot unserer Messe zu informieren. Unser gesamtes Team und auch die Aussteller haben mit viel Herzblut bis zuletzt für das Gelingen der Sensor+Test 2020 gearbeitet. Es ist wirklich sehr traurig, dass die Arbeit fast eines gesamten Jahres nun keine Früchte tragen darf. Wir werden aber in jedem Fall das Beste aus der Situation machen.
 
Sie hatten bis zuletzt gehofft, dass die Messe noch stattfinden kann. Was hat Ihnen zu dieser Hoffnung verholfen – immerhin sind doch deutschlandweit Großveranstaltungen wie Messen, Konzerte, Sportveranstaltungen etc. verboten…

Wie andere Messeveranstalter auch, vermag ich nicht zu erkennen, warum professionelle, kontrolliert ablaufende B2B-Messen wie die Sensor+Test mit Musikfestivals oder Fußballspielen in einen Topf geworfen werden. Zusammen mit einer Aussteller-Initiative hatten wir noch kurz vor dem Verbot angeboten, alle Auflagen zur Sicherheit und Hygiene zu erfüllen. Leider vergebens. Ähnliche Ansätze finden sich in den Aktivitäten von AUMA und FAMA wieder und wir hoffen nun für die Herbstmessen, dass die Politik ein Einsehen hat. Die ersten Ansätze sind vielversprechend, kommen für uns aber leider zu spät.

Wie haben die Aussteller und Referenten der begleitenden Kongresse auf die Absage reagiert?

Mit Verständnis, Bedauern und in manchen Fällen auch mit Erleichterung. Letzteres gilt besonders für unsere vielen Teilnehmer aus dem Ausland, die angesichts von Reise- und Visasperren vor großen Problemen standen. Weil die Sensor+Test für viele unserer Aussteller die wichtigste, für manche sogar die einzige Messe des Jahres ist, war das ein harter Schlag für unsere gesamte Branche.
 
Planen Sie – wie einige Ihrer Mitbewerber – virtuelle Alternativen für die Messe und/oder für die begleitenden Kongresse?

Wir werden die digitalen Angebote der Sensor+Test erheblich verstärken, als virtuelle Messe würde ich das aber nicht bezeichnen. Unsere Erfahrungen mit der realen Messe zeigen, dass unsere Besucher sehr zielgerichtet vorgehen, sich exakt die für sie relevanten Aussteller und Vorträge heraussuchen, um diese dann gezielt anzulaufen. Wir sehen diese Menschen eher nicht als Avatare durch eine virtuelle Messe spazieren, sie wollen schnell und präzise passende Lösungen und kompetente Gesprächspartner finden. Wir konzentrieren uns daher auf die aktive Vermittlung dieser Kontakte, weil das aus unserer Sicht zumindest aktuell für Aussteller und Besucher einen größeren Mehrwert bietet. Dazu erweitern und verlängern wir die Möglichkeiten für unsere Aussteller, die gesamten Online-Kanäle der Sensor+Test für die Präsentation ihrer neuen Entwicklungen, Lösungen und Leistungen zu nutzen. Zum geplanten Termin der Messe wird es vielfältige Aktivitäten geben, aber auch danach werden wir die Aussteller kontinuierlich weiter bei der digitalen Verbreitung ihrer Innovationen unterstützen.

Ist dies vielleicht ein Punkt, an dem ein generelles Umdenken in der deutschen Messelandschaft erfolgt? Werden virtuelle Formate, bei denen der Besucher daheim bleiben kann, die traditionellen Messen und Kongresse über kurz oder lang ablösen? Immerhin ist Deutschland noch so ziemlich das einzige Land, in dem Messen überhaupt noch funktionieren…

Für uns Menschen wird auch in Zukunft der persönliche Kontakt entscheidend bleiben, um kompetente Partner für wichtige Projekte zu finden. Messen sind und bieten hierfür ein effizientes Werkzeug. Das gilt auch nach Corona weiter, wie sich in China beobachten lässt. Dort laufen bereits wieder reale Messen – und das mit Erfolg. Wir werden in Zukunft aber mit Sicherheit mehr hybride Veranstaltungen erleben, die eine reale wie auch virtuelle Teilnahme zulassen. Das erlaubt die Einbeziehung von Interessenten, die keine Möglichkeit haben, persönlich an Messen und Kongressen teilzunehmen, erfordert jedoch von Veranstaltern und Ausstellern einen deutlich höheren Aufwand. Ob dafür allerdings aktuell ausreichende Ressourcen vorhanden sind, wage ich zu bezweifeln.

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2. EIn Blick in die Zukunft - der Messe, des Veranstalters und der Branche

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