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AMA Verband für Sensorik und Messtechnik

»Die Digitalisierung war die Rettung«

26. Februar 2021, 11:45 Uhr   |  Nicole Wörner

»Die Digitalisierung war die Rettung«
© AMA Verband für Sensorik und Messtechnik e.V.

Dr. C. Thomas Simmons, AMA Verband für Sensorik und Messtechnik: »Auch wenn die Digitalisierung kein gewolltes, sondern eher ein notwendiges Mittel war, war sie in der Pandemie quasi die Rettung.«

Die Sensorik und Messtechnik ist wieder im Aufwind. Nachdem das erste Halbjahr 2020 von herben Umsatzrückgängen gekennzeichnet war, verzeichnet die Branche seit Q3/20 eine Trendwende und erwartet für 2021 sogar ein Umsatzwachstum von 9 % – auch dank verstärkter Digitalisierung.

Auch wenn die an ein kontinuierliches Wachstum gewöhnte Sensorik- und Messtechnik-Branche im Jahr 2020 natürlich keine Gewinnsprünge verbuchen konnte, so ist sie doch im Vergleich zu vielen anderen Branchen mit einem Umsatzminus von zwei Prozent noch sehr glimpflich davongekommen. In den ersten beiden Quartalen sanken die Umsätze zwar, im dritten und vierten Quartal zogen sie jedoch schon wieder an. Q4/2020 schloss die Branche mit einem deutlichen Umsatzplus von 10 % ab, verglichen mit dem Vorquartal. Das stimmt optimistisch für die Zukunft.

Gestützt wird dieser Optimismus auch durch die zuletzt wieder steigenden Auftragseingänge. Diese waren Mitte des Jahres um 13 % eingebrochen, erholten sich jedoch rasch wieder und lagen in Q4/20 wieder bei +7 %. Im Jahresmittel ergab sich ein Minus von 4 %.

Als einer der wichtigsten Erfolgsaspekte…

...hat sich im Laufe des Jahres die Digitalisierung herauskristallisiert. Insgesamt gaben 86 % der AMA-Mitglieder an, dass die COVID-19-Pandemie zu einer verstärkten Digitalisierung in den Unternehmen geführt hat – vor allem im Vertrieb. »Messen und persönliche Produktdemos sind nicht möglich, die Vertriebskanäle müssen sich neu sortieren«, verdeutlicht AMA-Geschäftsführer Dr. C. Thomas Simmons. »Auch wenn die Digitalisierung kein gewolltes, sondern eher ein notwendiges Mittel war, ist sie in der Pandemie quasi die Rettung.« Zwar würden die Unternehmen dadurch Reisekosten sparen, dennoch sei der digitale Vertrieb kein dauerhafter Ersatz für das persönliche Geschäft, lediglich ein additives Mittel.

Die traditionell starke Exportquote…

...der Branche verzeichnete mit 61 % einen weiteren Anstieg – davon entfielen allerdings nur 24 % auf das europäische Ausland. Interessant: Seit 2005 ist der Exportanteil kontinuierlich gestiegen, der innereuropäische Handel ist seit 2016 jedoch rückläufig. »Dieser Effekt ist unter anderem auf die schwächelnde Konjunktur in Europa zurückzuführen, wohingegen die Konjunktur in China sich als stabil und wachsend darstellt«, so Simmons. 

Die bislang als sehr investitionsfreudig…

...bekannte Branche hat im vergangenen Jahr viele Investitionen zurückgefahren. Insgesamt gingen die Investitionen 2020 um 10 % gegenüber dem Vorjahr zurück, wobei vor allem große Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern eher zögerlich, kleine und mittelgroße AMA-Mitglieder hingegen mehr als im Vorjahr investierten. In diesem Jahr soll das alles wieder aufgeholt werden. So plant die Branche für 2021, die Investitionen wieder um 11 % zu steigern. Ein Problem indes könnte sich aus der Lieferkette ergeben. »In einigen Bereichen ist es derzeit schwierig, die Materialien herzubekommen«, erklärt Peter Krause, Vorstandsvorsitzender des AMA Verbandes. 

Vorsichtig zeigt sich die Branche…

...noch in Sachen Arbeitsplätzen. Zwar ging die Beschäftigung 2020 parallel zum Umsatz um nur 2 % zurück, doch für das laufende Jahr 2021 ist nur ein Plus von 1 % geplant – ungewöhnlich wenig für die Sensorik und Messtechnik. »Die Unternehmen sind aktuell noch sehr vorsichtig«, erklärt AMA-Geschäftsführer Dr. C. Thomas Simmons.

Auch Kurzarbeit war in 2020 ein probates Mittel, um die Geschäftsrückgänge aufzufangen. Doch auch hier ist Besserung in Sicht. Während die Kurzarbeitsquote in Q3/20 noch bei 58 % lag, sank sie zum Ende des Jahres 2020 auf nur noch 11 %. »Auch wenn die Geschäfte jetzt wieder besser laufen, halten sich einige Unternehmen diese Option noch offen«, erklärt Simmons. »Aber dank der Kurzarbeit konnten spezialisierte Fachkräfte unserer Mitglieder gehalten werden.«

Das Resümee des AMA-Geschäftsführers…

...fällt optimistisch aus: »Im zweiten Halbjahr 2020 zogen die Umsätze und Auftragseingänge wieder an und die Investitionsbereitschaft wächst. Das stimmt die Branche insgesamt positiv, wir erwarten ein Umsatzplus von neun Prozent für das Geschäftsjahr 2021.« 
 

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