ams hat doch einen Weg gefunden Neues Angebot für Osram-Übernahme

Alexander Everke, CEO von ams, ist zuversichtlich, Osram nun doch übernehmen zu können. Dazu wurde eine neue Gesellschaft gegründet und die Mindestübernahmeschwelle herabgesetzt.

ams wagt einen zweiten, recht trickreich eingefädelten Übernahmeversuch für Osram.

Die Mindestannahmeschwelle konnte noch einmal gesenkt werden, von 62,5 auf 55 Prozent, der Preis pro Aktie liegt bei 41 Euro wie zuvor. Störfeuer wie  beim ersten Übernahmeversuch gibt es nicht mehr: Damals hatten Bain und Advent angekündigt, ein weiteres Angebot von deutlich über 41 Euro pro Aktie abgeben zu wollen. Davon ist nun keine Rede mehr haben sie nun sang- und klanglos zurückgezogen. Und noch etwas hat sich geändert: Osram gibt sich plötzlich offen für Gespräche.

Wer den Osram-Übernahmekrimi verfolgt hat, konnte sich bei allem hin und her auf eine Konstante verlassen: Alexander Everke, CEO von ams, der David, der den Goliath Osram übernehmen wollte, gab sich immerdar gelassen, optimistisch und gut gelaunt. Damals gefiel sich der Manager in der Rolle dessen, der mit dem seiner Ansicht nach besseren Konzept ganz einfach und schlicht überzeugen wollte. Der Rest ergäbe sich. Kein Plan B. Das klang sehr siegesgewiss, manche Kritiker meinten, überheblich. Die vielen Kleininvestoren zu überzeugen und zum Handeln zu bewegen, ist nicht gelungen, die 62,5-Prozent-Hürde konnte nicht genommen werden. Und das bei einem für die Aktionäre nicht uninteressanten Angebot: 41 Euro pro Aktie bedeutete einem beträchtlichen Aufschlag von 42 Prozent gegenüber dem Kurs am 2. Juli.

Übernahme gescheitert, kein Plan B  – alles vorbei? Immerhin hatte ams es geschafft, sich 20 Prozent Anteile an Osram zu sichern.

Damit war trotz des Scheiterns klar: An ams kommt keiner vorbei. Auch Osram-Chef Olaf Berlien nicht, der zuvor sehr offen gegen das Konzept von ams Stimmung gemacht hatte.

Die IG Metall blieb weiterhin grundsätzlich dagegen, weil sie eine Zerschlagung von Osram und den Verlust von Arbeitsplätzen befürchtete. So unangenehm erschien die Aussicht, dass die verschuldete ams die größere Osram schlucken könnte, dass sie einem anderen Angebot den Vorzug geben wollten, dem von US-Finanzinvestoren – die nicht nur den Gewerkschaften bis dahin als Ausgeburt des Bösen, vulgo Heuschrecken, galten.

Doch nun – mit einem ams-Anteil von 20 Prozent an Osram –  und dem neuen Angebot galt es, den Tatsachen ins Gesicht zu schauen. Plötzlich war auch Olaf Berlien geneigt zu verhandeln.

Und jetzt die Überraschung: Es gab doch so etwas wie einen Plan B im Hintergrund. Die Karten werden neu gemischt, und neu ausgeteilt, es geht in die nächste Runde. Das ist schon recht trickreich eingefädelt, denn es wurde eine neue Gesellschaft mit dem alles sagenden Namen »Offer GmbH« gegründet, die die Übernahme vorantreiben wird. So hebelt ams die Sperrfrist aus, die eigentlich für das Unternehmen gilt: Erst in einem Jahr darf ams ein neues Übernahmeangebot für Osram abgeben.

Jetzt ist sogar Berlien zumindest offiziell praktisch auf ams-Kurs eingeschwenkt: »Wir haben in den vergangenen Tagen konstruktive Gespräche mit ams über die Rahmenbedingungen für ein neues Übernahmeangebot geführt. Der Vorstand begrüßt die bisher erzielten Fortschritte und ist zuversichtlich, dass sich beide Seiten auf ein zukunftsfähiges strategisches Konzept verständigen werden.« Die IG Metall bleibt skeptisch, wolle aber fürderhin keine Fundamentalopposition betreiben, wie sie verlauten ließ.

Und noch etwas hat das Unternehmen bewirkt: »Als bedeutender Aktionär hat ams die Mindestannahmeschwelle auf 55 Prozent gesenkt«, so ist in der entsprechenden Pressemitteilung zu lesen. Im ersten Angebot hatte sie noch bei 62,5 Prozent gelegen. Ob diesmal genügend Aktionäre drüber springen? Beim ersten Versuch wäre auch die niedrigere Hürde von 55 Prozent mit 51,6 Prozent klar verfehlt worden. Ganz sicher ist es also nicht, ob der zweite Versuch gelingen wird.

Formal geht es nun so weiter: Stimmt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu, will ams die vierwöchige Angebotsfrist bis spätestens Ende Oktober beginnen zu lassen. ams geht davon aus, die Transaktion in der ersten Hälfte des kommenden Jahres abschließen zu können.