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New Work bei Rohde & Schwarz

»Wir laufen nicht blind Trends hinterher«


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

..."es ist schon viel schleichend passiert..."

Was waren die Beweggründe, New Work und die Betriebsvereinbarung gerade jetzt voranzutreiben?

Es war uns klar, dass wir eine Lösung brauchen. Weil schon viel schleichend passiert ist, bevor es eine offizielle Regelung gab. So haben schon zuvor immer mehr Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Absprache mit den Vorgesetzten Homeoffice gemacht. Man konnte sehen, dass da ein Bedarf ist: sei es der Wunsch nach konzentrierter Arbeit, Arzttermine ohne zusätzliche Pendelei etc. Was aber noch fehlte, war der entsprechende Rahmen, den wir jetzt vorgelegt haben. Er entstand in enger Zusammenarbeit zwischen Management und Betriebsrat, war beeinflusst durch Arbeitsmarkt-Studien, Feedback von Mitarbeitenden über HR-Businesspartner und Intranet, aber auch durch Kununu und Interviews mit neuen Leuten bei uns.

Dazu kommt die Bewerbungssituation. Seit ich hier in München tätig bin, habe ich noch kein Vorstellungsgespräch miterlebt, bei dem Homeoffice und flexible Arbeitszeiten kein Thema waren – das Thema ist omnipräsent, noch vor Benefits wie der betrieblichen Altersversorgung. Und wir haben gelernt, dass „im Prinzip schon, es läuft in der Praxis, aber klar geregelt ist es nicht“ den Bewerbern nicht reicht, sie bevorzugen eine offizielle Regelung. Der bis dato unsichere Rahmen galt als unbefriedigende Antwort. Somit habe ich das auch in die Geschäftsleitung transportiert, dass wir uns zu dem Thema klar positionieren müssen. Corona hat den Entscheidungsprozess beschleunigt, doch unsere Haltung war schon immer da: Was braucht es, damit Ideen und Innovation gefördert werden? Genau DAS setzen wir dann um!

Wie steht es denn um Ihre Stellenbesetzungen, wie ist die Lage am Ingenieurarbeitsmarkt?

Gemischt, speziell in Deutschland ist die Situation eher kritisch. Die Bewerbungszahlen etwa für unsere Ausbildungsplätze hier in München sind zurückgegangen, bzw. bemerken wir einen gewissen Rückgang an qualitativ hochwertigen Bewerbungen. Hier am Standort ist unsere zentrale Entwicklung und das wird auch so bleiben. Leider verliert der Standort durch hohen Konkurrenzdruck und vor allem durch die hohen Mieten weiter an Attraktivität, das wissen wir aus Gesprächen mit Azubis, die aus Augsburg und Mühldorf mit der Bahn anreisen. München ist als Lebenswohnort für sie nicht praktikabel.

In Summe aber ist es so, dass wir das Thema Fachkräfte bislang ganz gut stemmen können – wir wenden dazu aber auch eine Reihe von Maßnahmen an, etwa unser Weiterempfehlungsprogramm, virtuelle Karrieremessen, unsere Engineering Competition oder kleine, exklusive Live Events wie den Best Bachelor Award. Trotz Pandemie haben wir auch weiterhin Praktika ermöglicht, sofern jemand da war, um die Praktikanten und Praktikantinnen zu betreuen. Auch Werkstudierende haben wir auf dem gleichen Niveau wie sonst beschäftigt, weil uns klar war, dass es sonst für diese finanziell schwierig werden könnte – Nebenbeschäftigung und Zuverdienst war ja praktisch nicht möglich. Der gute Kontakt zu unseren Studierenden, Professoren und Professorinnen ist uns wichtig und hilft dabei, unsere offenen Stellen zu besetzen. Wo es ging, haben wir mit ausgewählten Talenten und in Kleingruppen den Kontakt gehalten, nur in etwas individuellerer Form. Der reale Austausch ist das, womit wir die Zielgruppen gut packen können.

Gehen Sie auch neue Wege und wo stoßen Sie an Grenzen?

Bewährte Formate wie den Best Bachelor etwa bauen wir weiter aus. Dabei setzen wir auf einen Mix aus digitalen Medien, Live-Veranstaltungen, Online-Live und wieder ersten Präsenz-Veranstaltungen. Wir versuchen, Praktikanten und Werkstudierende stärker an uns binden, etwa durch den Aufbau von studentischen Talent-Pipelines. Auch Engagement an Schulen ist wichtig – wir sind im engen Austausch mit der Personalausbildung und Initiativen und auch vor Ort präsent, wenn sich die Möglichkeit bietet.

Auch im Lehrbetrieb, besonders in den MINT-Fächern, fehlt es an Nachwuchs. Dies wird Auswirkungen haben, die wir in den nächsten Generationen der Schul- und Arbeitswelt spüren. Wir glauben deshalb, dass auch Unternehmen hier Verantwortung übernehmen und einen Beitrag leisten könnten, um das Bildungssystem weiterzuentwickeln und Lehrkräfte zu unterstützen. Die aktuellen Herausforderungen müssen wir sicher gemeinsam angehen, sprich: Politik, Wirtschaft und Unternehmen im Verbund.


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