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3G am Arbeitsplatz in Bayern – was nun gilt

10. November 2021, 9:35 Uhr | Anabel Vogel, KLIEMT.Arbeitsrecht
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In Bayern gilt ab sofort 3G am Arbeitsplatz - KLIEMT.Arbeitsrecht klärt auf.
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Als erstes Bundesland hat Bayern in den Büros die 3G-Regel eingeführt, weil die Corona-Fallzahlen zu stark ansteigen. Das bedeutet, dass Mitarbeiter nur geimpft, getestet oder genesen erscheinen dürfen. Arbeitsrechtlerin Anabel Vogel klärt die wichtigsten Fragen.

In Bayern gilt seit dem 5. November 2021 die neue Krankenhausampel. Springt sie auf „Rot“ oder liegt der Betrieb in einem „Hotspot“, gilt „3G“ am Arbeitsplatz.

Wann gilt „3G“ am Arbeitsplatz?
Es gilt künftig „3G“ im Betrieb, wenn die neu definierte Krankenhausampel bayernweit oder in einem Hotspot auf „Rot“ springt, der Betrieb mehr als zehn Mitarbeiter (einschließlich des Inhabers) beschäftigt und die Mitarbeiter Kontakt zu anderen Personen haben. Die Krankenhausampel ist „Rot“, wenn bayernweit mehr als 600 Intensivbetten mit Covidpatienten belegt sind. Wann dies der Fall ist, gibt das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege im Bayerischen Ministerialblatt bekannt. Ab dem auf die Bekanntmachung folgenden Tag gilt anschließend „3G“ am Arbeitsplatz laut § 17 der Vierzehnten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (BaylfSMV). Ein „Hotspot“ liegt ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 300 und einer Intensivbettenauslastung von mindestens 80 Prozent vor. Die zuständige Kreisverwaltungsbehörde macht unverzüglich bekannt, welcher Landkreis bzw. welche kreisfreie Stadt ein „Hotspot“ ist. Ab dem auf die Bekanntmachung folgenden Tag gilt anschließend „3G“ am Arbeitsplatz (§ 17a 14. BaylfSMV).

Ausgenommen sind der Einzelhandel und der Personennahverkehr.

Wie erfolgt die Prüfung des „3G-Status“?
Nur Mitarbeiter, die geimpft, getestet oder genesen sind, erhalten Zutritt zu den geschlossenen Räumlichkeiten eines Betriebes; d.h. vor Betreten der Räumlichkeiten erfolgt eine Zutrittskontrolle. Vor Betreten der Büroräumlichkeiten muss der „3G-Status“ an zwei verschiedenen Wochentagen überprüft werden. Dabei wird nur kontrolliert, ob ein Impf-, Genesenen- oder Testnachweis vorliegt. Der Arbeitgeber ist nicht berechtigt, den „G“- Status allgemein abzufragen. „3G“ am Arbeitsplatz läuft daher wie ein Restaurant- oder Kinobesuch. Auf die entsprechenden Regelungen in der Gastronomie und bei Veranstaltungen wird verwiesen.

Was bedeutet „Getestet“?
Um getestet zu sein, reicht grundsätzlich ein „einfacher Schnelltest“ – zweimal pro Woche an verschiedenen Tagen.

Als „getestete“ Person gilt eine asymptomatische (d.h. keine Gesundheitsbeschwerden oder Symptome) Person, die im Besitz eines auf sie ausgestellten Testnachweises über das Nichtvorliegen einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 ist. Möglich ist ein PCR-Test, ein PoC-PCR-Test oder ein Test, mittels weiterer Methoden der Nukleinsäureamplifikationstechnik, der nicht älter als 48 Stunden ist. Ebenso möglich sind ein PoC-Antigentest, der nicht älter als 24 Stunden sein darf oder ein unter Aufsicht vorgenommenen Antigentest zur Eigenanwendung („Selbsttest“ / „einfacher Schnelltest“), der ebenso nicht älter als 24 Stunden sein darf (§ 3 Abs. 4 14. BaylfSMV i.V.m. § 2 Nr. 6, 7 Schutzmaßnahmen-Ausnahmenverordnung).

Ein negativer Testnachweis muss an mindestens zwei verschiedenen Tagen pro Woche vorliegen (§ 17 S.2 Nr. 3 14. BaylfSMV). Einen entsprechenden „Selbsttest“, der vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassen ist, muss der Arbeitgeber zur Verfügung stellen, das besagt § 4 Abs. 1 der Corona-Arbeitsschutzverordnung (Corona-ArbSchV).

Welche Aufbewahrungspflichten gibt es und für wen gelten diese?
Entsprechende negative Testergebnisse werden 14 Tage lang aufbewahrt (§ 17 Satz 2 Nr. 4, 2. Halbs. i.V. m. § 3 Abs. 1 Satz 2 14. BayIfSMV). Wer die Tests aufbewahren muss – Arbeitgeber oder Arbeitnehmer – lässt sich der 14. BayIfSMV nicht eindeutig entnehmen. Nachdem derjenige, der den Arbeitsplatz ohne entsprechenden Impf-, Genesenen- oder Testnachweis betritt, nach § 19 Nr. 2 der 14. BayIfSMV ordnungswidrig handeln kann, spricht viel dafür, dass der Arbeitnehmer seinen Testnachweis 14 Tage aufbewahren muss, um nicht Gefahr zu laufen, mit einer Ordnungswidrigkeit geahndet zu werden. Der Arbeitgeber hat seine Pflichten grundsätzlich dann erfüllt, wenn er die entsprechenden Impf-, Genesenen- und Testnachweise überprüft. Lediglich seinen eigenen Testnachweis muss der Inhaber 14 Tage aufbewahren, anderenfalls droht eine Ordnungswidrigkeit (§ 19 Nr. 14 14. BayIfSMV).

Zu den „einfachen Schnelltests“, die der Arbeitgeber zur Verfügung stellt, muss der Arbeitgeber entsprechende Nachweise aufbewahren. Eine Aufbewahrungspflicht gilt auch, wenn der Arbeitgeber Dritte mit der Testung beauftragt. Nach § 4 Abs. 3 der Corona-ArbSchV muss der Arbeitgeber die Nachweise über die Beschaffung von Tests und Vereinbarungen mit Dritten über die Testung der Beschäftigten bis zum Ablauf des 24. November 2021 aufzubewahren hat (am 24. November 2021 tritt die Corona-ArbSchV außer Kraft).


  1. 3G am Arbeitsplatz in Bayern – was nun gilt
  2. Wer zahlt? Und muss der Betriebsrat beteiligt werden?
  3. Testverweigerer ins Homeoffice?

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