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Die beliebtesten Arbeitgeber für Schüler

Uniform hui, Automobilindustrie pfui

04. August 2020, 11:20 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

Uniform hui, Automobilindustrie pfui
© Karl-Heinz H/stock.adobe.com

Polizei und Bundeswehr sind die beliebtesten Arbeitgeber auf deutschen Schulhöfen.

Der öffentliche Sektor gewinnt auffällig an Beliebtheit bei jungen Menschen, wenn es um deren Berufsorientierung geht. Dagegen verlieren viele Branchen an Anziehungskraft, etwa die Automobilindustrie.

Das ist das Ergebnis des aktuellen Trendence Schülerbarometers für den das Trendence Institut bundesweit 22.212 Schüler*innen der Klassen 8 bis 13 befragte.

So ist etwa der Trend diesbezüglich für Unternehmen aus der Automobilindustrie rückläufig. Arbeitgeber wie Audi (-3,2%), Daimler (-2,1%) oder BMW (-1,4%) liegen zwar immer noch in den Top Ten der beliebtesten Arbeitgeber, verlieren aber an Boden, während beispielsweise das Deutsche Rote Kreuz ansteigende Beliebtheitswerte verzeichnet (+1,9%). Größter Verlierer in der Gunst der Schüler und Schülerinnen ist indes der Sportartikel-Riese adidas mit einem Minus von 4,3%. Trotzdem liegt das Unternehmen mit den drei Streifen noch auf Rang 3 des Trendence Rankings.

„Wir sehen, dass Unternehmen mit einem gesellschaftlichen Auftrag bei jungen Leuten eine zunehmende Anziehungskraft auslösen. Das ist umso bemerkenswerter, weil unsere Befragung noch vor dem Ausbruch der Corona-Krise erhoben wurde. Mittlerweile wissen wir, das in den letzten Monaten die Attraktivität systemrelevanter Jobs noch einmal angestiegen ist. Das bedeutet: Unternehmen aus dem öffentlichen Sektor haben gerade jetzt gute Chancen, begehrte Talente zu gewinnen, die sich vorher vielleicht noch für die freie Wirtschaft entschieden hätten“, so Robindro Ullah vom Trendence Institut zu den Ergebnissen des Schülerbarometers.

Auch bei den Mädchen landeten Polizei und Bundeswehr auf den ersten beiden Plätzen. Insgesamt streben fast ein Drittel aller Teilnehmer*innen (32%) eine berufliche Laufbahn im Öffentlichen Dienst an, 34,5% der Mädchen. Während bei den Jungs immerhin noch vier Automobilkonzerne unter den ersten zehn Unternehmen landeten, schaffte es bei den Schülerinnen nur BMW in die Top-Ten (Platz 10). 28,4% der Jungs würden gerne in der Automobilindustrie arbeiten, während sich dies nur 8,1% der Mädchen vorstellen können.

Microsoft legt bei Digitals zu und erobert Spitzenplatz

Interessant ist die Einschätzung der Schüler*innen mit besonderem digitalen Interessen. Diese „Digitals“ machen immerhin 23,3% aller Teilnehmer aus. In ihrer spezifischen Gunst schob sich Microsoft auf die Pole Position. Das IT-Unternehmen verzeichnete hier in seiner Kernzielgruppe ein Plus von 5,4% im Vergleich zum Vorjahr und verwies die Arbeitgeber aus dem öffentlichen Raum damit auf die nächsten Plätze. In der Gesamtwertung verbesserte sich Microsoft von Platz 11 im Jahr 2019 auf Rang 8 in diesem Jahr. Zweitbester Arbeitgeber für IT-Dienstleistungen wurde Sony auf Platz 15 der Gesamtwertung vor SAP (Rang 56, insgesamt).

Soziale Netzwerke werden kaum genutzt, um mit Arbeitgebern ins Gespräch zu kommen.

Wenn sich junge Menschen mit dem Berufseinstieg befassen, ist ihnen ein fairer Bewerbungsprozess am wichtigsten. Das jedenfalls antworten 61,7% aller Befragten. Zudem legen sie Wert auf nette Kollegen (60,0%), ein faires Gehalt sowie eine sinnvolle Tätigkeit (beide 59,2%).

In der Kommunikation zu Arbeitgebern sind soziale Medien kaum angesagt. Zwar würden 78,1% dafür WhatsApp nutzen, aber schon Instagram käme in dieser Hinsicht nur noch für 34,9% infrage. Dienste wie Snapchat (2,5%) oder TikTok (0,8%) spielen so gut wie keine Rolle, wenn es darum geht mit Arbeitgebern in Kontakt zu treten. Traditionelle Bewerbungsveranstaltungen an ihren Schulen haben dagegen schon 77% der Teilnehmer*innen genutzt, um mit Unternehmen ins Gespräch zu kommen.

Für die Erhebung befragte das Trendence Institut 22.212 Schüler und Schülerinnen der Klassen 8-13. Dabei wurden sowohl allgemeinbildende als auch berufsbildende Schulen einbezogen. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer*innen betrug zum Zeitpunkt der Befragung (Januar/Februar 2020) 15,8 Jahre. 36,3% streben das Abitur an, 42,2% die Mittlere Reife, 10,4% den Hauptschulabschluss sowie 11,1% die Fachhochschulreife.

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