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Klimaschutz – Steilvorlage für Nachwuchsförderung

Schindlbeck Karriere
Corinne Schindlbeck, Leitende Redakteurin, WEKA FACHMEDIEN GmbH.
© WEKA FACHMEDIEN

Wie soll der geplante Ampel-Exportschlager Dekarbonisierung gelingen, ohne die dazu benötigten Fachkräfte? Das Institut der Deutschen Wirtschaft weist in seinem Herbstgutachten auf das - immer noch weitgehend unerschlossene - Potenzial der Frauen in MINT-Berufen hin. Wie wollen wir sie ansprechen?

Der Fachkräftebedarf der Industrie ist erstmals wieder größer als vor der Pandemie, zeigt der MINT-Herbstreport des Instituts der deutschen Wirtschaft. Vor allem Facharbeiter sind Mangelware, den größten Engpass innerhalb des MINT-Spektrums gibt es bei den Energie- und Elektroberufen.

Aber auch bei den Akademikern sieht es nicht gut aus. Zwei Drittel der neuen MINT-Absolventen müssen in den nächsten fünf Jahren das Loch stopfen, das allein die Ruheständler reißen. Bei den Facharbeitern deckt das jährliche Neuangebot noch nicht mal diesen Ersatzbedarf. 

Man müsse Frauen verdeutlichen, dass man mit einem MINT-Studium zu Klimaschutz und Dekarbonisierung beitragen könne, so die Überlegung des IW bei der Vorstellung des MINT-Herbstgutachtens in dieser Woche. Weil Frauen den Anspruch haben, sinnstiftend zu arbeiten, sehen die Forscher hier einen Match. 

Mal wieder?

Ich kann verstehen, dass manche inzwischen zu resignieren scheinen, wenn es um die Gewinnung von Frauen für Technik geht. »Mein Unternehmen macht seit 13 Jahren MINT-Promotion speziell Richtung Technik. Der Effekt auf junge Frauen ist seeehr begrenzt«, kommentiert dSpace-Eigentümer Dr. Herbert Hanselmann die Wunschvorstellung der IW-Forscher in der Webkonferenz diese Woche.

Aber aufgeben gilt nicht, findet Dr. Ulrike Struwe, Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums Technik – Diversity-Chancengleichheit e.V. und mahnt zu mehr Durchhaltevermögen: »Es gilt, Maßnahmen für die Ansprache und Gewinnung von Frauen verlässlich und nachhaltig anzubieten«.

Und auch Dr. Michael Stahl, Geschäftsführer Bildung und Volkswirtschaft beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall, wirbt für einen neuen Anlauf: »Wir müssen aus der Resignationsphase raus«. 

Leichter gesagt als getan, dürfte sich nicht nur Herbert Hanselmann denken. Andererseits: gefühlte 90 Prozent der Robotik-Projekte für junge Leute handeln von selbstfahrenden Fahrzeugen. Gibt es wirklich nichts anderes, was die Vielfalt der Technik veranschaulicht und Lösungsmöglichkeiten erfordert? Wir sollten Nachwuchsprojekte stärker durch eine weibliche Brille prüfen. Oder am besten gleich von gemischten Teams gestalten lassen.

Frauen glauben weiblichen Vorbildern, die ihre eigene Unsicherheit nicht verstecken und trotzdem kompetent und wertvoll im Job sind. Weil sie selbst dazu neigen, sich eher zu unterschätzen. Sie brauchen ermutigende Vorbilder. Es ist spannend zu lesen, auf welchen Umwegen (etwa aus der Kunst!) einige unserer Role Models aus der ersten Staffel zu Technik und Elektronik kamen.

In einer zweiten Staffel unserer Role-Model-Reihe wollen wir nun Frauen in Klimaschutz und Dekarbonisierung ein Gesicht geben.

Wir wollen (natürlich auch angehende) Expertinnen für Energiewende und Dekarbonisierung vorstellen, die jungen Frauen als authentisches Vorbild dienen möchten. Sie kennen ein solches Role Model oder sind selbst eines? Dann freue mich über Ihre Nachricht: cschindlbeck(at)weka-fachmedien.de. 


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