ZVEI: Sorge wegen Handelsstreits

Schatten über dem boomenden IC-Markt

19. Juli 2018, 13:19 Uhr | Heinz Arnold

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China wächst immer noch

Aufhorchen lassen die neusten Zahlen der Produktion in China: Der Ausstoß der Fabriken fiel im Juni um 6 Prozent, den niedrigsten Stand wie zwei Jahren. Schon rufen Analysten in China die Regierung auf, Maßnahmen zu ergreifen, um für zusätzliches Wachstum zu sorgen. Der CSI300, vergleichbar mit dem S&P-500-Index der führenden US-Firmen – der bisher kaum nachgegeben hat –, brach seit Beginn des Jahres um 20 Prozent ein, was zumindest zu Anfang aber zum größten Teil nicht dem Handelskrieg zuzuschreiben sein dürfte. Insgesamt ging das Wachstum der chinesischen Wirtschaft nur wenig zurück und wuchs im zweiten Quartal laut dem Bureau of Statistics um 6,7 Prozent, im ersten Halbjahr ist sogar Wachstum zu verzeichnen.

Der Handelsstreit mit den USA wirkt sich bisher offenbar nicht aus. Das steht im Einklang mit der Meinung von Fachleuten, dass man die Auswirkungen eines Handelskrieges auf die chinesischen Wirtschaft nicht überschätzen sollte, weil Exporte nur 2 Prozent am GDP von China ausmachten. Dass aber der Handelsüberschuss mit den USA im Juni eine neue Rekordhöhe erreicht hat, dürften die USA sicherlich nicht zum Einlenken bewegen.

Auch beim ZVEI in Frankfurt ist man besorgt. In welcher konkreten Größenordnung eine weitere Zoll-Eskalation zwischen USA und China auch die deutsche Elektronikindustrie schädigen werde, könne der ZVEI derzeit mangels valider Daten aus China allerdings nicht quantifizieren. Die qualitativen Auswirkungen kann Johannes Kirsch, Senior Director International Affairs in der Abteilung International Trade & Future Markets des ZVEI, aber benennen: »Hersteller, die Elektroerzeugnisse in China zur Weiterverarbeitung oder Ausfuhr in die USA fertigen, sind von einer Eskalation betroffen. Darunter übrigens auch viele amerikanische Hersteller selbst wie etwa Hewlett Packard. Ob Donald Trump das mit der amerikanischen Geschäftswelt zuvor abgestimmt hat?

In seiner Welt gibt es keine arbeitsteiligen, weltweiten Wertschöpfungsketten. Trump zerschlägt die weltweite Arbeitsteilung, und damit sind auch wir mit Antriebstechnik, Steuerungen und anderen Komponenten für Märkte wie Automatisierung und Industrie 4.0 spürbar betroffen. Und nicht etwa nur die Automobilindustrie, die medial gerade im Vordergrund steht. Die Leidtragenden dieser Politik sind zunächst die Verbraucher, die am Ende teurere Produkte kaufen müssen, weil die Hersteller die höheren Zölle auf ihre Komponenten einpreisen. Wir betrachten die Konjunktur der kommenden Jahre daher mit etwas Sorge und leiser Skepsis.« Währenddessen hat sich auch der VDMA gemeldet, der sich über die wettbewerbsverzerrende Industriepolitik Chinas beklagt.

»Die der europäischen Industrie aktuell zur Verfügung stehenden Instrumente wie Anti-Dumping- und Anti-Subventionsmaßnahmen reichen hier nicht mehr aus! Erforderlich ist eine Weiterentwicklung der WTO-Instrumente zusammen mit anderen daran interessierten Partnerländern«, fordert Ackermann anlässlich der EU-China-Konsultationen in dieser Woche. China ist seit Jahren nicht nur der größte Produzent von Maschinen und Anlagen weltweit (2017: 910 Milliarden Euro, Deutschland: 274 Milliarden Euro), sondern mittlerweile auch nach Deutschland die Nummer zwei auf den weltweiten Maschinenexportmärkten (Exportanteile 2016: Deutschland 16 Prozent, China 13 Prozent). In der EU-28 lag China 2016 mit 6 Prozent Anteil auf Platz drei der wichtigsten Maschinenlieferländer (Anteil Deutschland: 23 Prozent) und hat damit die USA, Frankreich sowie die Niederlande und Großbritannien hinter sich gelassen.


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