IC-Hersteller zum VW-Abgasskandal

Es folgt ein Innovationsschub!

2. März 2016, 11:36 Uhr | Iris Stroh

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Auswirkungen für die Halbleiterindustrie

Claudio Valesani, STMicroelectronics: „VW weiß seit zehn Jahren, dass die USA keine Dieselfahrzeuge will. Dort wurden die Abgaswerte so niedrig gesetzt, dass kein Auto diese Werte erfüllen konnte. Aber VW wollte zeigen, dass sie es doch schaffen.“
© STMicroelectronics

Aber der Kostenvorteil verschwindet aus seiner Sicht, denn einerseits wird es immer teurer, einen Dieselmotor sauber zu machen. Andererseits fangen die ersten Regierungen an zu überlegen, die KFZ- und Benzinsteuer zu ändern, wenn es sich wirklich herausstellen sollte, dass das mit den Abgaswerten überhaupt nicht stimmt. Weyer: »Und wenn die beiden Faktoren zusammenspielen, dann wird der Diesel unwirtschaftlich, denn im Anschaffungspreis liegt er sowieso schon höher.« Rechne man noch das angeschlagene Image hinzu, werde der eine oder andere Geschäftsführer grundsätzlich überlegen, ob Dieselfahrzeuge überhaupt noch die richtige Variante sind, und dann werde der Benziner wieder interessanter, so Weyers Einschätzung.

Dass es bislang heißt, dass die OEMs die Dieseltechnologie brauchen, weil sie ohne diese Technik die europäischen Vorgaben hinsichtlich CO2/km nicht schaffen, kommentiert Weyer so: »Motorola hat auch mal gesagt, schwarze Telefone seien die einzigen, die die Menschen wollen.« Seiner Meinung nach müssen sich die OEMs umstellen, und das werden sie auch. Und genau das ist für Siedhoff der wahrscheinlich einzig positive Effekt des VW-Skandals: ’Umstellung’ heißt für ihn, dass Innovationen angeschoben werden, um Entwicklungen voranzutreiben. Siedhoff: »Ich glaube nicht, dass der weltweite Bedarf an Autos zurückgeht, nur weil die 3 Prozent der weltweiten Autos mit Dieseltechnik, und davon nur die VW-Fahrzeuge, ein Problem haben.« Er glaubt auch nicht, dass noch neue Techniken entwickelt werden, die den Diesel retten können. Vielmehr sieht er, dass E-Fahrzeuge und Hybride stärker in den Mittelpunkt rücken können, vorausgesetzt, dass hier die Entwicklungen weitervorangetrieben werden. »Ich gehe davon aus, dass in anderen Automobilkonzernen ähnliche Probleme mit der Dieseltechnik hochkommen werden, was den Wechsel auf andere Technologien jenseits des Diesels noch beschleunigen wird«, so Siedhoff.

Die Halbleiterindustrie könnte sogar profitieren

Umsatzeinbußen aufgrund des Dieselskandals in der Halbleiterindustrie hält Siedhoff für unwahrscheinlich, denn für ein Halbleiterunternehmen sei es egal, ob die ICs in einem Diesel- oder einem Benzinfahrzeug eingesetzt werden, die Menge sei identisch. Lediglich aus europäischer oder deutscher Sicht könnte es zu Auswirkungen kommen, weil die Firma hier natürlich vorwiegend Umsätze mit deutschen Herstellern macht und nicht mit amerikanischen oder japanischen. Siedhoff: »Und wenn das Image leidet und VW im Absatz schwächelt, dann haben wir hier wahrscheinlich einen kleinen Dip im Umsatz.«

Die große Frage bleibt aber, ob es zu großen Marktverschiebungen kommt, und wenn ja, welche Hersteller und welche Techniken davon profitieren werden. Die Einschätzungen diesbezüglich sind sehr unterschiedlich. Die einen glauben, dass Benzinfahrzeuge vom schlechten Diesel-Image profitieren werden, die anderen halten das für unwahrscheinlich. Die einen erwarten, dass die deutschen OEMs vom VW-Skandal profitieren können, die anderen gar nicht: »Ein Fahrzeug von Volkswagen wird nicht durch eines von BMW oder Mercedes ersetzt, sondern durch Opel oder ähnliches«, so Claudio Valesani, Group Vice President, Head of EMEA Central Europe Sales Unit von STMicroelectronics.

Peter Lieberwirth, Vice President Strategic Business Planning Division von Toshiba Electronics Europe, glaubt zwar auch, dass es Verschiebungen geben wird, andererseits könne man heute aber oft lesen, dass es eine relativ hohe Markentreue gibt. Lieberwirth: »VW-Käufer haben gesagt, wenn der Diesel nicht mehr attraktiv ist, dass VW ja auch Benziner verkauft. Im Moment sieht man praktisch noch keine Verschiebungen. Was das für Auswirkungen auf VW haben wird, ist immer noch sehr schwer zu beurteilen, zumal auch jede Woche neuee Meldungen kommen.«

Valesani ist sich nicht sicher, ob die Tage der Dieseltechnik gezählt sind, aber auch er erklärt, es mache für einen Halbleiterhersteller keinen Unterschied, ob die ICs in ein Diesel- oder Benzinfahrzeug wandern, weil der Halbleiter-Content nahezu identisch sei, aber: »Wenn die Leute von der Diesel- zur Hybridtechnik wechseln, dann hat das ganz große Auswirkungen auf die Halbleiterindustrie, weil in den Hybridfahrzeugen deutlich mehr Elektronik eingesetzt wird«, so Valesani abschließend.

Norbert Siedhoff, Microchip Technology: „Jeder Hersteller versucht natürlich, beim Fahrzyklus auf optimale Werte zu kommen. Bei VW war es nur insofern schlimmer, als dass der Prüfstand der Fahrzyklus war.“
© STMicroelectronics

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